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Die Terrorfahnder und der Schreibfehler

Der Terrorverdächtige Tamerlan Tsarnaev fiel bei seiner Dagestan-Reise den russischen Behörden auf. Doch plötzlich rutschte er aus dem Suchraster. Derweil wurde in Boston das Spital-Protokoll veröffentlicht.

Am Spitalbett befragt: Ausschnitt aus dem Transkript der Anhörung von Dzokhar Tsarnaev.
Am Spitalbett befragt: Ausschnitt aus dem Transkript der Anhörung von Dzokhar Tsarnaev.
Screenshot

Ein simpler Rechtschreibfehler hat möglicherweise eine rechtzeitige Überprüfung der späteren Attentäter des Boston-Marathons verhindert. Der ältere der beiden mutmasslichen Täter habe wegen eines falsch buchstabierten Namens unbemerkt nach Russland reisen können, sagte der republikanische US-Senator Lindsey Graham gestern. Der Überlebende der beiden Brüder, Dzhokhar Tsarnaev, wurde unterdessen durch Videoaufnahmen vom Tatort schwer belastet.

Graham führte aus, die US-Bundespolizei FBI habe ihn darüber informiert, dass Dzhokhars älterer Bruder Tamerlan Tsarnaev den russischen Behörden und ihren US-Kollegen wohl auch durch einen Rechtschreibfehler nicht aufgefallen sei. «Wir wissen nicht, ob er ihn selbst falsch buchstabiert hat», sagte der Senator - oder ob es die russische Fluggesellschaft Aeroflot war, mit der Zarnajew einst flog.

Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf eine knapp sechsmonatige Reise, die Tamerlan Tsarnaev im Jahr 2012 in die russische Kaukasusrepublik Dagestan führte. Dort sei er «mindestens vier Mal ins Visier der Sicherheitskräfte geraten», erfuhr die Nachrichtenagentur AFP von örtlichen Behördenvertretern. Grund waren Treffen mit einem jungen Mann, der Verbindungen zur islamistischen Untergrundbewegung unterhielt.

Neue Videoaufnahmen

Ein US-Regierungsvertreter sagte dem Sender «CNN», vorläufige Vernehmungen des schwer verletzten Dzhokhar Tsarnaev am Krankenbett deuteten darauf hin, dass beide Brüder dem Profil «selbst-radikalisierter Jihadisten» entsprächen. Demnach habe der 19-Jährige angegeben, dass sein älterer Bruder Tamerlan «den Islam vor Angriffen schützen wollte» (Dieser Link führt zum Protokoll der Anhörung).

Der mutmassliche Attentäter sagte aus, sein älterer Bruder habe sich vom Jihad - vom Heiligen Krieg - inspirieren lassen. Dabei habe das Internet eine grosse Rolle gespielt.

Tamerlan sei besessen gewesen von der Idee, dass der Islam attackiert werde und die selbsternannten Gotteskrieger zurückschlagen müssten. Die Ermittler werten nun Tamerlans Internetaktivitäten aus.

Während Tamerlan bei der Flucht vor der Polizei in der Nacht zum Freitag getötet wurde, sagte sein später festgenommener Bruder laut «CNN» aus, internationale Terrorgruppen seien nicht an dem Bombenanschlag mit drei Toten und etwa 180 Verletzten am Montag vergangener Woche beteiligt gewesen.

Ein FBI-Agent erklärte am Montag unter Eid, dass Videoaufnahmen vom Tatort die zahlreichen Indizien gegen das Bruderpaar weiter erhärten. Darauf seien die beiden elf Minuten vor der ersten Explosion zu sehen, wie sie die Boylston Street entlang der Marathon-Strecke in Boston ablaufen. Die Bilder zeigten zudem, wie Dzhokhar Tsarnaev die zweite Bombe platziere und nach der ersten Detonation seelenruhig den Schauplatz des Anschlags verlasse.

PC wird untersucht

Gegen den 19-Jährigen Dzhokhar Tsarnaev war am Montag Anklage unter anderem wegen Gebrauchs von Massenvernichtungswaffen erhoben worden. Ihm drohen die Todesstrafe oder eine langjährige, möglicherweise gar lebenslange Haftstrafe. Dzhokhar Tsarnaev wird derzeit wegen Verletzungen behandelt, die er während einer Schiesserei mit der Polizei erlitt. Aufgrund einer Schusswunde am Rachen, die er sich Ermittlern zufolge wohl bei einem Selbstmordversuch zufügte, kann er kaum sprechen

Bei der Suche nach den genauen Hintergründen der Tat nehmen die Ermittler jetzt neben Telefonverbindungen und Banküberweisungen auch die Computer der Beschuldigten unter die Lupe.

(AFP)

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