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Edward Snowden, Held oder Verräter?

Der Enthüller der NSA-Praktiken sieht sich als Kämpfer gegen die überbordende Staatsgewalt. Statt Loorbeeren von Neokonservativen gibt es aber verbale Haue.

Er setzt Karriere, Freiheit, ja vielleicht sein Leben aufs Spiel: Edward Snowden.
Er setzt Karriere, Freiheit, ja vielleicht sein Leben aufs Spiel: Edward Snowden.
Keystone

Ein junger und intelligenter Mann legt sich mit einer der mächtigsten Institutionen dieser Welt an, dem US-Geheimdienst. Er verrät, wie die NSA Bürgerinnen und Bürger ausspioniert, und zeigt auf, wie der moderne Staat sich immer mehr zu einem Big Brother wandelt. Mit seinem Tun setzte er alles aufs Spiel – und droht alles zu verlieren: seine Karriere, seine Freiheit, ja vielleicht sein Leben. Ist er deswegen nun ein Held?

Vor allem einmal ist Edward Snowden ein Überzeugungstäter. Er hat im letzten Herbst für den US-Präsidentschaftskandidaten Ron Paul gespendet, einen Abgeordneten aus Texas. Dieser will den Staat auf ein Minimum reduzieren und viele Ämter – vor allem Umwelt- und Gesundheitsbehörden – abschaffen. Auch die Notenbank, das US-Federal Reserve System, bezeichnet Paul als sozialistische Verbrecherorganisation, die wieder rückgängig gemacht werden müsse. In dieser Sicht der Welt ist der Staat grundsätzlich verdorben und muss mit allen Mitteln bekämpft werden.

Selbst moderate Konservative können sich mit dieser Weltsicht nicht anfreunden. So schreibt der bekennende Neokonservative und «New York Times»-Kolumnist David Brooks heute, dass Snowden gegen seinen geleisteten Eid verstossen habe, seine Arbeitskollegen und seinen Arbeitgeber verraten und vor allem gegen die Verfassung verstossen habe. Die Gründungsväter, so Brooks, hätten die Vereinigten Staaten nicht geschaffen, damit ein 28-Jähriger darüber entscheiden könne, was an die Öffentlichkeit gehöre und was nicht.

In der «Financial Times» macht Kolumnist Gideon Rachman zudem auf einen Widerspruch der modernen Gesellschaft aufmerksam: Einerseits fürchten wir uns immer mehr vor einem Cyber-Krieg, einem Angriff über das Internet. Doch wie wollen wir ihn verhindern, wenn wir Überwachungen des Geheimdienstes verbieten? Warum heulen Menschen, die ihre intimsten Daten privaten Unternehmen zur Verfügung stellen, auf, wenn der Staat ins Spiel kommt? «Es gibt im Internet nicht nur Menschen, die Katzenvideos liken und auf Facebook Freunde suchen», so Rachman. «Das Internet wird auch zu einem betont unfreundlichen, kriminellen Netzwerk, in dem auch Terroristen operieren.»

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