Schusswaffen aus dem 3-D-Drucker

Ein US-Waffennarr darf digitale Baupläne für Feuerwaffen als Downloads im Internet veröffentlichen. Waffengegner sind entsetzt, und die Trump-Regierung wird verklagt.

Jedem seine Waffe: Cody Wilson, Waffenfan und Anarchist, mit einer Pistole, die er mit einem 3-D-Drucker hergestellt hat.

Jedem seine Waffe: Cody Wilson, Waffenfan und Anarchist, mit einer Pistole, die er mit einem 3-D-Drucker hergestellt hat.

(Bild: Keystone)

Vincenzo Capodici@V_Capodici

«Das Zeitalter der herunterladbaren Waffe beginnt», frohlockt Cody Wilson auf der Website seines Unternehmens Defense Distributed. Der 30-jährige Waffenaktivist aus Texas ist nach jahrelangem Rechtsstreit am Ziel: Ab dem 1. August darf er Pläne für den Bau von Waffen mittels 3-D-Drucker im Internet zur Verfügung stellen. Die digitalen Vorlagen für Waffen aus Thermoplast können heruntergeladen werden. Das bedeutet, dass jedermann, der einen 3-D-Drucker besitzt, seine eigene Feuerwaffen basteln kann.

Solche Waffen können tatsächlich schiessen, ihre Qualität ist aber noch lange nicht optimal. Während mit einer herkömmlichen Waffe oft tausendfach geschossen werden kann, fallen die bisher mit 3-D-Druckern produzierten Exemplare meist schon nach wenigen Schüssen auseinander. In der Regel ist auch die Treffsicherheit eher bescheiden. Man kann allerdings davon ausgehen, dass die Technik sich schnell weiterentwickeln wird. Heutige Exemplare können aber bereits Schaden anrichten.

Waffen für Kriminelle und Terroristen

Organisationen, die sich gegen den verbreiteten Waffenbesitz engagieren, sind entsetzt. Sie befürchten, dass Schusswaffen aus dem 3-D-Drucker in die falsche Hände geraten könnten. Und sie kritisieren die Trump-Regierung, die mit Defense Distributed einen aussergerichtlichen Vergleich abgeschlossen hat, der es dem Waffennarr Wilson erlaubt, Pläne zur Herstellung von Waffen auf 3-D-Druckern zu veröffentlichen. Die Obama-Regierung hatte dies mit Verweis auf das Waffenexport-Gesetz verhindert.

Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaats Washington, Bob Ferguson, hat nun angekündigt, dass er die Trump-Regierung vor einem Bundesgericht in Seattle verklagen wird. Wie die Nachrichtenagentur SDA berichtet, richtet sich die Klage gegen den aussergerichtlichen Vergleich zwischen der US-Regierung und der Firma Defense Distributed. Dadurch, so Ferguson, erhalten «Kriminelle und Terroristen Zugang zu herunterladbaren, nicht verfolgbaren und nicht aufspürbaren 3-D-gedruckten Waffen». Ferguson forderte das Gericht in Seattle auf, noch vor Mittwoch eine einstweilige Verfügung zu erlassen, um die Veröffentlichung der Waffenpläne zu stoppen.

Videobeitrag über Cody Wilson und Defense Distributed. Quelle: Youtube/Wired

Sieben Bundesstaaten haben sich der Klage gegen die US-Regierung angeschlossen. Ausserdem sollen die Generalstaatsanwälte von 20 US-Bundesstaaten und des Hauptstadtdistrikts Washington einen Brandbrief an die US-Regierung geschickt haben. Sie argumentieren, «dass die Veröffentlichung von Computerdateien zu Schusswaffen die nationale Sicherheit bedrohen und unsere Bürger gefährden würde.» Dazu kommt, dass solche Waffen keine Seriennummer haben und nicht zurückverfolgt werden können. Die Debatte um die 3-D-Drucker betrifft nicht nur die USA. Die Waffenpläne von Defense Distributed sind via Web auf der ganzen Welt zugänglich.

Wilson wird keinesfalls klein beigeben. «Das ist der Kampf», liess der selbsterklärte Krypto-Anarchist auf Twitter verlauten. Wilson beruft sich gerne auf den zweiten Zusatzartikel der Verfassung, der US-Bürgern das Recht auf Waffenbesitz zusichert. Im Weiteren verweist er auf den ersten Zusatzartikel zur freien Rede. Man könne ihm nicht verbieten, Informationen zum Waffenbau zu verbreiten. Wilson folgt dem Motto: «Entwicklung von privater Verteidigungstechnologie im öffentlichen Interesse.»

Der Gründer von Defense Distributed hatte bereits 2013 Pläne für die Herstellung einer Schusswaffe auf 3-D-Druckern veröffentlicht, bis er von der Obama-Regierung zurückgepfiffen wurde. «Liberator», «Befreier», hiess die Pistole, die allerdings nur einen Schuss abfeuern konnte. Die Waffe bestand hauptsächlich aus ABS-Plastik, dem Material, aus dem auch Lego-Steine sind. Einzige Metallteile waren der Schlagbolzen und ein extra hinzugefügtes Stück, weil Waffen in den USA per Gesetz von Metalldetektoren erkannt werden müssen. Die Datensätze zur «Liberator»-Waffe sollen innerhalb von zwei Tagen über hunderttausend Male heruntergeladen worden sein.

Waffenbefürworter argumentierten, dass Waffen aus dem 3-D-Drucker lediglich eine moderne Version dessen seien, was ohnehin längst möglich ist – nämlich der Eigenbau einer einfachen Schusswaffe mit bekannten Materialien und Methoden. Unabhängig vom 3-D-Druck ist es in den USA legal, sich selbst eine Schusswaffe zu bauen. Defense Distributed arbeitet längst an unzähligen Bauplänen für allerlei Waffen, die mit einem 3-D-Drucker angefertigt werden können. Auch Sturmgewehre sollen so hergestellt werden. Für die Metallteile werden computergesteuerte Fräsen eingesetzt.

Einfach zu bauen: Die Bestandteile der «Liberator»-Waffe. Foto: Defense Distributed

Gemäss einem Bericht der Nachrichtenagentur DPA verkauft Wilson über eine separate Firma auch Bausätze, Software und eine spezielle CNC-Werkzeugmaschine für solche Waffen, die nicht aus dem 3-D-Drucker kommen. Im Angebot ist auch ein Bausatz für ein halbautomatisches Sturmgewehr, das dem AR-15 nachempfunden ist. Damit mordeten unter anderem die Attentäter in Parkland und Las Vegas.

Wilsons Pläne für einen freien und einfachen Zugang zu Waffen lösen bei vielen Menschen Ängste aus. Das US-amerikanische Technologiemagazin «Wired» stellte letztes Jahr eine Liste der zehn gefährlichsten Leute im Internet zusammen – unter ihnen befand sich auch Cody Wilson.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt