Zum Hauptinhalt springen

Bericht enthüllt Details über Misshandlungen in Guantánamo

Eine Studie zeigt: Die USA haben auf Guantánamo Gefangene systematisch misshandelt. Noch sind im Lager 250 Personen eingesperrt.

Skorpione, Taranteln, Schlangen: In den Käfigen wimmelte es von Ungeziefer, berichtet ein Gefangener.
Skorpione, Taranteln, Schlangen: In den Käfigen wimmelte es von Ungeziefer, berichtet ein Gefangener.
Keystone

Die Studie zeigt in bisher nicht da gewesener Ausführlichkeit die Misshandlung der Gefangenen, gegen die fast ausnahmslos nie formal Anklage erhoben wurde. Die Autoren, Laurel Fletcher und Eric Stover von der Universität Berkeley, werteten anonyme Berichte von 62 Ex-Häftlingen aus. So berichten diese, dass sie zuerst in Käfige aus Maschendraht gesperrt wurde, als sie auf Guantánamo ankamen. Ein Häftling berichtet: «Es regnete auf unsere Köpfe. Skorpione, Taranteln, Mäuse und Schlangen kamen in den Käfig. Aus unseren Bettlaken bastelten wir Hängematten, um darin zu schlafen. In jeder Zelle standen zwei Eimer: Einer mit chloriertem Trinkwasser, der zweite diente als Latrine. Wenn man aufs WC musste, konnte alle zuschauen. So lebten wir drei Monate.»

Einige Gefangene wurden in Isolationszellen eingesperrt. Einer davon erzählt: «Man wurde dort stundenlang an den Boden gekettet und konnte sich kaum bewegen. Das war das Schlimmste für mich». Andere Gefangene berichteten, sie seien alleine in einem Raum gesperrt worden. Dort «behandelte» man sie mit lauter Musik und grellem Licht. «Am Anfang spürt man nichts. Aber nach einem Moment beginnen Krämpfe in den Oberschenkeln, die Beine werden langsam taub. Und selbst wenn man die Augen schliesst, kann man weiter dieses Licht sehen, man beginnt zu halluzinieren.»

Neue Regierung gefordert

Weil derartige Misshandlungen kumulativ angewendet worden seien, handle es sich möglicherweise um Folter, sagte Stover. Der künftige US-Präsident Barack Obama, der die Schliessung des Lagers angekündigt hat, müsse eine unabhängige Untersuchungskommission einsetzen. Die Verantwortlichkeiten für die Internierung in Guantánamo, wo seit Anfang 2002 rund 800 Gefangene einsassen und zur Zeit noch etwa 250 Menschen festgehalten werden, müssten geklärt werden. Keine «Entschuldigung, Amnestie oder sonstige Massnahme» dürfe diese Arbeit stören, forderte Stover. Über mögliche Entschädigungen hatte Obama sich nicht geäussert. Nur in rund 20 Fällen erhoben die US-Behörden im Laufe der Jahre formell Anklage.

SDA/cha

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch