Der Mann, der Bill Clinton zum Präsidenten machte

Der exzentrische Milliardär Ross Perot jagte George Bush senior bei der Wahl 1992 entscheidende Stimmen ab. Ein Nachruf.

Als unabhängiger Kandidat spielte Ross Perot (Mitte) bei der Präsidentschaftswahl 1992 das Zünglein an der Waage zwischen George H. W. Bush (links) und Bill Clinton (rechts). Bild: Keystone

Als unabhängiger Kandidat spielte Ross Perot (Mitte) bei der Präsidentschaftswahl 1992 das Zünglein an der Waage zwischen George H. W. Bush (links) und Bill Clinton (rechts). Bild: Keystone

Alan Cassidy@A_Cassidy

Sie nannten ihn einen Cowboy, einen Exzentriker, einen Störenfried: Der US-Milliardär und zweimalige frühere Präsidentschaftskandidat Ross Perot ist tot. Er verstarb am Dienstag im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in Texas, wie seine Familie mitteilte.

Perot ging in die US-Politgeschichte ein, als er 1992 als unabhängiger Kandidat in das Rennen um die amerikanische Präsidentschaft einstieg. Er holte schliesslich ein Fünftel aller Wählerstimmen, so viele wie kaum ein anderer Unabhängiger vor ihm. Damit trug Perot dazu bei, dass der Kandidat der Republikaner, der amtierende Präsident George H. W. Bush, die Wiederwahl verpasste – und das Weisse Haus dem Demokraten Bill Clinton überlassen musste.

Zeitungsverträger auf dem Pony

Perot wuchs während der Grossen Depression der 1930er-Jahre im ländlichen Osten von Texas auf. Als Jugendlicher trug er Zeitungen auf seinem Pony aus. 1953 machte er einen Abschluss an der US-Marineakademie. Er wurde Computerverkäufer bei IBM und gründete mit einem Startguthaben von 1000 Dollar seiner Frau Margot ein Softwareunternehmen, das er später an die Börse brachte und für viel Geld verkaufte.

Landesweit bekannt wurde er, als er 1979 Söldner anheuerte, die zwei seiner Angestellten aus einem Gefängnis in Iran befreien sollten. Der Schriftsteller Ken Follett schrieb darüber einen Roman, der auch verfilmt wurde. Politisch fiel Perot in den 1980er-Jahren mit der nie belegten Behauptung auf, dass die US-Regierung Hunderte von Kriegsgefangenen bewusst in Vietnam zurückgelassen habe.

Bescheidener Milliardär

Seine Präsidentschaftskampagne von 1992 bestritt Perot als Aussenseiter. Populär war vor allem seine Kritik am explodierenden Haushaltsdefizit der Bundesregierung, für das er beide Parteien verantwortlich machte. Früh warnte er auch vor der Verlagerung von amerikanischen Arbeitsplätzen in andere Länder. Das Freihandelsabkommen mit Mexiko, das damals verhandelt wurde, lehnte er ab.

Im Sommer 1992 führte er einige Meinungsumfragen sogar an, bevor er seine Bewerbung zurückzog, um kurz vor der Wahl erneut ins Rennen einzusteigen. Als er vier Jahre später erneut kandidierte, kam er nur mehr noch auf acht Prozent der Stimmen.

Ross Perot bei seiner Kampagne im August 1996. Bild: Keystone/AP

Einige seiner wichtigsten Idee lebten aber fort: Die Kritik an der Ausgabenpolitik übernahm später die Tea Party, jene an der Handelspolitik hörte man 2016 bei Donald Trump.

Trotz seines grossen Vermögens, das sich laut dem Magazin Forbes auf zuletzt rund vier Milliarden Dollar belief, lebte Perot zeitlebens in vergleichsweise bescheidenen Verhältnissen. Mit seiner Stiftung unterstützte er besonders US-Kriegsveteranen. Im Februar dieses Jahres erkrankte er an Leukämie. Seine letzten Tage verbrachte er im Kreis seiner Kinder und Grosskinder in Texas.

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