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Chen dankt der Schweizer Botschaft

Chen Guangchen ist in den USA gelandet. Der Dank des Chinesen galt explizit auch der Schweizer Botschaft. Nun hofft er auf einen offenen Austausch der chinesischen Regierung mit Oppositionellen.

Ankunft in New York: Chen Guangchen an Krücken, begleitet von Professor Jemore Cohen von der New York University. (19. Mai 2012)
Ankunft in New York: Chen Guangchen an Krücken, begleitet von Professor Jemore Cohen von der New York University. (19. Mai 2012)
AFP

Nach seinem Flug von Peking nach New York hat sich der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng erleichtert über seine Ausreise in die USA geäussert. Der blinde Aktivist durfte gestern nach knapp einmonatigem diplomatischen Tauziehen zwischen Peking und Washington überraschend sein Heimatland verlassen.

Er traf am Abend mit seiner Frau und den beiden Kindern in einer Maschine der Fluggesellschaft United Airlines aus Peking in Newark im US-Staat New Jersey ein und wurde von dort in das nahe gelegene New York gebracht.

Dank auch an die chinesische Regierung

«Nach vielen Turbulenzen bin ich aus Shandong herausgekommen», sagte der auf Krücken gestützte 40-Jährige in New York, sein rechtes Bein war eingegipst. «Ich bin sehr dankbar, dass die chinesische Regierung die Situation mit Zurückhaltung und Besonnenheit behandelt hat.»

Er hoffe, dass sie einen offenen Austausch mit Oppositionellen führen werde. Er danke auch der US-Regierung sowie der schweizerischen, kanadischen und französischen Botschaft. Jeder solle gegen Ungerechtigkeit kämpfen, fügte er hinzu.

Jubelnde Anhänger erwarteten Chen

Chen wurde von Sympathisanten jubelnd begrüsst, als er mit seiner Familie bei der Studentenwohnung in Greenwich Village in Manhattan eintraf. Chen will an der New York University (NYU) Recht studieren, sich zuvor jedoch ein wenig ausruhen. «Während der vergangenen sieben Jahre hatte ich nicht einen Tag Ruhe», wurde er gedolmetscht, «daher bin ich zu ein wenig Erholung für Körper und Geist hierher gekommen».

Nach sieben Jahren Gefängnis und Hausarrest war Chen Ende April aus seinem Heimatort in der chinesischen Provinz Shandong in die US-Botschaft in Peking geflohen und hatte damit für Spannungen zwischen den USA und China gesorgt. Er verliess die Botschaft am 2. Mai und wurde zur Behandlung von Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.

Rückkehr noch unklar

«Tausende Gedanken gehen mir durch den Kopf», sagte Chen, als er gestern überraschend aufgefordert worden war, das Krankenhaus in Peking zu verlassen und auszureisen. Er hoffe, dass die chinesischen Behörden sich nicht an seinen zurückgebliebenen Angehörigen rächten. Es ist unklar, ob China ihm eine Rückkehr erlauben würde.

Chen gilt als eine der Schlüsselfiguren der chinesischen Bürgerrechtsbewegung. Er ist seit einer Erkrankung in seiner Kindheit blind und setzte sich gegen Zwangsabtreibungen und -sterilisationen ein. Bis September 2010 verbüsste er dafür eine vierjährige Haftstrafe, anschliessend stand er ohne rechtliche Grundlage unter Hausarrest.

dapd/rbi

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