Geleakter NSA-Bericht entlarvt Russen als Wahl-Hacker

«The Intercept» veröffentlichte streng geheime Informationen über russische Cyberangriffe auf die US-Wahlen. Kurz danach verhaftete das FBI eine junge Frau.

Die erwischte Whistleblowerin: Reality Leigh Winner auf einem Foto, das sie auf Instagram gepostet hat.

Die erwischte Whistleblowerin: Reality Leigh Winner auf einem Foto, das sie auf Instagram gepostet hat.

(Bild: Reuters)

Vincenzo Capodici@V_Capodici

Ein Bericht des US-Geheimdienstes NSA belegt die Vorwürfe, die Russlands Präsident Wladimir Putin erst am Sonntag in einem Interview mit dem US-Sender NBC News erneut bestritten hat. Laut NSA gab es russische Versuche, die US-Präsidentschaftswahlen 2016 zu beeinflussen. Wie die US-Website «The Intercept» berichtet, zeigen die ihr zugespielten NSA-Dokumente eindeutig, dass der russische Militärgeheimdienst (GRU) noch weitgehender in die Wahl einzugreifen versucht hatte als bisher bekannt.

Belegt sind nun laut dem «Intercept»-Bericht auch Attacken auf Systeme der Wählerregistrierung in den USA. Bis kurz vor der Präsidentschaftswahl am 8. November 2016 soll der GRU wiederholt versucht haben, Informationen «über die bei der Wahl eingesetzte Hard- und Software zu erlangen». Ziel der Cyberangriffe war mindestens ein Lieferant von amerikanischer Software für die Wahlen. Ausserdem sollen die Russen so genannte Spear-Phishing-E-Mails an über hundert lokale Wahlhelfer gesendet haben, um auf deren Computern Schadsoftware zu installieren. Aus den streng geheimen Dokumenten geht allerdings nicht hervor, inwiefern die russischen Cyberangriffe erfolgreich gewesen sind. Es bleibt also unklar, ob die Hacker Russlands einen Einfluss auf das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen hatten.

Experten zufolge sind die von «The Intercept» am Montag veröffentlichten Dokumente der NSA authentisch. «The Intercept» ist eine US-Website, die im Zusammenhang mit dem NSA-Whistleblower Edward Snowden internationale Bekanntheit erlangt hatte.

Mitarbeiterin einer Sicherheitsfirma

Von der Veröffentlichung des «Intercept»-Artikels bis zur Festnahme der Informationsquelle dauerte es nur wenige Stunden. Bei der Informantin handelt es sich um eine 25-jährige Frau aus dem US-Staat Georgia. Sie heisst Reality Leigh Winner, wie US-Medien berichten. Sie war seit dem letzten Februar bei der Sicherheitsfirma Pluribus International angestellt und arbeitete in einer Regierungseinheit in Georgia. Gemäss einem CNN-Bericht hatte die geständige Informantin zuvor sechs Jahre in der US Air Force gedient. Sie spricht Farsi und Paschtu, wie ihre Mutter, Billie Winner, CNN erzählte. «Sie war nie besonders politisch interessiert, und sie hat sich nie positiv über andere Whistleblower geäussert», sagte die Mutter weiter. «Was sie getan hat, kann ich mir nicht erklären.»

Das US-Justizministerium hat inzwischen Klage gegen die «Intercept»-Informantin eingereicht. Bei einer Verurteilung droht ihr eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren. «Die Veröffentlichung von geheimem Material ohne Autorisierung gefährdet die Sicherheit unserer Nation und untergräbt das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung», liess Vizejustizminister Rod Rosenstein verlauten. Die US-Regierung will mit aller Macht gegen Leaks und die Weitergabe geheimer Informationen vorgehen.

In einer eidesstattlichen Erklärung, die der zuständige FBI-Agent bei Gericht einreichte, heisst es, dass «The Intercept» selbst die US-Regierung informiert habe, dass sie im Besitz von NSA-Dokumenten sei. Bei den Ermittlungen stellte das FBI fest, dass die junge Frau die Dokumente gedruckt hatte und in Kontakt mit «The Intercept» stand. Die Enthüllungsplattform liess verlauten, dass die NSA-Papiere ihr anonym zugespielt worden seien. Sie habe «keine Kenntnis über die Identität der Quelle».

Russland hat die jüngsten Vorwürfe im Zusammenhang mit Cyberangriffen auf die US-Präsidentschaftswahl entschieden zurückgewiesen. «Diese Behauptungen entsprechen nicht der Wirklichkeit», sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow nach der Veröffentlichung eines vertraulichen US-Geheimdienstberichts. Es gebe keinerlei Belege für die Anschuldigungen. Russland wird seit längerem vorgeworfen, den US-Wahlkampf mit Hackerangriffen zu Gunsten des späteren Wahlsiegers Donald Trump beeinflusst zu haben.

Artikel mit Material der Nachrichtenagenturen SDA und DAPD.

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