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Die Überfliegerin brachte ihn zum Stolpern

Mit David Petraeus verliert US-Präsident Barack Obama eine wichtige Spitzenkraft. Der CIA-Chef hatte eine Affäre mit seiner Biografin, die genauso ehrgeizig ist wie er selbst.

Ist offenbar untergetaucht: Jill Kelley in ihrer Villa in Tampa, Florida. (13. November 2012)
Ist offenbar untergetaucht: Jill Kelley in ihrer Villa in Tampa, Florida. (13. November 2012)
AFP
Bedrohte die vermeintliche Rivalin: Paula Broadwell in der Küche ihres Hauses in Washington. (13. November 2012)
Bedrohte die vermeintliche Rivalin: Paula Broadwell in der Küche ihres Hauses in Washington. (13. November 2012)
Keystone
Petraeus hätte kurz nach dem Zeitpunkt seines Rücktritts als CIA-Chef vor einem Kongressausschuss zur Ermordung des US-Botschafters in Benghazi Stellung nehmen müssen: Der General bei einer früheren Anhörung im Senat. Im Hintergrund seine Frau. (29. Juni 2012)
Petraeus hätte kurz nach dem Zeitpunkt seines Rücktritts als CIA-Chef vor einem Kongressausschuss zur Ermordung des US-Botschafters in Benghazi Stellung nehmen müssen: Der General bei einer früheren Anhörung im Senat. Im Hintergrund seine Frau. (29. Juni 2012)
Reuters
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Er habe «extrem schlechtes Urteilsvermögen bewiesen», formulierte es David Petraeus selbst etwas ungelenk. Der CIA-Chef hat am Freitag seinen Rücktritt eingereicht wegen einer ausserehelichen Beziehung.

Die Meldung kam überraschend. Der hochdekorierte Armeegeneral aus dem Irak- und dem Afghanistan-Krieg galt als Asket, einer der keinen Alkohol trinkt und täglich Sport treibt. Mit Ehefrau Holly ist Petraeus seit vier Jahrzehnten verheiratet, das Paar hat zwei Kinder. Sein Sohn führt in Afghanistan eine Infanterieeinheit. Seinen Soldaten habe er als General beigebracht, dass Charakter bedeute das Richtige zu tun, wenn niemand zuschaue, schreibt die «Washington Post» ein einem Porträt.

Biografin als Geliebte

Das Verhalten des CIA-Direktors hätte für die USA zum Sicherheitsrisiko werden können, wenn feindliche Mächte von der Affäre gewusst hätten. Selbst ein Verfahren vor einem Militärgericht ist bei so einem Fehlverhalten möglich.

Bei seiner Geliebten soll es sich nach Angaben eines Insiders um die rund 20 Jahre jüngere Paula Broadwell handeln, welche eine Biografie über Petraeus geschrieben hatte. «All In: The Education of General David Petraeus» lautet das Buch, bei dessen Recherchen die Autorin dem CIA-Chef näher kam. Die «New York Times» beschreibt die Journalistin in einem Porträt als «High Achiever», als Überfliegerin. Sie sei die Abschlussrednerin ihrer High School gewesen, Ballkönigin, eine der Sportlichsten der Militärakademie West Point mit einem Harvard-Degree und Model für einen Maschinenpistolen-Hersteller. Auf Twitter habe sie regelmässig über Führungsverhalten philosophiert.

Mit diesen Eigenschaften habe sie die Aufmerksamkeit des ebenso ehrgeizigen wie sportbegeisterten David Petraeus auf sich gezogen. Petreaus und Broadwell sollen sich 2006 erstmals begegnet sein, sie habe ihn angesprochen, er habe ihr seine Karte gegeben, schreibt sie im Vorwort der Biografie. In Afghanistan hätten sie dann bei gemeinsamen Langstreckenläufen Gespräche geführt. In seiner Sendung «The Daily Show» bewies der Komiker Jon Stewart einen siebten Sinn, als er Broadwells Buch mit den Worten zusammenfasste: «Ich würde sagen, die echte Kontroverse in dem Buch ist: Ist er grossartig oder unglaublich grossartig?» Bislang hat sich Paula Broadwell allerdings noch nicht zu der Sache geäussert.

FBI deckte die Beziehung auf

Aufgedeckt hatten die Beziehung FBI-Beamte, die den E-Mail-Verkehr von Petraeus beobachteten, nachdem sie einen Hinweis erhalten hatten, dass Broadwell möglicherweise Zugang zum E-Mail-Konto von Petraeus haben könnte, wie es aus Kreisen der Ermittler hiess. Petraeus soll Hunderte Liebesmails von seinem privaten Account geschrieben haben. Bereits vor einigen Monaten soll das FBI auf Hinweise für die Affäre gestossen sein. Das Weisse Haus wurde allerdings erstmals am Mittwoch über die Affäre unterrichtet, wie es aus Regierungskreisen hiess. Obama wurde dann am Donnerstag informiert.

Mit dem Rücktritt des CIA-Chefs wird Obamas Liste vakanter Spitzenpositionen im US-Sicherheitsapparat länger. So hatte Aussenministerin Hillary Clinton schon vor der Wahl deutlich gemacht, dass sie keine zweite Amtszeit anstrebt. Zudem wird damit gerechnet, dass Verteidigungsminister Leon Panetta ebenfalls nicht im Amt bleiben will.

Petraeus hatte erst im September vergangenen Jahres das Amt des CIA-Chefs von Leon Panetta übernommen, der an die Spitze des Verteidigungsministeriums wechselte. Zuvor kommandierte Petraeus unter anderem die US-Soldaten im Irak und führte die Isaf-Truppen im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan an.

Spekulationen über Nachfolger

Nach dem Rücktritt wird die CIA laut «New York Times» übergangsweise von Petraeus' Stellvertreter Michael Morell geführt, der auch die Nachfolge übernehmen könnte. Als möglicher Nachfolger komme zudem Obamas Antiterrorberater John Brennan in Frage, sagte der ehemalige CIA-Beamte Bruce Riedel von der Denkfabrik Brookings Institution der Nachrichtenagentur AFP. Brennan sei bereits in der Vergangenheit für den Posten genannt worden.

Das US-Magazin «Politico» erwähnt zudem den Nationalen Sicherheitsberater Obamas, Tom Donilon, die Senatoren Jack Reed und Richard Lugar sowie die frühere demokratische Kongressabgeordnete Jane Harman.

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