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Die letzte Reise für Syriens Giftgas

Senfgas, Sarin und das Nervengas VX. Bashar Assads Giftwaffenarsenal wird zu Beginn des nächsten Jahres zerstört. Dazu rüstet die US-Marine ein Frachtschiff mit zwei Spezialanlagen aus.

Transportiert gewöhnlich militärische Ausrüstung: Der Frachter MV Cape Ray.
Transportiert gewöhnlich militärische Ausrüstung: Der Frachter MV Cape Ray.
Keystone

Ein Schiff, zwei mobile Vernichtungsanlagen, weniger als 90 Tage Zeit: Das sind die Kernpunkte des vom US-Militär ausgearbeiteten Plans, um die gefährlichsten syrischen Chemiewaffen unschädlich zu machen. Aus Verteidigungskreisen in Washington verlautete, dass «hunderte Tonnen» von chemischen Kampfstoffen der höchsten Gefahrenstufe zerstört werden sollen. Derzeit rüstet die US-Marine ein Frachtschiff dafür aus, die schwierige Aufgabe auf hoher See zu erledigen. Anfang kommenden Jahres soll die Mission beginnen. Das Pentagon versichert: Kein Giftmüll wird ins Meer gekippt.

Syriens Machthaber Baschar al-Assad hatte der Vernichtung zugestimmt, nachdem die USA wegen eines tödlichen Giftgaseinsatzes im syrischen Bürgerkrieg am 21. August bei Damaskus mit einem militärischen Angriff gedroht hatten. Gemäss einer vom UN-Sicherheitsrat im September verabschiedeten Resolution muss das Arsenal bis Mitte 2014 vollständig vernichtet sein. Die gefährlichsten Kampfstoffe - darunter Senfgas, Sarin und das Nervengas VX - müssen bereits bis Ende dieses Jahres ausser Landes gebracht und bis spätestens April zerstört werden.

Frachter wird umgebaut

Zunächst galt Albanien als möglicher Ort für die Beseitigung der Chemiewaffen der «Priorität 1», doch dann verweigerte die Regierung in Tirana die Annahme. Daraufhin bat die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) die USA um Hilfe. Washington erklärte sich bereit, das Giftgas in internationalen Gewässern zu vernichten. Für die Mission wird das Frachtschiff MV Cape Ray vorbereitet, das im Hafen des Marinestützpunkts Norfolk im US-Bundesstaat Virginia vor Anker liegt und gewöhnlich militärische Ausrüstung transportiert.

Die US-Streitkräfte bauen auf der 200 Meter langen MV Cape Ray zwei neu entwickelte Spezialgeräte auf, die Kampfstoffe per Hydrolyseverfahren neutralisieren können. Dabei werden chemische Verbindungen mithilfe von Wasser gespalten. Die Anlagen werden laut Pentagon in einem abgedichteten Zelt stehen. Spezielle Luftfilter sollen verhindern, dass Giftgas nach aussen gelangt.

«Absolut nichts wird ins Meer gekippt»

Das Verfahren sei «sicher und umweltschonend», betonte ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums. Das Endprodukt der Hydrolyse werde «sehr niedriggradiger Giftmüll» sein, vergleichbar mit Industrieabfällen, die jeden Tag auf den Weltmeeren transportiert würden. Die gefährlichen Chemikalien würden «zu 99,9 Prozent» zerstört, versicherte der Vertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte. «Absolut nichts wird ins Meer gekippt.» Der Abfall werde vielmehr zu einer privat betriebenen Giftmüllanlage gebracht. Die Ausschreibung läuft - 35 Unternehmen meldeten Interesse an.

Der Plan der OPCW sieht vor, dass die syrische Armee die hochgefährlichen Chemiewaffen zunächst zum Mittelmeerhafen von Latakia transportiert. Von dort sollen Schiffe von Drittländern - im Gespräch sind Norwegen und Dänemark - die Container zu einem anderen Hafen ausserhalb Syriens bringen, wo die Kampfstoffe dann auf die MV Cape Ray verladen werden sollen.

Ein Einsatzbefehl für die MV Cape Ray erging noch nicht, das Schiff soll aber nach einigen Testläufen Anfang kommenden Jahres in See stechen. Die Zerstörung der Chemiewaffen werde dann «45 bis 90 Tage» in Anspruch nehmen, hiess es aus dem Pentagon. Etwa 60 zivile Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums sollen die Spezialgeräte bedienen, insgesamt peilt das Pentagon eine hundertköpfige Besatzung an. Die unbewaffnete MV Cape Ray könnte ausserdem durch US-Kriegsschiffe sowie die Luftwaffe geschützt werden.

(AFP)

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