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Der Mann der leisen Töne

Ban Ki Moon geht niemandem auf die Nerven – besonders nicht den Vetomächten im Sicherheitsrat. Seiner Wiederwahl als UNO-Generalsekretär steht also nichts im Weg.

Gefällt sich und allen anderen in der zurückhaltenden Rolle: UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon.
Gefällt sich und allen anderen in der zurückhaltenden Rolle: UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon.
Reuters

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon gilt anders als sein charismatischer Vorgänger Kofi Annan als Mann der leisen Töne, für seine Kritiker deutlich zu leise. Sein Rückhalt in der internationalen Staatengemeinschaft ist aber gross. Der Wiederwahl Bans steht nichts im Weg.

Nachdem sich der UNO-Sicherheitsrat am vergangenen Freitag einstimmig für Ban ausgesprochen hatte, dürfte die Vollversammlung die zweite fünfjährige Amtszeit des Südkoreaners heute besiegeln. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht.

Der Liebling der USA

Ban übernahm 2007 den Topjob bei der UNO von Annan, der wegen seines forschen Auftretens als moralische Instanz den Beinamen «weltlicher Papst» erhalten hatte. Immer wieder hatte sich der Ghanaer lautstark in die Weltpolitik eingemischt – und ging damit einigen Regierungen auf die Nerven.

Vor allem die USA, die sich von Annan Schelte wegen des Irak- Krieges und des Gefangenenlagers Guantanamo gefallen lassen mussten, suchten einen zurückhaltenderen Nachfolger. In Ban fanden sie einen geeigneten Kandidaten.

Geburtstag an der Tankstelle

Fehlende Ausstrahlung kompensiert der Südkoreaner mit seinem Arbeitseifer. Mitarbeiter beschreiben ihn als stressresistenten Workaholic, der nach einem Zwölf-Stunden-Tag im UNO-Hochhaus in New York oft noch zuhause am Schreibtisch sitzt.

Unermüdlich reist Ban um die Welt und nimmt dabei viele Unannehmlichkeiten in Kauf. Seinen 67. Geburtstag etwa musste er vergangene Woche an einer Tankstelle in Argentinien feiern, nachdem die Aschewolke eines Vulkans ihn zum Umstieg vom Flugzeug auf einen Bus gezwungen hatte.

Steile diplomatische Karriere

Ban trat Anfang der 70er Jahre im Alter von 26 Jahren in den diplomatischen Dienst ein. Während seiner steilen Karriere entwickelte er sich zum Experten für die Vereinten Nationen. Seinen ersten Diplomatenposten bei der UNO bekam er 1975, drei Jahre später stieg er zum Ersten Sekretär der südkoreanischen UNO-Vertretung auf. Ban zeichnete mehrere Jahre im südkoreanischen Aussenministerium für UNO-Fragen verantwortlich, 2001 wurde er schliesslich für zwei Jahre UNO-Botschafter seines Landes.

Bevor er am 1. Januar 2007 als erster Asiate seit mehr als drei Jahrzehnten das Amt des UNO-Generalsekretärs antrat, war er südkoreanischer Aussenminister. Wegen seiner Zeit als Botschafter in Österreich Ende der 90er Jahre spricht er auch ein wenig Deutsch.

Zurückhaltend bei den Menschenrechten

Anders als sein Vorgänger Annan schien Ban als Generalsekretär bislang grossen Wert darauf zu legen, nicht den Unmut der Veto-Mächte im UNO-Sicherheitsrat auf sich zu ziehen. Die USA, China, Frankreich, Grossbritannien und Russland gaben denn auch ihren Segen für ein weiteres Mandat des Südkoreaners.

Menschenrechtler halten Ban vor, sich vor allem mit Blick auf den Umgang Chinas mit Dissidenten zu stark zurückgehalten zu haben. So schwieg er bei einem Besuch in Peking im vergangenen November zum Fall des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo.

Seine Priorität ist das Klima

Die erste Amtszeit des Südkoreaners sei in dieser Hinsicht «enttäuschend» gewesen, sagt Philippe Bolopion von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Allerdings habe Ban zuletzt in seinen Erklärungen zu den Umbrüchen in der arabischen Welt und dem Konflikt in der Elfenbeinküste eine «stärkere Stimme» gefunden. Als Ban Anfang des Monats seine erneute Kandidatur verkündete, verteidigte er sein Vorgehen bei den Menschenrechten. In einer so bedeutenden Frage mache er keine Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten, betonte er.

Als herausragendes Thema seiner wahrscheinlichen zweiten Amtszeit sieht Ban aber den Kampf gegen die Erderwärmung. «Das ist die wichtigste Priorität für die Menschen», schrieb er in einem Brief an die 192 UNO-Mitgliedstaaten.

SDA/ami

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