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Clinton erklärt sich zur «historischen Siegerin»

Mit ihren Vorwahlsiegen der letzten Nacht erreichte Hillary Clinton die Schwelle für die Präsidentschaftskandidatur. Donald Trump gewann auch die fünf letzten Staaten.

Kommt landesweit auf 44,3 Prozent der Stimmen: Hillary Clinton in Los Angeles. (6. Juni 2016)

Die frühere US-Aussenministerin Hillary Clinton hat ihren Sieg im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten ausgerufen. «Es ist das erste Mal in der Geschichte unseres Landes, dass eine Frau die Kandidatin einer grossen Partei sein wird», sagte sie.

Zuvor hatten US-Sender den Sieg Clintons bei den Vorwahlen im Bundesstaat New Jersey vermeldet. Nach Auszählung praktisch aller Stimmen kommt sie dort auf über 63 Prozent. Auch in New Mexico und South Dakota sahen die Hochrechnungen die frühere Aussenministerin vorn. Ihr Rivale Bernie Sanders gewann dagegen in North Dakota.

Noch offen ist der Ausgang der Vorwahl im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien. Frühe Prognosen sehen Vorteile für Clinton, doch war ein enges Rennen erwartet worden.

Mehrheit für Clinton klar

Nach einer Zählung des US-Senders NBC ist aber dennoch schon klar, dass Clinton sich eine Mehrheit unter den gebundenen Delegierten gesichert. Diese müssen auf dem Parteitag der Demokraten entsprechend dem Ausgang der Abstimmungen in ihrem Bundesstaaten stimmen.

Bisherige Vorhersagen eines Siegs hatten sich auch auf die Zusagen der sogenannten Superdelegierten gestützt – hochrangigen Parteimitgliedern, die über ihre Stimmabgabe frei entscheiden können. Unter diesen Parteigrössen hat Clinton deutlich mehr Zuspruch als Sanders.

Hillary Clinton verkündet ihren Sieg. (Video: Youtube/CNN)

Was macht Sanders?

Clintons parteiinterner Kontrahent Bernie Sanders hatte zunächst angekündigt, seinen Kampf bis zum Parteitag in Philadelphia Ende Juli fortsetzen zu wollen. Er wolle möglichst viele Superdelegierte auf seine Seite ziehen, liess er verlauten. Jüngst hatte er jedoch auch erklärt, das Wahlergebnis vor allem in Kalifornien zum Gegenstand seiner Überlegungen machen zu wollen.

In ihrer Siegesrede in New York gratulierte die ehemalige First Lady Sanders zu seinem Wahlkampf. «Er hat Millionen von Wählern, vor allem junge Leute begeistert», sagte sie. Es sei gefochten worden über Mindestlöhne und über Gerechtigkeit für alle. «Das war sehr gut für diesen Wahlkampf und für Amerika.»

Hillary Clinton dankt Bernie Sanders. (Video: Youtube/CNN)

«Es geht darum, was wir sind»

Clinton griff zudem ihren mutmasslichen Kontrahenten aufseiten der Republikaner, Donald Trump, scharf an. «Er will die Amerikaner gegeneinander aufbringen», sagte sie. Trump sei charakterlich nicht für das Präsidentenamt geeignet. «Er will gewinnen, indem er Angst schürt und Salz in Wunden reibt und uns täglich daran erinnert, wie toll er ist.»

Es werde in diesem Wahlkampf um nicht weniger als das Selbstverständnis der Vereinigten Staaten gehen, kündigte Clinton an. «Es geht darum, was wir sind», sagte sie und fügte hinzu: «Wir sind ein Land mit fairer Einstellung und Freiheit und Gerechtigkeit für alle.»

Hillary Clinton über ihre Mutter. (Video: Youtube/CNN)

Mit Clintons Sieg wird erstmals in der Geschichte der USA eine grosse Partei eine Frau ins Rennen um die Präsidentschaft schicken. Bei den Republikanern hatte Trump bereits zuvor die Schwelle zur Nomination überschritten, alle seine Konkurrenten zogen sich zurück.

Obama gratuliert Clinton

Der mächtigste Mann der Welt und einstige Vorwahlrivale von Hillary Clinton hat der Demokratin zum Erreichen der nötigen Delegiertenzahl für die Parteinominierung gratuliert. US-Präsident Barack Obama rief die voraussichtliche demokratische Präsidentschaftskandidatin in der Nacht zum Mittwoch an, um ihr seine Glückwünsche dazu auszudrücken, hiess es in einer Erklärung des Weissen Hauses. Seine offizielle Unterstützung für Clinton gab es jedoch immer noch nicht.

Nach Angaben des Weissen Hauses telefonierte Obama auch mit Clintons innerparteilichem Widersacher Bernie Sanders, um ihn dafür zu loben, ein Schlaglicht auf wirtschaftliche Ungleichheit geworfen und Millionen Wähler mobilisiert zu haben. Der Erklärung zufolge werden sich Obama und Sanders am Donnerstag auf Wunsch des Präsidentschaftsbewerbers im WeissenHaus treffen.

