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Das waffenvernarrte Amerika nach dem Massaker

In Colorado kaufen sich Bürger neue Waffen, in Washington bleiben schärfere Waffengesetze ein Tabu und in Maine stellt die Polizei nach einer weiteren Filmvorstellung einen Mann mit riesigem Waffenarsenal.

Im amerikanischen Bundesstaat Maine drohte ein Mann nach Besuch einer Vorstellung des neuen «Batman»-Films, seinen Arbeitskollegen umzubringen: Diese Waffen fand die Polizei in seinem Wagen und seinem Haus. (22. Juli 2012)
Im amerikanischen Bundesstaat Maine drohte ein Mann nach Besuch einer Vorstellung des neuen «Batman»-Films, seinen Arbeitskollegen umzubringen: Diese Waffen fand die Polizei in seinem Wagen und seinem Haus. (22. Juli 2012)
Keystone

Nach dem Blutbad bei einer Mitternachtspremiere des neuen «Batman»-Films «The Dark Knight Rises» im amerikanischen Aurora nahe Denver berichtet eine Zeitung von zunehmenden Waffenverkäufen. Händler hätten am vergangenen Wochenende doppelt so viele Kunden gehabt wie sonst, schreibt die «Denver Post». Viele hätten angegeben, sich mit einer Schusswaffe besser verteidigen zu können, wenn sie in eine ähnliche Situation gerieten. Den gleichen Effekt hätten Waffenhändler nach anderen Amokläufen mit vielen Toten in der Vergangenheit erlebt, berichtet die Zeitung.

Auch nach der Bluttat in Aurora bei Denver deutet sich in den USA keine Verschärfung der Waffengesetze an. Wie schon Präsident Barack Obama erteilte auch sein Herausforderer bei den Wahlen im November, Mitt Romney, strengeren Regeln eine Absage. Er «glaube nicht, dass neue Gesetze einen Unterschied machen würden in einer solchen Tragödie», sagte der Republikaner dem TV-Sender CNBC. Auch in Colorado seien die Regeln bereits «sehr stringent». Ähnlich hatte sich das Weisse Haus geäussert.

Mindestens drei Festnahmen

Im US-Staat Maine wurde Polizeiangaben zufolge derweil ein Mann festgenommen, der «The Dark Knight Rises» gesehen und einen Tag später damit gedroht hatte, einen ehemaligen Mitarbeiter zu erschiessen. Der Verdächtige sei wegen zu schnellen Fahrens angehalten worden, hiess es. In seinem Fahrzeug fanden die Beamten anschliessend ein Sturmgewehr, vier Handfeuerwaffen, Munition sowie Zeitungsausschnitte über die Schiesserei in Colorado, bei der am Freitag zwölf Menschen getötet wurden.

In Südkalifornien wurde bereits am Sonntag ein Mann während einer Nachmittagsvorstellung des «Batman»-Films in Gewahrsam genommen, nachdem er Augenzeugenberichten zufolge Drohungen geäussert und auf das Blutbad in Colorado verwiesen hatte.

In der Stadt Sierra Vista im US-Staat Arizona gerieten Kinozuschauer während einer Vorstellung des «Batman»-Films wegen eines offenbar unter Alkoholeinfluss stehenden Mannes in Panik. Das Verhalten des 27-Jährigen löste eine «Massenhysterie» aus, rund 50 Menschen flüchteten aus dem Kino, wie das Sheriff-Büro im Bezirk Cochise County mitteilte.

Holmes' Eltern zeigen sich bestürzt

Bestürzt und besorgt haben sich die Eltern des 24-jährigen James Holmes zu Wort gemeldet, der in den USA zwölf Kinobesucher erschossen haben soll. «Die Familie möchte bekräftigen, dass sie mit dem Herzen bei den Opfern und deren Familien ist», liessen sie über eine Anwältin wissen.

Zugleich mahnten sie die Öffentlichkeit, der Fall solle vor Gericht und nicht in den Medien entschieden werden. Über das Verhältnis zu ihrem Sohn wollten sich die Eltern nicht äussern. Die «Washington Post» berichtete am Dienstag nach Gesprächen mit Nachbarn der Familie, die Mutter habe sich schon länger Sorgen wegen der sozialen Isolierung ihres Sohnes gemacht.

Holmes schweigt zur Tat

Holmes hatte bei seinem ersten Gerichtstermin am Montag seltsam apathisch gewirkt. Er ist in Isolationshaft. Nach Polizeiangaben hat er noch keine Aussage zur Tat gemacht.

Holmes soll bei einem Überfall auf das Kino in Aurora mit einem Sturmgewehr, einer Schrotflinte und zwei Glock-Pistolen während der Premiere des neuen Batman-Films zwölf Menschen getötet haben. Dutzende wurden verletzt.

Mehr als 30 Sprengsätze

Zudem hatte er seine Wohnung mit Sprengfallen verdrahtet. Dafür habe er mehr als 30 Bomben selbst gebaut und mit einem zentralen Auslöser versehen, berichtete der TV-Sender CNN am Dienstag unter Berufung auf einen ungenannten Polizeimitarbeiter.

Die Sprengsätze hätten explodieren sollen, sobald jemand sein Appartement betritt. Das ganze Haus mit vielen Wohnungen wäre in Brand geraten, sagte der Experte. Spezialisten der Polizei hatten die Bomben aufwendig entschärft.

SDA/mw

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