«Computer schalteten sich nachts von selbst an und wieder ab»

Hintergrund

Weitet sich die NSA-Affäre aus? Laut dem TV-Sender CBS wurden die Computer einer Investigativjournalistin gehackt. Auch ist ungewiss, ob Edward Snowden alleine agiert.

Untersuchte die Vorgänge um die Ermordung des US-Botschafters im libyschen Benghazi: Die Journalistin Sharyl Attkisson.

Untersuchte die Vorgänge um die Ermordung des US-Botschafters im libyschen Benghazi: Die Journalistin Sharyl Attkisson.

(Bild: Screenshot cbsnews.com)

Martin Kilian@tagesanzeiger

In der amerikanischen Hauptstadt hält die Kontroverse über die Spähmethoden der NSA unvermindert an. Der Direktor des Geheimdienstes, Viersternegeneral Keith Alexander, verteidigte am Dienstag bei einer öffentlichen Anhörung vor dem nachrichtendienstlichen Ausschuss des Repräsentantenhauses seine Behörde und behauptete, die kürzlich enthüllten NSA-Aktivitäten hätten «seit 9/11 über 50 terroristische Vorfälle» zu verhindern geholfen. Auch Präsident Obama stellte sich in einem am Montag ausgestrahlten TV-Interview hinter die NSA: «Wir sollten stolz» auf den Dienst sein, sagte der Präsident.

Der Fernsehsender CBS bestätigte unterdessen, eingehende Untersuchungen einer von CBS beauftragten Spezialfirma hätten zweifelsfrei ergeben, dass sich Unbekannte Ende 2012 mittels Fernbetätigung Zugang zu den Computern der CBS-Reporterin Sharyl Attkisson verschafft hätten. Attkisson gilt als erfahrene Investigativjournalistin, die mehrfach Aktivitäten der Obama-Administration und besonders die Vorgänge um die Ermordung von US-Botschafter Stevens im libyschen Benghazi im September 2012 untersucht hatte.

Seltsame Anzeichen

Bereits während ihrer Recherche will Attkisson bemerkt haben, dass sich Unbekannte Zugriff zu ihren Computern verschafften. «Es gab seltsame Anzeichen, etwa dass sich die Computer nachts von selbst an- und wieder abschalteten», sagte die Journalistin im TV-Programm des Senders. CBS-Sprecherin Sonya McNair sagte, dass Attkissons Computer «von einer externen, nicht autorisierten Seite Ende 2012 mehrfach gehackt worden sind». Eine Analyse durch die Sicherheitsfirma habe ergeben, dass dabei «nach Daten gesucht wurde und Daten entfernt wurden».

In einem Fernsehinterview darauf angesprochen, sagte Attkisson, sie wisse, wer hinter der Cyberattacke stecke, wolle zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch nicht darüber reden. Das amerikanische Justizministerium verneinte einen illegalen Zugriff auf die Computer der Journalistin, ohne den Verdacht einer geheimdienstlichen Aktion jedoch ausräumen zu können. Anfang des Monats war bekannt geworden, dass die Regierung Obama im Zuge von Ermittlungen wegen eines Geheimnisbruchs Telefonanschlüsse der Nachrichtenagentur Associated Press überwacht hatte.

Snowden einzige Quelle?

Gleichzeitig mehrten sich in den Diensten sowie im Kongress Befürchtungen, dass der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden womöglich nicht die einzige Quelle der vom britischen «Guardian» sowie von der «Washington Post» publizierten NSA-Enthüllungen sei. FBI-Ermittler beschäftigt vor allem die Frage, ob Snowden überhaupt Zugang zu einer im «Guardian» veröffentlichten richterlichen Genehmigung zur NSA-Abschöpfung von Telefondaten des US-Kommunikationsunternehmens Verizon hatte.

Ausgestellt wurde diese Genehmigung vom geheimen Fisa-Gericht in Washington. Nach Auskunft von Experten darf diese Genehmigung nicht kopiert werden und verbleibt in getrennten und besonders gesicherten Computern des Fisa-Gerichts sowie des Justizministeriums. Nicht einmal Verizon oder die NSA hatten eine elektronische Kopie der richterlichen Anordnung erhalten. Falls dieses System kompromittiert wäre, stünden die USA vor einem «Desaster bei der Spionageabwehr», sagte Joel Brenner, bis 2010 Rechtsbeistand der NSA, dem Internetmagazin Daily Beast.

In den Fisa-Computern werden sämtliche richterliche Genehmigungen zur FBI-Überwachung von Spionage- und Terrorverdächtigen gespeichert. Besonders aufgeschreckt hat die Ermittler eine Bemerkung von Snowdens journalistischem Partner Glenn Greenwald bezüglich der Zahl seiner Quellen: Er werde nicht bestätigen, «dass es nur ein Individuum gibt; es könnte eines sein oder auch mehrere Individuen», so Greenwald.

baz.ch/Newsnet

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