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«Er tat es nicht für den Jihad, sondern für Geld»

Die USA behaupten, der Iran habe mexikanische Killer beauftragen wollen, den saudischen Botschafter in Washington zu töten. Bekannte beschreiben den Drahtzieher des Komplotts als gewieften Geschäftsmann.

Einer der mutmasslichen Drahtzieher hinter dem Komplott: Mansour Arbabsiar auf einem Polizeibild aus dem Jahr 2004.
Einer der mutmasslichen Drahtzieher hinter dem Komplott: Mansour Arbabsiar auf einem Polizeibild aus dem Jahr 2004.
Reuters
Geriet schon früh mit dem Gesetz in Konflikt: Arbabsiar auf einem Polizeibild aus dem Jahr 2001.
Geriet schon früh mit dem Gesetz in Konflikt: Arbabsiar auf einem Polizeibild aus dem Jahr 2001.
Reuters
Machte den vereitelten Anschlag bekannt: Staatsanwalt Eric Holder in Washington. (11. Oktober 2011)
Machte den vereitelten Anschlag bekannt: Staatsanwalt Eric Holder in Washington. (11. Oktober 2011)
AFP
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Eine amerikanische Provinzstadt mit rund 290'000 Einwohnern zieht zurzeit die Aufmerksamkeit der US-Medien auf sich: Aus Corpus Christi, Texas, stammt einer der mutmasslichen Drahtzieher, der hinter dem vereitelten Anschlag auf den saudiarabischen Botschafter in den USA steckt.

Der 56-jährige Mansour Arbabsiar, ein iranisch-amerikanischer Doppelbürger, lebte mehrere Jahre in der Stadt und führte gemäss Freunden und Bekannten ein scheinbar typisch amerikanisches Leben. Seine Freunde nannten ihn Jack oder Scarface – wegen seiner Narbe im Gesicht, die ihm Unbekannte bei einem nächtlichen Überfall auf offener Strasse zufügten.

In den 1980er-Jahren besuchte Arbabsiar die Texas A&I University im benachbarten Kingsville. Das Studium beendete er aber offenbar nicht. Stattdessen zog Arbabsiar in Corpus Christi mehrere Geschäfte auf, etwa einen Gyros- und Kebab-Stand in einer Shopping-Mall. Zudem handelte er mit Gebrauchtwagen. 1991 heiratete er und wurde Vater. 1994 kaufte er ein Haus für seine Familie. Später liess er sich von seiner Frau scheiden.

Kein religiöser Fanatiker

Dass Arbabsiar hinter einem Mordkomplott stecken soll, erstaunt seine ehemaligen Weggefährten und Bekannten. «Er tat dies nicht für den Jihad und auch nicht für den Iran, er machte es für Geld», sagt Tom Hosseini, Ladeninhaber und einstiger Zimmergenosse von Arbabsiar zu College-Zeiten, gegenüber dem Lokalblatt «Caller». Der Iraner sei nicht religiös. «Aber er liebt Geld.»

Ähnlich sieht es David Tomscha, der mit Arbabsiar zehn Jahre lang geschäftete: «Er war nicht der Kopf der Operation. Wenn er darin verwickelt war, war es vermutlich wegen des Geldes.» Ladenbesitzer Mitchell Hamauei, der den Iraner seit fünfzehn Jahren kennt, glaubt ebenfalls nicht, dass Arbabsiar ein religiöser Fanatiker sei. «Er ging oft aus, besuchte Nachtklubs», sagt er gegenüber dem Fernsehsender Kris TV. Arbabsiar sei ein lustiger Kerl gewesen. «Er machte ständig Witze.»

Im Iran lockte das Geschäft

Auch von anderen Bekannten wird Arbabsiar als lustiger und freundlicher Mann beschrieben, allerdings sei er nicht sehr vertrauenswürdig gewesen. So soll er einige Streitigkeiten mit Geschäftspartnern ausgetragen haben und wegen Bagatellen mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein. Gemäss dem «Caller» lief zweimal ein Verfahren gegen den Mann. Einmal verklagte ihn eine Bank, ein anderes Mal wurde er wegen Diebstahls verhaftet. 2010 soll Arbabsiar in den Iran gezogen sein. «Er sagte mir, ich sei verrückt, wenn ich in den USA bleiben würde», sagt Freund Hosseini gegenüber dem «Caller». «Denn er würde im Iran viel Geld machen.»

Bei einem seiner Geschäfte flog Arbabsiar schliesslich auf: Er hatte dem falschen Mann vertraut. Er weihte unwissentlich einen verdeckten Mitarbeiter der US-Geheimdienste ein, den er für ein Mitglied der mexikanischen Drogenbande Los Zetas hielt. Diese sollte dabei helfen, den Mordanschlag auf den saudischen Botschafter durchzuführen.

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