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«Nicht einmal Hollywood hätte sich das ausdenken können»

US-Geheimdienste verifizieren Teile des Steele-Dossiers und überführen Trumps Sicherheitsberater der Lüge über ein Telefonat mit Moskaus Botschafter.

Gefährliche Nähe: Wladimir Putin und Donald Trump als Pappkameraden an einer Demonstration in Seattle. (29. Januar 2017) Bild: Elaine Thompson/Keystone
Gefährliche Nähe: Wladimir Putin und Donald Trump als Pappkameraden an einer Demonstration in Seattle. (29. Januar 2017) Bild: Elaine Thompson/Keystone

Die Beziehungen des Trump-Stabs zum Kreml während des US-Wahlkampfs und der Übergangszeit vor dem Amtsantritt des Präsidenten bleiben ein Minenfeld für die neue Administration. So berichtete der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf Quellen in US-Geheimdiensten, dass mehrere Einzelheiten eines 35 Seiten umfassenden Dossiers über Donald Trumps angebliche Erpressbarkeit durch den Kreml inzwischen bewiesen werden konnten.

Verfasst hatte das Dossier der ehemalige britische MI6-Agent Christopher Steele im Auftrag republikanischer und demokratischer Feinde Trumps. Die Veröffentlichung des Dossiers inklusive der darin enthaltenen sexuellen Details durch das Nachrichtenportal Buzzfeed im Januar war teils scharf kritisiert worden, weil die Angaben nicht verifizierbar waren.

Am Samstag ist Donald Trump 100 Tage im Amt.
Am Samstag ist Donald Trump 100 Tage im Amt.
Carolyn Kaster, Keystone
Ernster Blick, miese Umfragewerte: Die Unzufriedenheit über die Regierungsarbeit des US-Präsidenten wächst. Donald Trump am 19. März 2017 in Washington D.C.
Ernster Blick, miese Umfragewerte: Die Unzufriedenheit über die Regierungsarbeit des US-Präsidenten wächst. Donald Trump am 19. März 2017 in Washington D.C.
AP Photo/Alex Brandon
Nach Trumps Willen soll Mexiko die gigantische Anlage an der 3200 Kilometer langen Grenze finanzieren. Die mexikanische Regierung lehnt dies jedoch strikt ab: Blick auf den Grenzzaun in Tijuana.
Nach Trumps Willen soll Mexiko die gigantische Anlage an der 3200 Kilometer langen Grenze finanzieren. Die mexikanische Regierung lehnt dies jedoch strikt ab: Blick auf den Grenzzaun in Tijuana.
Guillermo Arias, AFP
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Laut CNN sind rund ein Dutzend Telefonate zwischen hochrangigen russischen Regierungsmitarbeitern und Privatpersonen, die in Steeles Dossier erwähnt wurden, von US-Diensten inzwischen nachgewiesen worden. «Dem abgehörten Material zufolge fanden einige der im Dossier erwähnten Konversationen tatsächlich zwischen den genannten Individuen am genauen Tag und am genauen Ort statt», so CNN. Dies wiederum habe US-Diensten «grösseres Vertrauen» hinsichtlich der Glaubwürdigkeit einiger Aspekte des Dossiers eingeflösst.

Offenbar ermitteln CIA und FBI weiterhin, ob Steeles Dossier zumindest teilweise auf Tatsachen basiert. In dem Report waren unter anderem Trumps angebliche finanzielle Verflechtungen mit Russland beschrieben worden. Ein Informant mit Zugang zu US-Diensten, der wegen seiner Stellung nicht namentlich genannt werden möchte, bezweifelte gegenüber Redaktion Tamedia in Washington, dass es sich bei dem Dossier um «reine Erfindungen» handle: «Nicht einmal ein Drehbuchautor in Hollywood hätte sich das ausdenken können.»

Tausende Mexikaner demonstrieren gegen Trump. (12. Januar 2017) Video: Keystone

Präsidentensprecher Sean Spicer wies den Bericht von CNN am Freitag hingegen als «Fake-News» zurück. Es sei «höchste Zeit, dass sich CNN auf den Erfolg des Präsidenten bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze, beim Schutz der Nation sowie bei der Stärkung der Beziehungen mit Japan und anderen Nationen konzentriert», sagte Spicer.

Russland aber bleibt gefährliches Terrain für die Trump-Administration: So musste Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn am Donnerstag eingestehen, dass er sich im Dezember telefonisch mit Sergei Kislyak, dem russischen Botschafter in Washington, über eine mögliche Aufhebung der Sanktionen gegen Moskau unterhalten hatte – am gleichen Tag, als Präsident Obama den Kreml wegen dessen Einmischung in den US-Wahlkampf mit neuen Sanktionen belegte.

Sicherheitsberater lügt Vizepräsidenten an

Flynn, der als Freund Russlands gilt, hatte noch am vergangenen Mittwoch verneint, dass die Sanktionen bei dem Telefonat zur Sprache gekommen seien. Der Sicherheitsberater musste jedoch einen Rückzieher machen, nachdem neun Mitarbeiter amerikanischer Dienste gegenüber der «Washington Post» seiner Darstellung unter Berufung auf ein Abhörprotokoll des Telefonats widersprochen hatten.

Zwar könne sich Flynn nicht daran erinnern, über die Sanktionen geredet zu haben, so ein Sprecher des Sicherheitsberaters, «aber er ist sich nicht sicher, ob das Thema nicht zur Sprache kam». Telefonate von US-Privatpersonen oder Regierungsmitarbeitern mit russischen Diplomaten werden in der amerikanischen Hauptstadt von FBI und NSA routinemässig abgehört.

Nicht nur hätte Flynn, der zum Zeitpunkt des Telefonats eine Privatperson war, damit gegen US-Gesetze verstossen. Es ist zudem denkbar, dass der Sicherheitsberater bei einer späteren Einvernahme durch das FBI ebenfalls die Unwahrheit sagte. Zumal Flynn offenbar auch Vizepräsident Mike Pence angelogen hatte. In einem Interview mit dem TV-Sender CBS hatte Pence am 15. Januar behauptet, Flynns Telefonat mit Moskaus Botschafter sei «Zufall» gewesen, eine Diskussion über die Sanktionen habe es nicht gegeben.

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