Türkische Goldgeschäfte sorgen für Spannungen

Die Türkei verkauft Gold an den Iran und bekommt dafür Erdgas. Die USA fordern ein Ende dieses Handels, weil er die Sanktionen gegen den Iran unterläuft. Dadurch könnte die Schweiz zur Drehscheibe werden.

Will keinen Konflikt mit den USA: Der türkische Energieminister Taner Yildiz.

Will keinen Konflikt mit den USA: Der türkische Energieminister Taner Yildiz.

(Bild: Keystone)

Die Türkei macht prächtige Geschäfte mit dem Iran, das zeigten am Freitag veröffentlichte Daten der türkischen Statistikbehörden. In den letzten neun Monaten sind die türkischen Goldexporte von 54 Millionen im vergangenen jahr auf satte 6,4 Milliarden gestiegen. Washington vermutet, dass das Gold vor allem in den Iran exportiert wird, im Gegenzug soll die Türkei dafür Erdgas erhalten – das berichtete das Wallstreetjournal Deutschland. Damit aber unterläuft Ankara die vor allem von den USA vorangetriebenen Sanktionen gegen den Iran, die am vergangenen Freitag sogar noch verschärft wurden.

Schärfere Sanktionen

Die vergangenen Freitag im US-Senat beschlossenen Sanktionen gegen den Iran wollen insbesondere auch den Goldexport in den Iran verbieten. Sollte das US-Repräsentantenhaus den Beschluss durchwinken, wäre der Türkei der Boden für die lukrativen Exportgeschäfte entzogen. Immerhin liefert der Iran 18 Prozent des Erdgas- und 51 Prozent des Ölbedarfs der Türkei. Seit die USA und die EU die Zahlungen von Dollar oder Euro an den Iran verboten haben, bezahlt die Türkei eben in türkischer Lira.

Die Goldverkäufe sind eine Säule der türkischen Wirtschaft. Allein im Oktober exportierte die Türkei Gold im Wert von 12 Milliarden Dollar – das ist 14 -mal mehr als noch im vergangenen Jahr. Der Goldhandel diente der Türkei auch zur Aufbesserung der Handelsbilanz, um Anleger anzulocken und zu Investitionen zu ermutigen, so ein Analyst gegenüber dem «Wall Street Journal».

Die US-Intervention darf deshalb auch als Warnung an die Adresse der Türkei gelten, dass ihre Geheimgeschäfte mit dem Iran nicht mehr länger toleriert werden. Mit den zahlreichen politischen Umstürzen im Nahen Osten wurde die Türkei in jüngster Vergangenheit ein wichtiger Verbündeter der USA in der Region.

Schweiz als Drehscheibe

Die Türkei setzt derweil auf Deeskalation. Wirtschaftsminister Zafer Caglayan sagte zwar noch am Mittwoch, die Türkei werde weiterhin Gold nach Teheran exportieren, ungeachtet der amerikanischen Sanktionspläne. Tags darauf betonte aber der türkische Energieminister Taner Yildiz, dass man mit den USA im Gespräch sei und nicht mit einem Konflikt rechne.

In den vergangenen Monaten hat die Türkei aber auch begonnen, seine Goldgeschäfte zu diversifizieren. Immer mehr Gold geht nach Dubai, von wo es seinen Weg dann in den Iran findet, wie Goldhändler und Ökonomen vermuten. Auch die Schweiz gilt als Golddrehscheibe, da die EU-Sanktionen gegen den Goldhandel von der Schweiz nicht unterzeichnet wurden. Die Schweizer Exporte in die Türkei stiegen denn auch im Oktober um das Vierfache.

mcb

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