Trump siegt weiter

Donald Trump hat am finalen Abend der Vorwahlen der US-Republikaner all fünf Staaten gewonnen. Nach New Jersey, South Dakota, New Mexico und Montana gewann der voraussichtliche republikanische Präsidentschaftskandidat auch die Vorwahl in Kalifornien.

Für Verwunderung sorgen diese weiteren Trump-Erfolge nicht: Alle weiteren republikanischen Bewerber haben sich vor längerer Zeit aus dem Präsidentschaftsrennen zurückgezogen. Nach den Siegen am Dienstag ist Trump die Präsidentschaftskandidatur aber auch rechnerisch nicht mehr zu nehmen.

Trumps Siegesrede

Zum Abschluss der Vorwahlen hat Donald Trump seine Partei eindringlich zur Geschlossenheit aufgerufen. Der für seinen rauen Ton bekannte Milliardär gab sich betont staatsmännisch und integrativ.

«Sie geben mir die Ehre, die Partei zu führen», sagte Trump in der Nacht zum Mittwoch bei New York. «Wir schliessen nun ein Kapitel der Geschichte und beginnen ein anderes.» Trump war aus den Vorwahlen als stärkster Bewerber der Republikaner hervorgegangen und steht seit Wochen als Präsidentschaftskandidat fest.

«Wir haben erst angefangen», sagte Trump. «Und es wird wunderbar.» Er habe mehr Stimmen als jeder andere Bewerber jemals zuvor erhalten, er danke jedem einzelnen Wähler. «Und denen, die jemand anders gewählt haben, sage ich: Ich werde mich sehr, sehr anstrengen, um Eure Unterstützung zu gewinnen.»

Donald Trump über Hillary Clinton. (Video: Youtube/CNN)

Scharf griff Trump Ex-Aussenministerin Hillary Clinton, gegen die er aller Voraussicht nach antreten wird. «Die Clintons haben die Kunst der Bereicherung in eine eigene Kunstform verwandelt», sagte Trump. Er kündigte für den Beginn der nächsten Woche eine «grosse Rede» zu den «Verfehlungen und Problemen» der Clintons an.

Direkt wandte sich Trump an die Anhänger des unterlegenen demokratischen Kandidaten Bernie Sanders. Dieser sei von einem manipulierten System zu Fall gebracht worden sei, sagte Trump. Wir heissen Euch mit offenen Armen willkommen!»

Donald Trump umwirbt Sanders-Wähler. (Video: Youtube/CNN)

Die Schönheit seines Grundsatzes «America first» sei, dass dieser alle zusammenbringe. Er werde alle verloren gegangenen Jobs zurück nach Amerika holen, versprach Trump, sagte aber nicht, wie. «Wir bringen Amerika zurück an die Arbeit.»

Landesweite Umfrage

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton hält einer neuen Reuters/Ipsos-Umfrage zufolge ihren Vorsprung vor ihrem republikanischen Rivalen Donald Trump: Sie kommt landesweit auf 44,3 Prozent der Stimmen, Trump auf 34,7 Prozent.

Die Umfrage, die am Dienstag veröffentlicht wurde, fand von Freitag bis Dienstag statt und umfasste 1261 Teilnehmer. Clinton lag bereits in der Vorwoche deutlich vor Trump. Am Dienstag fand in den USA die letzte grosse Runde der Vorwahlen statt. Der Nachfolger von Präsident Barack Obama wird am 8. November gewählt.

Rassismusvorwurf gegen Trump aus eigener Partei

Donald Trumps Attacke auf einen US-Bundesrichter mexikanischer Herkunft kommt in seiner Partei schlecht an. Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, nannte die Äusserungen des Rechtspopulisten am Dienstag rassistisch und «absolut unentschuldbar».

Der Immobilienmilliardär Trump hatte Bundesrichter Gonzalo Curiel angegriffen, der ein Verfahren gegen eine einstmals von Trump betriebene «Universität» leitet. Trump warf dem Richter Voreingenommenheit vor, da er mexikanische Eltern hat. Trump betreibt Wahlkampf mit der Forderung, eine Mauer zwischen Mexiko und den USA zu bauen.

Ryan sagte dazu: «Zu behaupten, dass jemand seine Arbeit aufgrund seiner ethnischen Herkunft nicht richtig machen kann, ist ein Paradebeispiel für Rassismus.»

Trump will seine Äusserungen nicht als rassistisch verstanden wissen, wie er schriftlich erklärte: «Es ist misslich, dass meine Kommentare als ein kategorischer Angriff gegen Menschen mexikanischer Herkunft missdeutet worden sind.» Er sei mit Menschen mexikanischer und hispanischer Herkunft befreundet und beschäftige Tausende von ihnen.

sda/AP/AFP/chk

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