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Ein verhängnisvoller Anruf

Jetzt ist laut einem Bericht der «Washington Post» klar, wie der russische Spionagering in den USA aufgeflogen ist. Spionin Anna Chapman hatte sich bei ihrem Vater, einem KGB-Veteranen, gemeldet.

Der russische Spionagering: Diese zehn Personen, darunter Anna Chapman (Mitte oben), wurden im Juni 2010 aus den USA ausgewiesen.
Der russische Spionagering: Diese zehn Personen, darunter Anna Chapman (Mitte oben), wurden im Juni 2010 aus den USA ausgewiesen.
Keystone
Mag Sean Connery, Angelina Jolie und Löwenbabys: Die hübsche Agentin Anna Chapman.
Mag Sean Connery, Angelina Jolie und Löwenbabys: Die hübsche Agentin Anna Chapman.
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Die mutmasslichen Spione vor Gericht in Manhattan.
Die mutmasslichen Spione vor Gericht in Manhattan.
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Die Zerschlagung des russischen Spionagerings in den USA hängt offenbar mit dem Anruf einer Agentin bei ihrem Vater in Moskau zusammen. Wie die "Washington Post" am Sonntag berichtete, war die Agentin Anna Chapman nach einem Treffen mit einem verdeckten Ermittler der US-Bundespolizei FBI misstrauisch geworden. Das Weisse Haus betonte, die russischen Spione seien nie an vertrauliche Informationen gelangt. Die US-Ermittler hatten die russischen Agenten vor der Festnahme bereits jahrelang im Visier. Warum sie ausgerechnet Ende Juni nach einem positiv verlaufenen Treffen von US-Präsident Barack Obama und Russlands Staatschef Dmitri Medwedew zuschlugen, hatte für Rätselraten gesorgt.

Wie die "Washington Post" nun unter Berufung auf nicht namentlich genannte Polizei- und Geheimdienstmitarbeiter schrieb, kontaktierte Chapman ihren Vater, einen Mitarbeiter des Aussenministeriums und Veteranen des früheren sowjetischen Geheimdienstes KGB. Das FBI, das den Anruf dem Bericht zufolge mithörte, befürchtete, der russische Auslandsgeheimdienst SWR könne seine Agenten auffordern, aus den USA zu fliehen. Die US-Behörden hatten demnach geplant, Chapman und den Agenten Michail Semenow über verdeckte Mitarbeiter zu Taten anzustiften, die eine Anklage nicht nur wegen geheimen Informationsaustauschs mit russischen Diplomaten ermöglichen würden.

Zur Enttarnung entschlossen

Ausserdem entschlossen sich die US-Ermittler der "Washington Post" zufolge zu der Festnahme der zehn Agenten, weil einer von ihnen, Richard Murphy, eine Reise zum SWR-Hauptquartier in Moskau antreten sollte. Das FBI befürchtete, nach Chapmans Anruf könnte der SWR Murphy nicht wieder in die USA reisen lassen. Auch US-Justizminister Eric Holder hatte am Wochenende im TV-Sender CBS erklärt, das FBI habe sich zur Enttarnung des Netzwerks entschlossen, da sich abzeichnete, dass ein wichtiges Mitglied über Frankreich nach Russland gehen wollte. "Unsere Sorge war, dass wir ihn nicht mehr zurückbekommen, wenn wir ihn ziehen lassen", sagte Holder.

Der russische Spionagering soll seit den 90er Jahren für den Kreml in den USA spioniert haben. Im Zuge des ersten Agentenaustausches zwischen den USA und Russland seit dem Ende des Kalten Krieges wurden die zehn Agenten am Freitag in der österreichischen Hauptstadt Wien gegen vier wegen "Kontakten mit westlichen Geheimdiensten" verurteilte russische Häftlinge ausgetauscht.

Erfolg für die US-Justiz

US-Präsidentensprecher Robert Gibbs sagte, der Spionagering habe keinerlei Zugang zu geheimen Informationen gehabt. "Diese Menschen standen ziemlich lange unter Beobachtung", sagte Gibbs dem Sender NBC. "Sie haben es versucht, aber sie haben nie geheime oder vertrauliche Informationen erhalten." Den Agentenaustausch mit Moskau bezeichnete Gibbs als "Erfolg für die US-Justiz".

Indes sehe er keine Anzeichen für eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und Russland angesichts der Spionageaffäre, sagte der Sprecher des Weissen Hauses. "Unser Verhältnis zu Russland verbessert sich ohne Zweifel, verglichen damit, wo es vor einigen Jahren noch stand."

SDA/cra

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