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Bin Laden mochte Buch von Ex-Präsident Carter

Über das geheime Leben von Osama Bin Laden in Abbottabad gelangen immer mehr Details an die Öffentlichkeit. Es gibt überraschende Erkenntnisse.

Osama Bin Laden schaut in eine Wolldecke gehüllt fern.
Osama Bin Laden schaut in eine Wolldecke gehüllt fern.
Keystone
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Knapp eine Woche nach der Kommandoaktion der Navy Seals hat die US-Regierung mehrere Privatvideos von Osama Bin Laden veröffentlicht. Die Videos suggerieren, dass der saudische Terrorfürst sein Netzwerk von einem schäbigen, unordentlichen Zimmer aus leitete. Und sie zeigen den meistgesuchten Terroristen als gelangweilten, ergrauten, aber eitlen Mann, der im Fernsehen Videoaufzeichnungen über seine Person betrachtete und sich für seine Terrorbotschaften Bart und Haare schwarz färben liess.

Bin Laden hatte mit drei Ehefrauen, neun Kindern und mehreren Getreuen auf dem Anwesen in Abbottabad in Pakistan gelebt. Die letzten Stunden vor seinem Tod verbrachte der 54-Jährige mit seiner jüngsten Gattin im Schlafzimmer. Die 25 Jahre jüngere Amal al-Sadah, die bei der Kommandoaktion der Navy Seals angeschossen wurde, erzählte inzwischen bei Verhören von pakistanischen Ermittlern interessante Einzelheiten aus dem Leben von Bin Laden, wie die «New York Times» berichtet.

Nicht nierenkrank - «gesund und munter»

Laut Aussagen der jemenitischen Witwe Amal al-Sadah litt Bin Laden nicht an einer chronischen Nierenkrankheit, wie es in den westlichen Medien oft kolportiert worden war. Er habe sich in Afghanistan - während der Zeit des Taliban-Regimes - zwei Nierenoperationen unterzogen, von denen er sich gut erholt habe. Bin Laden sei zuletzt «gesund und munter» gewesen. Er habe sich vor allem mit hausgemachten Medikamenten kuriert und sehr viele Wassermelonen gegessen. Im Medikamentenschrank der Bin Ladens sollen die pakistanischen Ermittler unter anderem Arzneien gegen Erkältungen und Husten gefunden haben, vermutlich für die vielen Kinder, aber auch den Sirup «Avena». Der aus Hafer gewonnene Sirup hilft bei Magenverstimmungen, ist aber auch als Potenzmittel - als «natürliches Viagra» - bekannt.

Auf dem Speiseplan der Bin Ladens standen vorwiegend Gerichte aus Schafs- und Ziegenfleisch. Zu trinken gab es Coca-Cola. Laut seinem Sohn Omar Bin Laden brauchte der Terrorfürst nicht viel zum Leben, wie aus einem 2009 abgefangenen E-Mail aus dem Jahr 2009 hervorgeht. Osama Bin Laden konnte sich tagelang zurückziehen, in sich hineingehen und nachdenken - nachdenken, wie er möglichst viele Amerikaner töten konnte. Bin Laden liess in seinem Versteck in Abbottabad jedes Jahr ein halbes Dutzend Audiobotschaften aufnehmen und über TV und Internet verbreiten.

Informiert über das Weltgeschehen

In seinen Botschaften kritisierte Bin Laden die amerikanische Politik im Irak, er kommentierte die Schriften von Noam Chomsky, dem linken Linguistikprofessor und Politphilosophen aus den USA, und er lobte den früheren US-Präsidenten Jimmy Carter, der in einem Buch für die Schaffung eines Palästinenserstaats plädiert hatte.

In seinem Versteck im pakistanischen Hinterland war Bin Laden durchaus auf dem Laufenden über das Weltgeschehen. Über eine Satellitenschüssel konnte er TV-Programme empfangen und aktuelle Nachrichten sehen. Ausserdem war er ein regelmässiger Hörer des britischen Radiosenders BBC. In Bin Ladens Anwesen in Abbottabad fanden die Ermittler auch einen Computer und zahlreiche Handys. Es gab allerdings weder einen Internet- noch einen Telefonanschluss. Mit der Aussenwelt kommunizierte der Terrorchef über zwei pakistanische Kuriere, denen er vertraute.

Nicht vorbereitet auf solche Aktion der USA

Laut «New York Times» staunten die Ermittler bei der Durchsuchung des Anwesens von Bin Laden. Es gab keine Fluchtwege, keine Tunnel, keine geheimen Räume - offenbar war der Terrorchef nicht vorbereitet auf eine Kommandoaktion, wie sie vor einer Woche von den amerikanischen Elitesoldaten durchgezogen wurde. Bin Laden hatte gemäss Angaben der jüngsten Witwe eine Kalaschnikow in seinem Schlafzimmer. Bevor er die Waffe ergreifen konnte, war Bin Laden aber schon tot - erschossen durch die Navy Seals.

Die USA haben inzwischen Zugang zu den drei in Pakistan festgehaltenen Witwen des getöteten Al-Qaida-Chefs gefordert. Ausserdem wollen sie Einblick in sämtliches Material, das das US-Kommando vor einer Woche im Versteck Bin Ladens zurückliess. Von den Witwen erhoffen sich die USA Informationen darüber, ob Pakistan dem Al-Qaida-Chef Unterschlupf geboten hat. Zudem könnten sie weitere Einblicke in den Alltag des Terroristenführers sowie Hinweise auf seine Tätigkeit nach der Invasion in Afghanistan 2001 und die inneren Strukturen der al-Qaida liefern.

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