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Alle gegen Sanders

Bei der TV-Debatte der Demokraten war am Dienstag vor allem Bernie Sanders ein Thema. Ob ihn das bremst, ist ungewiss.

TV-Debatte: Pete Buttigieg geht Bernie Sanders scharf an. (Video: Tamedia)

Sie fielen sich ins Wort, zeigten mit den Fingern aufeinander und produzierten gelegentlich eine bemerkenswerte Kakophonie. Zu siebt standen die demokratischen Präsidentschaftsanwärter auf einer Bühne in Charleston im Südstaat South Carolina, wo am Samstag die demokratische Vorwahl abgehalten wird. Die Senatorin Amy Klobuchar, im Feld weit hinten platziert, fasste das Spektakel anschaulich zusammen: «Wenn wir unsere Partei in den nächsten vier Monaten weiter so zerreissen, wird Donald Trump vier Jahre lang das Land zerreissen.»

Die Intensität dieser Debatte war verständlich: Nicht nur um South Carolina ging es am gestrigen Abend, in wenigen Tagen steht der «Superdienstag» an, wenn in 16 Bundesstaaten und US-Territorien gewählt wird. Eine Vorentscheidung beim Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur könnte dann fallen, weshalb die TV-Debatte in Charleston eine vielleicht letzte Gelegenheit bot, den Spitzenreiter Bernie Sanders anzugreifen und seinen Aufstieg zu bremsen.

Der Senator aus Vermont sei «zu entfremdet», um parteilose und ehemals republikanische Wähler zu gewinnen, befand Senatorin Klobuchar.

Der demokratische Sozialist aus Vermont werde nicht nur gegen Donald Trump verlieren, «die Republikaner werden den Senat und das Repräsentantenhaus gewinnen», warnte New Yorks ehemaliger Bürgermeister Mike Bloomberg. In South Carolina, wo Afroamerikaner 60 Prozent der demokratischen Wählerschaft bilden, thematisierten Sanders’ Rivalen die Ängste vor seiner Kandidatur: Mit ihm an der Spitze drohe eine totale Niederlage im Herbst, ja die Amtsträger der Partei im Kongress gingen «so schnell wie möglich auf Distanz» zu seinem Wahlprogramm, warnte Pete Buttigieg.

Das Dilemma der Demokraten zeigte sich also auch in Charleston: Soll sich die Partei einem demokratischen Sozialisten anvertrauen? Oder muss sie ihre Netze in der politischen Mitte auswerfen?

Sanders, dem in den vergangenen Tagen vorgeworfen wurde, linke Autokraten wie Fidel Castro und den nicaraguanischen Sandinisten Daniel Ortega verklärt zu haben, wehrte sich in Charleston: Er lehne Autokraten grundsätzlich ab, auch wenn Castros Kuba doch auch Gutes, etwa mit einer Kampagne gegen Analphabetismus, erreicht habe.

Unter Beschuss geriet Sanders gleich mehrfach: Gemässigte Demokraten wie Buttigieg, Klobuchar und Bloomberg, der nach seiner schrecklichen Vorstellung bei der Debatte in Nevada gestern besser abschnitt, trauen dem Alt-Linken nicht zu, beim Urnengang im Herbst parteilose Wähler und ehemalige republikanische Wähler zu erreichen. Der Senator aus Vermont sei dafür «zu entfremdet», befand Senatorin Klobuchar.

Trump wie Sanders seien Retro-Politiker, implizierte Pete Buttigieg, der junge Ex-Bürgermeister aus Indiana.

Sanders konterte diese Vorwürfe mit der Behauptung, Donald Trump könne nur von einer begeisterten Bewegung aus dem Amt gewählt werden. Dazu aber brauche es «die höchste Wahlbeteiligung in der Geschichte dieses Landes». Genau dies aber hat der Senator aus Vermont bislang nicht erreicht: In keinem der bisherigen Vorwahlstaaten erreichte die Wahlbeteiligung die Spitzenwerte von 2008, als Barack Obama zur Wahl stand.

Pete Buttigieg ging noch einen Schritt weiter in seiner Attacke auf Sanders: Donald Trump repräsentiere die Sehnsucht nach der Sozialordnung der Fünfzigerjahre und Sanders «die Nostalgie für die revolutionäre Politik der Sechzigerjahre». Trump wie Sanders seien Retro-Politiker, implizierte der junge Ex-Bürgermeister aus Indiana.

Dass Sanders bis heute nicht wirklich erklären kann, wie er seine gewaltigen Sozialprogramme bezahlen möchte, brachten seine Rivalen ebenso vor wie sein Zaudern bei der Kontrolle von Schusswaffen. Ob es ihnen helfen wird?

Einer der sieben Kandidaten könnte sich in Charleston tatsächlich geholfen haben: Nach seinen enttäuschenden Ergebnissen in Iowa, New Hampshire und Nevada braucht Joe Biden am Samstag in South Carolina einen Sieg. «Ich werde gewinnen», versprach er in Charleston, ohne jedoch einen wirklich überzeugenden Auftritt geboten zu haben.

Am Samstag und mehr noch am darauffolgenden Dienstag schlägt für Biden wie für seine Mitbewerber Amy Klobuchar, Elizabeth Warren, Mike Bloomberg und Pete Buttigieg die Stunde der Wahrheit. Auf die Schlusslichter wird der Druck enorm werden, das Feld zu räumen, um in der Mitte den Weg für einen ernsthaften Konkurrenten für Bernie Sanders freizumachen.

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