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Ein neues Kapitel einer alten Feindschaft

Die USA sind ein gewalttätiger Aggressor, ihr Präsident der Teufel. Hugo Chávez machte aus seinem Amerika-Hass keinen Hehl. Zwischen Caracas und Washington herrscht politische Eiszeit. Aber wie lange noch?

Beschuldigte Amerika, Chávez mit Krebs infiziert zu haben: Nicolás Maduro bei der Vereidigung in Caracas. (8. März 2013)
Beschuldigte Amerika, Chávez mit Krebs infiziert zu haben: Nicolás Maduro bei der Vereidigung in Caracas. (8. März 2013)
Keystone
Freunde aus der ganzen Welt: Der Sarg von Chávez flankiert durch den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad (vorne) und den weissrussischen Staatschef Alexander Lukaschenko (hinter dem Sarg).
Freunde aus der ganzen Welt: Der Sarg von Chávez flankiert durch den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad (vorne) und den weissrussischen Staatschef Alexander Lukaschenko (hinter dem Sarg).
Reuters
«Lasst uns wie Chávez sein. Wir werden ihn nie vergessen!» (5. März 2013)
«Lasst uns wie Chávez sein. Wir werden ihn nie vergessen!» (5. März 2013)
Keystone
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US-Präsident Barack Obama spricht lieber gleich von einem «neuen Kapitel» in der Geschichte Venezuelas, statt den Tod von Staatschef Hugo Chávez mit einer Trauernotiz zu vermerken. Eine aufrichtige Beileidsbekundung klingt anders. Und auch die US-Delegation zur Beerdigung am Freitag soll nicht hochrangig besetzt werden.

Der «Comandante» war zwar alles andere als ein Freund der Amerikaner, doch die Art, in der das Weisse Haus schon wenige Stunden nach der Todesnachricht schiere Aufbruchstimmung «für demokratische Prinzipien und den Respekt für Menschenrechte» in Venezuela zu verbreiten suchte, war auffällig kühl.

Gemeinsame Ziele

Mit vorgehaltener Hand macht die US-Regierung klar, dass Chávez jeglicher Verbesserung der diplomatischen Beziehung im Weg stand - und nun endlich ein Neuanfang möglich sein könnte. Denn das amerikanische Interesse an einem engeren Kontakt ist nicht gering.

«Es gibt eindeutig Themen, bei denen wir gemeinsame Ziele verfolgen», sagt eine ranghohe Regierungsbeamtin des US-Aussenministeriums. Dazu zählten «die Drogenbekämpfung, der Anti-Terror-Kampf oder wirtschaftliche Fragen».

Gerade im Handelssektor sind sich beide Länder nämlich ohnehin nah: Venezuela exportiert einen Grossteil seines Öls für gutes Geld in die USA und rund 500 US-Betriebe machen Geschäfte in dem Land.

Teufel, Bush und Schwefel

Doch politisch hat Chávez mit seinem Anti-Amerikanismus fast alle Brücken eingerissen. Dass er Obamas Vorgänger George W. Bush 2006 bei der UNO-Vollversammlung vor aller Welt einen «Teufel» nannte («Es riecht hier noch immer nach Schwefel») war nur ein Höhepunkt seiner Negativ-Rhetorik.

2002 machte er den Geheimdienst CIA für einen Militärputsch gegen sich verantwortlich, 2011 nannte er Obama einen «Clown». Chávez' freundschaftliche Beziehungen zu Amerika-Hassern wie dem iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad und Kubas Revolutionsführer Fidel Castro machten die Sache nicht besser. Seit 2010 tauschen die Staaten keine Botschafter mehr aus.

Die US-Regierung macht sich aber keine Illusionen, die Beziehung nun im Eiltempo kitten zu können. Zwar hatte sie vor ein paar Monaten ermutigende Kontakte mit Venezuelas Vize-Präsidenten Nicolás Maduro. Aber die Gespräche seien eher versandet, sagt eine Diplomatin in Washington.

Mit Krebs infiziert

Regelrecht «enttäuscht» habe es die Amerikaner, dass Maduro sie Stunden vor Chávez' Tod beschuldigte, den Präsidenten gezielt mit Krebs infiziert zu haben - und zwei US-Militärs auswies.

Zwar gibt es in den USA auch grosse Fans des «Kämpfers für die Armen», wie etwa Hollywood-Star Sean Penn und Regisseur Oliver Stone ihn nennen. Doch insgesamt sind die diplomatischen Wunden tief und «eine Heilung wird Zeit benötigen», sagt Eric Farnsworth von der Organisation Council of the Americas der Zeitung «Christian Science Monitor». «Wer auch immer Chávez nachfolgt, ich bin nicht überzeugt, dass er an einer Heilung interessiert ist.»

Zahlen als Lackmustest

Das kann auch im US-Aussenamt derzeit niemand erahnen. Es will sich zumindest bis zur Wahl in rund 30 Tagen geduldig zeigen. «Ein Wahlkampf ist nicht immer die beste Zeit für einen aussenpolitischen Umbruch», so die Begründung.

Zudem werden die Wahlen auch als Lackmustest der neuen Führung empfunden, denn sie müssten «frei und fair» verlaufen, damit es wenigstens Grundvertrauen geben kann. Experten meinen, dass die USA als erstes die ökonomische Beziehung mit dem «wichtigen Nachbarn» weiter kultivieren sollten. Was politisch passiere, hänge vor allem von Venezuela ab.

«Vor Chávez hatten wir ein positives und freundliches Verhältnis; das kann mit einem Führer repariert werden, der das Interesse des venezolanischen Volkes einer anti-amerikanischen Ideologie vorzieht», meint Roger Noriega, der sich als stellvertretender Aussenminister in der Regierung von George W. Bush mit dem Land beschäftigt hatte.

SDA/wid

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