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«Die Leute wollen, dass Schluss ist»

Vor einem Jahr explodierte die Bohrinsel Deepwater Horizon. Noch immer werden Ölklumpen und manchmal verschmierte tierische Kadaver angeschwemmt. Die Folgen der Ölpest sind noch längst nicht bewältigt.

Am 2. Mai kommt US-Präsident Barack Obama in die Unglücksregion, um sich selber ein Bild zu machen.
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Reuters
Shrimpboat-Kapitäne versuchen verzweifelt, den Schaden für ihre Fanggründe einzudämmen.
Shrimpboat-Kapitäne versuchen verzweifelt, den Schaden für ihre Fanggründe einzudämmen.
Reuters
18. Februar 2011: BP kritisiert den Verwalter des Entschädigungsfonds Kenneth Feinberg. Die künftigen Schadenersatzforderungen seien zu hoch angesetzt.
18. Februar 2011: BP kritisiert den Verwalter des Entschädigungsfonds Kenneth Feinberg. Die künftigen Schadenersatzforderungen seien zu hoch angesetzt.
Keystone
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Kilometerlang zieht sich der Sandstrand von Grand Isle am Golf von Mexiko entlang, auch im Frühjahr sind die Temperaturen angenehm warm. Doch gelbe Bagger und Männer mit Schaufeln sorgen für allenfalls gedämpfte Urlaubsstimmung in dem schicken Resort im US-Bundesstaat Louisiana. Auch ein Jahr nach der Katastrophe werden manchmal noch Ölklumpen oder tote, ölverschmierte Delfine und Vögel an Land geschwemmt. «Wir würden den Menschen gerne sagen, dass es vorbei ist», sagt Grand Isles Vize-Bürgermeister Jay LaFont. Doch die Langzeitfolgen für die Natur und die Wirtschaft der Region sind nur schwer abzuschätzen.

«Die Leute wollen zu einem normalen Leben zurückkehren»

Am 20. April 2010 havarierte die Deepwater Horizon, elf Arbeiter starben. Als der Energiekonzern BP das Bohrloch in der Tiefsee nach 87 Tagen und mehreren gescheiterten Versuchen im Juli endlich schliessen konnte, waren Hunderte Millionen Liter Erdöl ins Meer geströmt – die grösste Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA. Zwar ist der Ölteppich mittlerweile weitgehend von der Meeresoberfläche verschwunden, unter den Wellen sind aber noch immer riesige Ölmengen versteckt.

«Die Leute wollen, dass Schluss ist und dass sie zu einem normalen Leben zurückkehren können», sagt LaFont. Zu ihnen gehört die 76-jährige Sarah Rigaud, die in Grand Isle ein kleines Restaurant betreibt. Fast 40 Jahre lang liefen die Geschäfte gut, dann kam die Ölpest. Die Gäste blieben aus, die unbezahlten Rechnungen häuften sich. Von BP erhielt Rigaud bislang zwei Soforthilfen in Höhe von je 5000 Dollar, auf eine Zahlung aus dem 20 Milliarden Dollar schweren Entschädigungsfonds des Energiekonzerns wartet sie aber weiter. «Sie machen uns ständig neue Versprechen, und wir haben nichts bekommen», beklagt sie sich.

«Mit Geld allein ist der Schaden nicht zu begleichen»

Rund 88'000 Schadenersatzanträge wegen der Ölpest sind noch nicht bearbeitet, in 43'000 weiteren Fällen verlangt BP zusätzliche Beweise für die Einbussen. Mit Geld allein sei der Schaden ohnehin nicht zu begleichen, meint Dean Blanchard, der ebenfalls noch auf seinen Check wartet. «Sie könnten mir 500 Millionen Dollar zahlen, und das wäre nicht genug», sagt er. Früher habe sein Fischgrosshandel in Grand Isle täglich bis zu 226'000 Kilogramm Krabben umgeschlagen. «Das ist, was ich liebe, was ich mein Leben lang gemacht habe. Das wurde mir genommen.»

Derzeit werden rund 380 Kilometer Küste vom Ölschlick gereinigt, nach Ende der Tourismussaison und der Brutzeit sollen sich die Säuberungstrupps weitere 480 Kilometer vornehmen. Für November ist dann eine Überprüfung der gesamten Küste auf verbleibende Ölverschmutzungen geplant. «Es ist schwer, schon irgendeinen Schlusspunkt zu nennen», sagt Dan Lauer von der US-Küstenwache, der für BP die Aufräumarbeiten leitet.

«Wir hatten wirklich Glück»

Die schlimmsten Befürchtungen für die ökologisch sensiblen Feuchtgebiete an der Küste Louisianas traten aber nicht ein. «Wir hatten wirklich Glück», sagt Christopher D'Elia, der an der Louisiana State University über Küstengebiete forscht. Günstige Winde und Strömungen hielten das meiste Öl von der Küste fern. Mit dem massiven Einsatz chemischer Mittel wurde der dicke Ölteppich in winzige, biologisch abbaubare Tröpfchen aufgelöst. Während bei der deutlich kleineren Ölpest nach der Havarie des Öltankers Exxon Valdez 1989 vor Alaska 30'000 Vögel im Ölschlick verendeten, wurden an der Golfküste nur etwas mehr als 6000 tote Vögel gefunden.

Die Leiterin der US-Umweltschutzbehörde EPA, Lisa Jackson, nannte den Einsatz der Chemikalien die «am wenigsten schlechte Option». Doch Experten beobachten mit Unbehagen die giftige Mischung aus Öl und chemischen Dispersionsmitteln, die nun im Ozean treibt. Die Folgen seien derzeit nicht abzusehen, sagt Larry McKinney von der Texas A&M University in Corpus Christi. «Die noch unbeantwortete Frage ist, ob wir auf kurze Sicht etwas gewonnen haben, indem wir ein langfristiges Problem geschaffen haben.»

AFP/lcv

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