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Der lächelnde Terrorist, der nachts joggen ging

Faisal Shahzad wollte den Times Square in einen Feuerball verwandeln. Einer der letzten, der ihn vor dem Terrorversuch noch sah, war sein Vermieter. Wie lebte der Attentäter in den USA? Eine Spurensuche.

Bevorzugt dunkle Kleidung: Der 30-jährige Faisal Shahzad.
Bevorzugt dunkle Kleidung: Der 30-jährige Faisal Shahzad.
Keystone

Es war ein Zugriff in allerletzter Minute. Der Bombenleger vom Times Square sass am Montagabend bereits in der Boeing 777 mit Ziel Dubai. Dann, kurz vor Mitternacht, wurde die Emirates-Maschine von FBI-Agenten gestürmt. Faisal Shahzad wurde aus dem Flugzeug gezerrt. Er hat den Terrorversuch mittlerweile gestanden.

Shahzad arbeitete im US-Bundesstaat Connecticut als Finanzanalyst. Der Vater eines kleinen Sohnes und einer kleinen Tochter wollte nach dem gescheiterten Anschlag so schnell wie möglich zurück in seine pakistanische Heimat, in sein Dorf in der Nähe von Peschawar. Dort lebt auch sein pensionierter Vater, ein ehemaliges hochrangiges Mitglied in der pakistanischen Air Force.

Islamist mit gepflegtem Bart

Shahzad kam 1999 mit einem Studentenvisum in die USA um zu studieren. Er machte einen MBA-Abschluss an der Universität von Bridgeport im Jahr 2005. Gemäss dem «Wall Street Journal» arbeitete er von 2006 bis im Juni 2009 als Finanzanalyst bei der Mediengruppe Affinion in Norwalk, Connecticut.

Der Islamist mit dem gepflegten Bart führte in den USA ein unauffälliges Leben. Bis Juli 2009 lebte er mit seiner Frau und den beiden Kindern in Shelton. Die damalige Nachbarin Brenda Thurman erzählt gegenüber CNN: «Meine Tochter spielte mit seiner Tochter. Er hat nie viel geredet und war ein bisschen seltsam.» Das Paar, das nur gebrochen Englisch gesprochen habe, sei aber stets freundlich gewesen. «Der Mann hat schwarze Kleidung bevorzugt und ist nachts gerne joggen gegangen», so die Nachbarin. «Am Tag hat er sein Haus nicht gerne verlassen.» Niemals hätte sie Faisal Shahzad eine solche Tat zugetraut. «Ich bin geschockt», so Thurman.

Nach drei Jahren zog die Familie aus. Oder viel mehr: musste ausziehen. Das Haus wurde angeblich verpfändet. Die Familie war finanziell am Ende. War das der Grund, warum Shahzad sich radikalisierte? Shahzad war am 3. Juli vergangenen Jahres in die pakistanische Stadt Karachi und am 3. August zurück in die USA geflogen. In Pakistan wurde er in einem Terror-Camp zum Bombenbauer ausgebildet.

«Es ist unheimlich»

Seit drei Monaten besass Shahzad wieder eine kleine Wohnung in Bridgeport. Diese Wohnung im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses wurde gestern von FBI-Experten eingehend untersucht. Dawn Sampson, der gleich gegenüber wohnt, sagte lokalen Zeitungen: «Es ist unheimlich, dass hier in der Nachbarschaft solche Dinge passieren.»

Eine der letzten Personen, die Shahzad vor seinem Vorhaben noch gesehen hat, war der Vermieter Stanislaw Chomiak. Er habe Shahzad, der stets einen freundlich Eindruck machte, nur selten gesehen, sagte Chomiak gegenüber der «New York Times». Sein Apartment sei nur spärlich möbliert gewesen.

Am Abend des Attentats erhielt Chomiak einen seltsamen Anruf von Shahzad. Dieser sagte: Er sitze soeben im Zug von New York City nach Bridgeport und benötige Zugang zu seiner Wohnung, da er seine Schlüssel verloren habe. Chomiak lieh ihm dann einen Ersatzschlüssel. «Bei der Übergabe war Shahzad sehr nervös. Aber ich dachte, er ist nervös, weil er seine Schlüssel verloren hatte», so der Vermieter. Es war das letzte Mal, dass er seinen Mieter Shahzad sah. Die Ersatzschlüssel hat er nie mehr zurückerhalten.

Kurztrip in den Nordwesten Pakistans

Im Verhör gestand Faisal Shahzad gestern, den Anschlag auf den Times Square in New York geplant und ausgeführt zu haben. Er gab zu, in Pakistan eine Sprengstoffausbildung erhalten zu haben. «Er wollte Tod und Zerstörung in das Herz Manhattans bringen», sagte US-Justizminister Eric Holder. Der 30-Jährige beteuerte, allein gehandelt zu haben. Die Ermittler zweifeln aber an dieser Version.

Ebenfalls festgenommen wurde der «Zimmerkollege» von Shahzad. Die beiden seien laut «New York Times» in einem weissen Auto gemeinsam zum Flughafen gefahren.

In Pakistan hat die Polizei mindestens drei Menschen festgenommen oder verhört. Als Hauptverdächtiger gilt der Schwager Shahzads, wie die pakistanischen Behörden mitteilten. Zudem seien seine in Karachi lebende Mutter und der Schwiegervater verhört worden.

Das FBI sucht nach wie vor auch nach einem etwa 40-jährigen weissen Mann, der zum Tatzeitpunkt am Times Square von einer Überwachungskamera gefilmt wurde. Er entfernte sich auffällig rasch vom Tatfahrzeug, blieb dann stehen um sich sein Hemd auszuziehen.

In Karachi leben nach pakistanischen Angaben auch wieder die Frau und die beiden Kinder Shahzads. Kurz vor ihrer Festnahme hatte die Mutter Shahzads Reportern berichtet, dass ihr Sohn bei einem Besuch im Sommer 2009 zusammen mit einem Freund in den Nordwesten Pakistans gereist sei. Die Region gilt als Hochburg islamischer Rebellen und als Rückzugsgebiet der Taliban aus dem benachbarten Afghanistan.

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