Chefs von Öl-Firmen greifen BP an
US-Politiker haben schwere Vorwürfe gegen BP und andere Öl-Konzerne erhoben. Der Notfallplan sei eine Katastrophe gewesen. Derweil grenzen sich andere Öl-Unternehmen von BP ab.

Der Öl-Konzern BP habe aus Kosten- und Zeitdruck mindestens fünf hochriskante Entscheide getroffen, die das Unglück ausgelöst haben könnten, heisst es in einem Brief zweier hochrangiger Abgeordneter an BP-Chef Tony Hayward.
Eine Prüfung interner BP-Dokumente und E-Mails habe ergeben, dass an Material gespart wurde und wichtige Sicherheitstests unterlassen wurden, zitieren US-Medien am Dienstag aus dem Schreiben. Insgesamt habe der Konzern durch diese Entscheide 7 bis 10 Millionen Dollar und einige Arbeitstage gespart, schreiben die Demokraten Henry Waxman und Bart Stupak.
Sie leiten Ausschüsse des US-Kongresses, vor denen in dieser Woche Topmanager von BP und anderer Ölfirmen aussagen sollen, darunter am Donnerstag auch Hayward. Es geht um die Frage, wer Schuld an der grössten Ölpest in der US-Geschichte hat. Ihren Erkenntnissen zufolge seien BP die Probleme mit der «Deepwater Horizon» lange vor der Katastrophe bekannt gewesen. Mehr als eine Woche vor der Explosion habe ein Mitarbeiter in einer E-Mail von einer «Ölquelle des Alptraums» gesprochen.
Öl-Chefs werfen BP vor US-Kongress schwere Versäumnisse vor
In einer Anhörung vor dem US-Kongress zur Ölpest im Golf von Mexiko haben die Chefs mehrerer grosser Ölkonzerne dem Mitbewerber BP schwerwiegende Versäumnisse vorgeworfen.
Chevron-Chef John Watson bezeichnete die Havarie der Förderplattform «Deepwater Horizon» und die nachfolgende Ölpest im vor der Südküste der USA in seiner Aussage am Dienstag in Washington als «vermeidbare Tragödie». Das Fiasko im Golf zeige, dass es «schreckliche Folgen» habe, wenn die Ölfirmen bei der Förderung nicht mit «denselben hohen Standards an Sicherheit und Verantwortung» arbeiteten.
Auch ExxonMobil-Chef Rex Tillerson warf BP vor den Abgeordneten Versäumnisse vor. «Dieser Vorfall stellt eine dramatische Abkehr von den Branchen-Normen bei der Tiefseebohrung dar», sagte er. Wenn bei den Bohrungen alle Sicherheitsstandards beachtet würden, «dann sollten solche tragischen Ereignisse wie im Golf von Mexiko nicht passieren», sagte er weiter. Unter den geladenen Konzernchefs vor dem Energieausschuss des Repräsentantenhauses war auch der USA-Chef von BP, Lamar McKay, der sich ebenfalls zu den Vorgängen äussern sollte.
Ungenügende Notfallpläne bei allen Konzernen
Zur Eröffnung der Anhörung hatten Abgeordnete scharfe Kritik an den Notfallplänen der Konzerne für den Fall einer katastrophalen Ölpest geübt. Eine Untersuchung der eingereichten Unterlagen habe ergeben, dass die Pläne veraltet und teilweise unbrauchbar seien, sagte der Ausschussvorsitzende Ed Markey.
In zwei der untersuchten Plänen sei die Telefonnummer eines «seit langem verstorbenen Experten» angeführt, kritisierte Markey. BP und drei weitere Konzerne erwähnten in den Dokumenten des weiteren den Schutz von Walrössern, «die seit drei Millionen Jahren nicht mehr im Golf von Mexiko beheimatet sind».
«Küsten-Zar» ernannt
Bei einem Besuch in der betroffenen Region kündigte US-Präsident Barack Obama derweil an, die ökologische Wiederherstellung der Golfküste nach der Ölpest von einem eigens berufenen Sonderbeauftragten koordinieren zu lassen. Hauptaufgabe des von US-Medien als «Küsten-Zar» titulierten Beauftragten werde es sein, die Gesundheit und Vitalität der Artenvielfalt und der natürlichen Schönheit wiederherzustellen.
Seine Regierung werde alles tun, um den typischen Lebensstil am Golf «für unsere Kinder und unsere Enkel und unsere Urenkel» zu erhalten, sagte Obama in Theodore im US-Bundesstaat Alabama. Er könne nicht versprechen, dass das Öl «über Nacht» beseitigt werden könne. Aber er könne versprechen, dass irgendwann wieder Normalität herrsche. Obama kündigte strengere Kontrollen der Wasserqualität und der Fischproduktion in der Region an. Wegen der Ölverseuchung ist derzeit der Fischfang in einem Drittel der US-Gewässer im Golf von Mexiko untersagt.
Obama hielt sich am Montag und Dienstag zum vierten Mal seit Beginn der Ölpest vor zwei Monaten in der Golfregion auf, um sich vor Ort über den Stand der Krisenbemühungen zu informieren. Nach Besuchen an den Küsten der Bundesstaaten Mississippi und Alabama wollte der Präsident in den Nordwesten Floridas weiterreisen.
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