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Argentiniens Ex-Diktator Videla gestorben

Er gilt als Gesicht der blutigsten Diktatur Argentiniens. Bis zu 30'000 Menschen soll er auf dem Gewissen haben. Nun ist Jorge Videla im Alter von 87-Jahren gestorben.

Präsident während der brutalsten Phase der argentinischen Militärregierung bis 1981: Jorge Videla auf einem Bild aus dem Jahr 1977.
Präsident während der brutalsten Phase der argentinischen Militärregierung bis 1981: Jorge Videla auf einem Bild aus dem Jahr 1977.
Keystone

Zweieinhalb Jahre nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft ist Argentiniens Ex-Diktator Jorge Videla in seiner Gefängniszelle gestorben. Eine Sprecherin inhaftierter früherer Juntamitglieder bestätigte den Tod des 87-Jährigen in einem Gefängnis bei Buenos Aires, die Ursache blieb zunächst unbekannt.

Videla war das Gesicht der Diktatur in Argentinien. Bis zu 30'000 Menschen wurden von 1976 bis 1983 in dem südamerikanischen Land getötet. Videla war Präsident während der brutalsten Phase der Militärregierung bis 1981. Unter seiner Herrschaft wurde auch die Fussball-WM 1978 organisiert, bei der Argentinien siegte. Die Militärs nutzten dies, um ihr Image aufzupolieren.

Die Unterdrückung der Opposition wurde nach einem systematischen Plan organisiert. Unter Videlas Ägide wurden in ganz Argentinien Hunderte von geheimen Konzentrationslagern errichtet, in denen entführte Oppositionelle gefoltert und meist auch getötet wurden.

Keine Liste der Verschwundenen

Über das Schicksal der Gefangenen entschied nach den Worten Videlas eine Arbeitsgruppe unter dem Kommando eines Generals: Freilassung, Haft oder «disposición final», womit die Tötung des Gefangenen und das Beseitigen der Leiche gemeint waren.

«Es geht um einen militärischen Begriff für das Ausmustern nutzloser Dinge, zum Beispiel abgenutzter Kleidung», erläuterte Videla in Gesprächen mit dem Journalisten Ceferino Reato, die 2012 als Buch veröffentlicht wurden. Es gebe keine vollständigen Listen der Verschwundenen, fügte er hinzu.

Zu lebenslanger Haft verurteilt

Videla wurde am 2. August 1925 in eine Militärfamilie in Mercedes, hundert Kilometer westlich von Buenos Aires, geboren. 1976 führte er den Staatsstreich gegen Präsidentin Isabel Perón an, die Militärjunta ernannte ihn zum Präsidenten. 1981 trat Videla zurück. Nach Wiederstellung der Demokratie wurde er wegen zahlreicher Morde und Entführungen zu lebenslanger Haft verurteilt und unehrenhaft vom Militär entlassen.

1990 begnadigte Präsident Carlos Menem Videla und andere Militärs. 2010 hob der Oberste Gerichtshof die Begnadigung auf. Videla selbst bezeichnete sich als «politischer Häftling».

SDA/mrs

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