Trump droht Kritikern mit seiner Motorrad-Gang

Der US-Präsident dreht im dunkelroten Bereich: Er prahlt mit der Härte seiner Anhänger – und deutet an, er werde sie notfalls zu Gewalt aufrufen.

«Und dann wird es sehr, sehr schlimm»: Donald Trump droht seinen Feinden mit Vergeltung. Foto: Shawn Thew (Keystone)

«Und dann wird es sehr, sehr schlimm»: Donald Trump droht seinen Feinden mit Vergeltung. Foto: Shawn Thew (Keystone)

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Erst attackierte er den im August verstorbenen Senator John McCain mit einer unwahren Behauptung. Dann knöpfte er sich eine satirische TV-Show vor – und verlangte Zensur. Obendrein schimpfte er über dies und jenes, ein vergrätzter und übellauniger Präsident mit Twitter-Konto und Smartphone. Was Donald Trump am Wochenende von sich gab, verblasste freilich neben seinen Drohungen gegen politische Gegner, die er am vergangenen Mittwoch in einem Interview mit dem konservativen Webportal Breitbart ausgestossen hatte.

Trumps Ausbrüche sorgten am Montag für Unruhe in Washington: Wie frustriert ist der Präsident, wie besorgt sollte seine Umwelt auf den zusehends autoritären Tonfall reagieren? «Sein Zustand wird schlimmer», diagnostizierte per Twitter der konservative Anwalt und Trump-Feind George Conway, Ehemann von Trumps enger Mitarbeiterin Kellyanne Conway. Der Präsident scheint gewillt, in politisch gefährliche Zonen vorzustossen, bestärkt darin von der felsenfesten Unterstützung seiner republikanischen Anhängerschaft.

«Fast alles ist Fake News»

Nachdem sich die satirische TV-Show «Saturday Night Live» (SNL) am Samstag wieder einmal über ihn lustig gemacht hatte, schoss Trump am Sonntag zurück: Es sei «unglaublich, dass Shows wie Saturday Night Live, ohne Talent und ohne Spass, die gesamte Zeit damit verbringen, dieselbe Person (mich) wieder und wieder anzurempeln».

Dann verlangte der Angerempelte trotz der verfassungsmässig garantierten Meinungsfreiheit Konsequenzen: Die zuständigen Behörden müssten einschreiten, «die Berichterstattung der Medien ist so einseitig, fast alles ist Fake News».

Schon im Februar hatte sich der Präsident über einen SNL-Sketch derart geärgert, dass er eine Zensur der Sendung forderte. An der «Fake-News-Show Saturday Night Live ist überhaupt nichts lustig», beschwerte er sich. Die Sendung sei «sehr unfair», die zuständigen Aufsichtsbehörden sollten sich das «genauer ansehen», so Trump.

«Ich habe die Unterstützung der Bikers for Trump –  die geben sich nicht hart, bis sie einen gewissen Punkt erreichen, und dann wird es sehr schlimm.»Donald Trump in einem Interview

Tatsächlich veräppelt SNL amerikanische Präsidenten seit der ersten Show im Herbst 1975. Ob Gerald Ford oder Jimmy Carter, Ronald Reagan, Bill Clinton oder Barack Obama: Alle wurden von SNL vorgeführt. Nicht nur gibt sich der jetzige Präsident besonders gut für SNL-Satiren her, seine Darstellung durch den Schauspieler Alec Baldwin gilt überdies als sehr gelungen.

Trumps Ruf nach einer Massregelung von SNL weckte in Washington Erinnerungen an Richard Nixons Attacke auf die TV-Show «The Smothers Brothers Comedy Hour». Nachdem die satirische Sendung Nixon mehrfach lächerlich gemacht hatte, appellierte der Präsident an seine Verbündeten beim TV-Sender CBS – und erreichte, dass die beliebte Show aus dem Programm genommen wurde.

Nach Trumps Ausbruch im Februar hatte sich Alec Baldwin besorgt über die Angriffe des Präsidenten auf SNL und ihn geäussert und um seine und die Sicherheit seiner Familie gefürchtet. In seinem Interview mit Breitbart in der vergangenen Woche schien Trump derartige Ängste zu rechtfertigen. Denn der Präsident deutete an, er werde seine Anhänger notfalls zu Gewalt aufrufen.

«Ich sage Ihnen, ich habe die Unterstützung der Polizei, die Unterstützung des Militärs und die Unterstützung der ‹Bikers for Trump› – ich habe die harten Leute, aber die geben sich nicht hart, bis sie einen gewissen Punkt erreichen, und dann wird es sehr schlimm, sehr schlimm», sagte Trump in dem Interview. Die «Bikers for Trump» sind eine Motorradfahrer-Vereinigung, die den Präsidenten unterstützt und ihm Gefolgschaft versichert hat.

Erstellt: 19.03.2019, 16:40 Uhr

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