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Anschlag auf Obamas Wahlkampfbüro verhindert

Kurz vor dem Nato-Gipfel in Chicago haben US-Behörden Anschlagspläne – unter anderem auf ein Wahlkampfbüro von Obama – aufgedeckt. Drei Männer wurden verhaftet; sie sollen dem Schwarzen Block angehören.

Die Sicherheitskräfte sind in Alarmbereitschaft: Ein Polizist und ein Vermummter Demonstrant treffen aufeinander.
Die Sicherheitskräfte sind in Alarmbereitschaft: Ein Polizist und ein Vermummter Demonstrant treffen aufeinander.
Reuters

Die Polizei in Chicago hat nach eigenen Angaben mehrere Brandanschläge vereitelt. Sie nahm drei Männer fest, die unter anderem ein Wahlkampfbüro von US-Präsident Barack Obama ins Visier genommen haben sollen.

Bei den unter Terrorverdacht festgenommenen Männern seien Brandsätze und Waffen gefunden worden, erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft gestern.

Die Polizei beschuldigt die Männer der Beihilfe zu Gewalt und terroristischen Aktionen. Sie hätten mehrere Anschläge geplant – auch auf das Haus von Stadtpräsident Rahm Emanuel. Er war einst Obamas Stabschef im Weissen Haus.

Keine unmittelbare Gefahr

Laut Ermittlern soll das von US-Medien «Nato-3» genannte Trio gedroht haben: «Nach der Nato wird diese Stadt niemals mehr dieselbe sein.» Staatsanwältin Anita Alvarez sagte: «Diese Männer waren hier, um Menschen zu verletzen.» Chicagos Polizeichef Garry McCarthy betonte aber, dass «keine unmittelbare Gefahr» bestanden habe.

Die drei stammen nicht aus Chicago im US-Bundesstaat Illinois, sondern aus anderen Bundesstaaten. Sie seien gemeinsam aus Florida gekommen und Mitte der Woche bei einer Hausdurchsuchung festgenommen worden.

Mitglieder des Schwarzen Blocks?

Sie wurden gestern einem Richter vorgeführt. Die Kaution für jeden wurde auf 1,5 Millionen Dollar festgesetzt. Sechs weitere bei der Razzia festgenommene Personen wurden am Freitag wieder freigelassen. In der Innenstadt forderten mehrere hundert Demonstranten bei einem Protestmarsch ihre Freilassung.

Der Festnahme waren den Berichten zufolge monatelange Ermittlungen vorausgegangen. Bei den Männern entdeckten die Fahnder nach eigenen Angaben Molotow-Cocktails, eine Pistole, ein Schwert, einen Jagdbogen, Messer und andere Waffen. Sie sollen zum radikalen schwarzen Block gehören – vermummte und oft gewaltbereite Demonstranten.

Verteidiger: Aufgeblähte Vorwürfe

Eine Anwältin der laut Gerichtsunterlagen 20, 24 und 27 Jahre alten Männer wies die Vorwürfe zurück. Sie seien zwar Anti-Nato-Demonstranten. In den gefundenen Flaschen hätten sie aber nur Bier brauen wollen.

«Wir können nicht oft genug sagen, dass wir glauben, dass diese Anklagen sehr aufgebläht sind», sagte Anwältin Sarah Gelsomino. Sie sprach von einer Kampagne mit dem Ziel, Aktivisten, die friedlich gegen die Nato protestieren wollten, in Misskredit zu bringen.

Anwalt Michael Duetsch warf der Polizei vor, die Molotow-Cocktails in der Wohnung platziert zu haben. «Das ist nur Propaganda, um ein Klima der Furcht zu schaffen», sagte er.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

In Chicago findet heute und morgen das bisher grösste Nato-Treffen statt. Staats- und Regierungschefs aus über 50 Ländern reisen dazu an. Die Schweiz, die als Partnerland der Nato eingeladen wurde, wird durch Aussenminister Didier Burkhalter vertreten.

Der Konferenzort südlich des Stadtzentrums ist weiträumig abgesperrt. Helikopter kreisen ständig über den Hochhäusern der mit rund 2,7 Millionen Einwohnern drittgrössten US-Stadt.

Seit Tagen Anti-Nato-Proteste

Bereits seit einigen Tagen demonstrieren Kritiker gegen das Verteidigungsbündnis und den G8-Gipfel der reichen Industrienationen, der zuvor stattfand. Auch gestern protestierten Tausende friedlich. Ihre Plakate trugen Slogans wie «Nato ist gleich dritter Weltkrieg».

Die grössten Demonstrationen werden für heute erwartet. Die Veranstalter haben zu einer Massendemo aufgerufen und erhoffen sich Zehntausende Teilnehmer. Die Polizei verschärfte ihre Sicherheitsmassnahmen nochmals. Rund 3000 Beamte sind im Einsatz.

Bisher hatte die Polizei bewusst auf Zurückhaltung gesetzt: Vor allem Polizisten auf Fahrrädern begleiteten die Demonstranten. Die weitaus massiveren Sicherheitskräfte in schwarzen Overalls und mit Schlagstöcken hielten sich im Hintergrund. Sorgen bereitet den Sicherheitskräften jedoch der Schwarze Block.

SDA/rbi

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