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Das Project Veritas und seine Lügen

Ein rechter Aktivist mit Breitbart-Vergangenheit wollte mit Fake-News die «Washington Post» in die Falle locken – und blamierte sich.

Abenteuerlicher Umgang mit Fakten: James O'Keefe in einem Video auf seiner Website, die sich «American Pravda» – russisches Wort für Wahrheit – nennt. Screenshot: projectveritas.com
Abenteuerlicher Umgang mit Fakten: James O'Keefe in einem Video auf seiner Website, die sich «American Pravda» – russisches Wort für Wahrheit – nennt. Screenshot: projectveritas.com

James O'Keefe hat eine Mission: Er kämpft gegen Politiker der Demokraten und sogenannte Mainstream-Medien in den USA, also gegen alles, was politisch nicht rechts steht. Seinen verbissenen Kampf führt O'Keefe mit unzimperlichen und unlauteren Methoden. Er tut dies seit über zehn Jahren. Landesweite Bekanntheit erlangte er 2009 mit Undercover-Videos, die auf der Rechtsaussen-Plattform Breitbart veröffentlicht wurden. Für Amerikas Ultrarechte ist der 33-jährige Aktivist längst ein Held. Für den Rest der Nation ist er nun zur Lachnummer geworden. Sein jüngster Plan, mit einer Frau als Lockvogel und einer Fake-Enthüllungsgeschichte die angesehene Zeitung «Washington Post» vorzuführen, ist grandios gescheitert.

Eine Frau, die sich Jaime T. Phillips nannte, hat letzte Woche versucht, bei der «Washington Post» eine falsche Geschichte über den republikanischen US-Senatskandidaten Roy Moore unterzubringen. Die angeblich 41-Jährige behauptete, sie sei vor 25 Jahren als Teenager von Moore schwanger gewesen, habe das Kind jedoch abtreiben müssen. Moore – das ist jener Politiker aus Alabama, der von zwei Frauen beschuldigt wird, sich vor mehreren Jahrzehnten sexuell an ihnen vergangen zu haben. Damals war Moore über 30, die Frauen aber noch Teenager. Weitere Frauen berichteten von Avancen Moores, als sie noch Teenager waren. Über diese Fälle hatte die «Washington Post» als erstes Medium in den USA berichtet.

Wie die «Washington Post» nun berichtet hat, tauchten in der dramatischen Enthüllungsgeschichte von Jaime T. Phillips etliche Ungereimtheiten auf. Die Zeitung verzichtete auf eine Publikation, schickte aber Reporter hinaus auf Recherche. Die «Post»-Journalisten staunten dann nicht schlecht, als sie die Frau beobachtet hatten, wie sie das New Yorker Büro der Gruppe Project Veritas betrat. Diese Gruppe ist dafür bekannt, gegnerische Medien und Politiker als Ziel zu haben. Dabei werden die Opfer mit falschen Informationen gefüttert, um sie später vorzuführen.

Gründer und Chef des Project Veritas – das lateinische Wort für Wahrheit – ist James O'Keefe. Der rechte Aktivist, einst verurteilt wegen Nutzung einer falschen Identität, ist auch als Filmemacher aktiv, der mit filmischen Mitteln moralische und politische Fehltritte der Gegenseite anprangert. Deshalb gilt er als eine Art Michael Moore der Rechten.

Ziel der Aktion von Project Veritas sei es gewesen, seine Zeitung «zu täuschen und zu diskreditieren», sagte Martin Baron, Chefredaktor der «Washington Post». Zugleich hätten die Frauen, die zu Recht den republikanischen Politiker Moore beschuldigt hatten, diskreditiert werden sollen. «Wegen unserer typischen journalistischen Sorgfalt haben wir uns nicht hinters Licht führen lassen», erklärte Baron weiter.

In den sozialen Medien erntet Project-Veritas-Chef O'Keefe seit gestern Montag viel Hohn und Spott. Laut «Washington Post» wollte der rechte Aktivist keinerlei Fragen beantworten. Etwa ob die als Lockvogel aufgetretene Frau eine Angestellte von Project Veritas sei. Oder ob seine Gruppe Verbindungen zum Wahlkampfteam des republikanischen Senatskandidaten Moore habe. Oder auch ob eine Zusammenarbeit mit dem Ex-Trump-Berater und Breitbart-Rückkehrer Stephen Bannon bestehe.

Gemäss eigenen Angaben sieht sich das Project Veritas als Enthüllungsplattform im Kampf gegen Korruption, Verlogenheit, Betrug und andere Fehlverhalten. Im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft im letzten Jahr mischte die Gruppe um O'Keefe kräftig mit. Unter dem Titel «Rigging the Election» wurde eine Serie von sogenannten Enthüllungsvideos veröffentlicht, die einzig das Ziel verfolgten, Hillary Clinton zu diskreditieren. So wurde dem Clinton-Team wiederholt Wahlbetrug vorgeworfen, was vom Trump-Lager gerne aufgenommen und weiterverbreitet wurde. Das Project Veritas, 2010 gegründet, hatte 2016 38 Angestellte und 92 Freiwillige. Auf seiner Website bezeichnet es sich als «American Pravda» – das russische Wort für Wahrheit.

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