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Die Elitekämpferinnen der Zukunft

US-Soldatinnen dürfen bald dieselben Posten übernehmen wie ihre männlichen Kollegen. Eine Umfrage zeigt, welche Einheiten bei den Frauen besonders beliebt sind.

Ihr werden bald alle Posten offenstehen: Eine US-Soldatin auf einem Militärstützpunkt in North Carolina. (Archivbild)
Ihr werden bald alle Posten offenstehen: Eine US-Soldatin auf einem Militärstützpunkt in North Carolina. (Archivbild)
AFP

Die Offiziere überraschte bei einer Umfrage unter US-Soldatinnen nicht der niedrige Anteil an Frauen, die Interesse an einem Job an der Front äusserten. Vielmehr waren sie erstaunt zu sehen, welche Aufgabe diese wenigen weiblichen Streitkräfte anstrebten – nämlich ausgerechnet eine Position bei den «Night Stalkers» (160th SOAR), dem Hubschrauberregiment der Spezialeinheit der US-Streitkräfte. Dieses war 2011 am tödlichen Einsatz gegen al-Qaida-Chef Osama bin Laden in Pakistan beteiligt.

Allerdings erklärten insgesamt weniger als acht Prozent der befragten Frauen, dass sie bei Kampfhandlungen eingesetzt werden wollten – ein Trend, der aus anderen Ländern, in denen Frauen Dienst an der Waffe tun, bestätigt wird.

Soldaten fürchten weibliche Konkurrenz

Rund 170'000 Soldatinnen gibt es bei den US-Streitkräften. Bisher waren ihnen zahlreiche Positionen verwehrt, von Anfang 2016 an soll das anders werden. Dann sollen Frauen beim Militär so gut wie alle Posten offenstehen. Im Zweifelsfall muss begründet werden, warum eine bestimmte Aufgabe für Soldatinnen nicht geeignet ist.

Die Ergebnisse einer Umfrage aus dem Jahr 2013, die der Nachrichtenagentur AP vorliegen, zeigen jedoch, dass diese Entscheidung beim Militär selbst verhalten aufgenommen wird: Männer äusserten die Angst, sie könnten ihre Jobs an Frauen verlieren; und Frauen zeigten sich besorgt, man könne ihnen nachsagen, dass sie eine Stelle vor allem aufgrund ihres Geschlechts und weniger wegen ihrer Qualifikation bekommen hätten.

Die Umfrage richtete sich an aktive Soldaten, Reservisten und Angehörige der Nationalgarde. Von den 30'000 Frauen, die den Fragebogen ausfüllten, äusserten nur 2238 (7,5 Prozent) Interesse an einem Job an der Front. Nach Militärangaben sind etwa 200'000 der rund 1,1 Millionen Stellen bei den Streitkräften unmittelbar mit Kampfgeschehen verbunden.

Angst vor sexueller Belästigung

Mehrheitlich erklärten sowohl Männer als auch Frauen, die für bestimmte Posten erforderlichen Standards sollten nicht verändert werden. «Die Männer wollen keine niedrigeren Standards, weil sie dies als Risiko für ihre Einheit betrachten», sagt David Brinkley, hochrangiger Offizier einer Ausbildungsstätte in Fort Eustis im US-Staat Virginia. «Die Frauen wollen keine niedrigeren Standards, weil sie nicht wollen, dass die Männer denken, sie könnten die Herausforderungen weniger gut bewältigen.»

Jüngere Soldaten sowie solche, die in den vergangenen zwei Jahren bereits zusammen mit Frauen gedient haben, zeigen sich der Umfrage zufolge aufgeschlossener Soldatinnen gegenüber als diejenigen, die im Job wenig Berührung mit Frauen hatten: Dazu gehören etwa Infanterie- und Panzereinheiten, zu denen Soldatinnen bisher keinen Zugang hatten. Daneben wurde auch Besorgnis geäussert in Bezug auf mögliche Schwangerschaften von Soldatinnen sowie sexuelle Belästigung und Beziehungsprobleme.

Ein Drittel will zu den «Night Stalkers»

Das Militär setzt dabei auf mehr Schulung und Beratung, wie Brinkley sagt. Dass in den vergangenen Jahren das Thema sexuelle Belästigung in den Blickpunkt gerückt sei, habe jetzt allerdings dazu geführt, dass sich viele Soldaten ungern mit Frauen im gleichen Raum aufhielten. Sie hätten Angst, etwas zu sagen, was gegen sie ausgelegt werden und ihre Karriere ruinieren könnte. Diese Furcht stehe der Integration von Frauen im Militär entgegen. Hier seien nun Führungsqualitäten gefragt.

Mehr als 30 Prozent der Frauen, die einen Einsatz bei Kampfhandlungen anstreben, bezeichneten einen Posten bei den «Night Stalkers» als ihr Ziel. Damit hatte auch Brinkley nicht gerechnet. Er habe zunächst an einen Fehler bei der Auswertung geglaubt, sagt er. Auf Platz zwei landeten Infanterieeinheiten.

Für die Einheiten ist es möglicherweise ein Segen, dass demnächst auch Frauen dort Posten besetzen können. Bei den «Night Stalkers» würden beispielsweise dringend Mechaniker gesucht. Und obwohl es bei den Streitkräften genügend gebe, könnten sie zum Teil nicht rekrutiert werden, weil es sich um Frauen handele. «Wir sollten das gesamte Personal nutzen, das uns zur Verfügung steht», sagt General Ray Odierno, Stabschef der US-Streitkräfte. «Es gibt hoch qualifizierte Frauen, deren Talente wir lange Zeit ignoriert haben. Wir müssen das jetzt geraderücken.»

SDA/fko

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