Was nukleare Terroristen bei Obama ums Eck anrichten würden

Was geschieht, wenn in der Nähe des Weissen Hauses eine Atombombe explodiert? Forscher sagen die totale Zerstörung voraus – US-Sicherheitsexperten meinen: Es wäre nicht das Ende der Welt.

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Ein Atomangriff auf eine Grossstadt ist das Horrorszenario für jeden Sicherheitspolitiker. Experten rechnen mit Chaos und Zerstörung, unzähligen Toten und dem Zusammenbruch aller Versorgungssysteme. Nach einer US-Studie könnte der Schaden nach einer solchen Attacke allerdings deutlich geringer ausfallen als bislang befürchtet.

In der Studie «Schlüsselfaktoren für die Reaktion auf die Folgen des nuklearen Terrorismus» hatten die Sicherheitsexperten der US-Katastrophenschutzbehörde folgendes Szenario durchgespielt: In Washington explodiert wenige Strassenzüge vom Weissen Haus entfernt ein atomarer Zehn-Kilotonnen-Sprengsatz. Die Forscher sagen für einen Radius von mehreren hundert Metern massive Zerstörung voraus.

«Kein kalter Krieg»

Ausserhalb dieser Zone hätten die Menschen allerdings recht gute Überlebenschancen. «Es ist nicht das Ende der Welt», sagt der Gründungsdirektor des Instituts für Heimatschutz, Randy Larsen. «Es ist nicht das Szenario des Kalten Krieges».

Die 120 Seiten starke Studie war im November vergangenen Jahres im Auftrag des Heimatschutzministeriums und der Atomsicherheitsbehörde der USA angefertigt worden. Das Papier ist lediglich für den Dienstgebrauch bestimmt und hat bislang wenig Aufmerksamkeit erregt. In den vergangenen Wochen tauchte die Studie allerdings auf den Internetseiten von wissenschaftlichen Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen auf.

Verwüstung in Washingtons Innenstadt

Der Bericht geht von einer völlig zerstörten Zone in der Washingtoner Innenstadt aus, die von der Südseite des Weissen Hauses bis östlich des Hauptquartiers der Bundespolizei FBI reicht. «Wenn überhaupt dürften nur wenige Gebäude stehen bleiben und nicht viele Menschen würden überleben», heisst es in der Studie.

Der Kongress, der Oberste Gerichtshof und das Pentagon auf der anderen Seite des Flusses Potomac hingegen würden wohl nur leicht beschädigt. Der Bericht führt als mögliche Schäden lediglich zersprungene Fenster und leichte Verletzungen auf. Die Autoren der Studie rechnen in dem Szenario mit über 45'000 Toten und 323'000 Verletzten. Die Detonation der Zehn-Tonnen-Atombombe wäre 5000 Mal stärker als die Explosion bei dem Terrorangriff auf ein Bundesgebäude 1995 in Oklahoma City.

Immenser Lichtblitz

Der Lichtblitz wäre wohl noch in mehreren Hundert Kilometern Entfernung zu sehen und könnte Menschen in der Nähe des Zentrums vorübergehend erblinden lassen. Der bis zu acht Kilometer hohe Atompilz wäre aber nur für wenige Minuten stabil. Die Folgen des radioaktiven Niederschlags hängen der Studie zufolge entscheidend von der Jahreszeit ab.

Im Frühling würde der sogenannte Fallout vor allem nördlich und westlich der Washingtoner Innenstadt niedergehen. Im Sommer wäre der Südosten der Hauptstadt betroffen. In den ersten zwei Stunden wären Menschen nahe des Zentrums der Explosion einer Strahlenbelastung von 300 bis 800 Röntgen ausgesetzt und kämen wahrscheinlich ums Leben.

Ab in den Keller

«Unglücklicherweise kann unser Instinkt unser grösster Feind sein», heisst es in der Studie. So würden viele Menschen nach dem Lichtblitz wohl ans Fenster treten und könnten dann von den splitternden Scheiben verletzt werden. Auch die Flucht ins Freie könnte negative Folgen für die Betroffenen haben. Dort dürfte die Strahlenbelastung innerhalb weniger Minuten ein tödliches Niveau erreichen.

Die Autoren der Studie raten für den Fall eines Atomangriffs, Schutz in Kellern oder Parkhäusern zu suchen. Wer vom Freien ins Innere eines Gebäudes komme, solle sich seiner Kleidung entledigen und Partikel des radioaktiven Niederschlags aus dem Haar kämmen.

Mit Hiroshima nicht zu vergleichen

Der Umfang der Schäden hänge von der vorherrschenden Bauweise in den betroffenen Städten und der Bevölkerungsdichte ab, heisst es in dem Bericht. So könnten die Hochhäuser in New York die Reichweite umher fliegender Trümmerteile begrenzen. Allerdings wären dort in der dicht besiedelten Innenstadt mehr Menschen von der Explosion und dem Fallout betroffen.

Die überraschende These von den begrenzten Schäden eines Atomangriffs ist jedoch vor allem den Annahmen des Szenarios geschuldet. Die Autoren gingen von der Explosion eines nuklearen Sprengsatzes am Boden aus, was den Radius der Zerstörung erheblich einschränkt. Während des Kalten Krieges rechneten die Militärs in ihren Planspielen stets mit einem Angriff der Sowjetunion mit Interkontinentalraketen, die über ihrem eigentlichen Ziel detoniert wären.

«Unsere Vorstellungen vom Atomkrieg stammen von Hiroshima und Nagasaki oder aus Filmen aus der Zeit des Kalten Kriegs», sagt der Berater des Präsidenten des US-Forschungsinstituts RAND, Brian Michael Jenkins. «Wenn Du glaubt, eine Stadt würde vom Angesicht der Erde hinweg gefegt – das wird nicht passieren.»

baz.ch/Newsnet

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