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Die Bevölkerung demonstriert für die Drogenmafia

Die mexikanische Polizei hat sich mit ihren «Operationen» gegen die Drogenmafia viele Sympathien verspielt. Ein Teil der Bevölkerung hat sogar die Seite gewechselt und unterstützt nun die Drogenmafia.

Nicht mit Erleichterung, sondern mit Wut auf die Polizei haben Bewohner im mexikanischen Apatzingán auf die Tötung eines Bosses des Drogenkartells «La Familia» in ihrer Stadt reagiert. Hunderte Menschen gingen am Sonntag in der Stadt im zentralen Bundesstaat Michoacán auf die Strasse und riefen Parolen wie «Lang lebe ‹La Familia› in Michoacán». Sie protestierten zudem gegen das harte Vorgehen von Polizei und Armee. Der mächtige Mitgründer des Kartells «La Familia», Nazario Moreno Gonzáles, war am Donnerstag bei einem heftigen Feuergefecht in Apatzingán von Sicherheitskräften erschossen worden. Auch mindestens drei weitere Mitglieder des Kartells, fünf Polizisten sowie drei Zivilisten – darunter ein Baby und eine Jugendliche – starben in dem Kugelhagel.

Nachdem eine Ausgangssperre am Sonntag aufgehoben wurde, zogen 500 Menschen auf die Strasse und machten ihrem Unmut über die massive Polizeipräsenz Luft, wie ein AFP-Reporter berichtete. «Bundespolizei raus aus Michoacán» stand auf einem Transparent, «Herr Gouverneur, wir wollen Frieden und Ruhe» auf einem anderen.

Unter Belagerung der Armee

«Wir stehen praktisch unter der Belagerung der Armee und der Marine», sagte der Bürgermeister von Apatzingán, Genaro Guizar, der AFP. Seinen Angaben zufolge dauerten die Einsätze von Armee und Polizei in den umliegenden Bergen weiter an. Am Sonntag wurde die Hauptzugangsstrasse nach Apatzingán, rund 300 Kilometer westlich von Mexiko-Stadt, wieder geöffnet, nachdem eine Reihe bei der Schiesserei zerstörter Autos weggeräumt worden waren.

Trotz einer grossangelegten Suchaktion in der Stadt und den umliegenden Dörfern gelang es den Sicherheitskräften bisher nicht, die Leiche Morenos zu finden, der zu den meistgesuchten Verbrechern Mexikos gehörte. Die Behörden glauben, dass seine Männer die Leiche nach der Schiesserei in die Berge geschafft haben.

Am Dienstag hatten die Sicherheitskräfte einen anderen «La Familia»-Anführer, José Antonio Arcos, festgenommen. Das 2006 gegründete Kartell gilt als besonders brutal. Zuletzt hat es seine Gräueltaten von Michoacán auf die benachbarten Bundesstaaten Guerrero und Jalisco ausgeweitet.

Sieben Leiche am Badeort

In Guerrero wurden am Sonntag sieben Leichen an Strassen in der Nähe des Badeortes Acapulco gefunden – drei von ihnen waren geköpft und zwei hingen von einer Brücke herunter. In Jalisco wurden am Freitag auf einem öffentlichen Platz elf Menschen bei einer Schiesserei getötet.

Mexikos Präsident Felipe Calderón, der aus Michoacán stammt, hatte nach seinem Amtsantritt Ende 2006 den mächtigen Drogenbanden den Kampf angesagt. Seit dem Beginn der mit Unterstützung der Armee geführten Offensive wurden mehr als 28'000 Menschen getötet.

SDA/mrs

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