Polizei in Baltimore setzt Ausgangssperre durch

Nach den schweren Unruhen der vergangenen Tage hat ein massives Polizeiaufgebot in der US-Grossstadt Baltimore eine nächtliche Ausgangssperre durchgesetzt. Die Polizei spricht von einem Erfolg.

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Die Ausgangssperre trat um 22.00 Uhr in Kraft und dauerte bis 05.00 Uhr. Kurz nach Beginn des Ausgehverbots teilte die Polizei über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, sie setze Pfeffergeschosse gegen eine «aggressive Menge» ein. CNN und andere US-Fernsehsender berichteten, die Einsatzkräfte verwendeten auch Rauchbomben.

Wie der CNN berichtete, waren kurz nach Beginn der Ausgangssperre noch mehrere hundert Menschen auf den Strassen der Stadt. Auf Fernsehbildern war zu sehen, dass vor allem junge schwarze Männer sich nicht an das Ausgehverbot hielten. Die Polizei hatte gedroht, jeden festzunehmen, der sich auf der Strasse aufhalte - es sei denn aus beruflichen oder medizinischen Gründen.

Weitgehend wieder Ruhe

Der Polizeieinsatz mit Unterstützung der Nationalgarde und die Ausgangssperre zeigten Wirkung: Es kehrte weitgehend wieder Ruhe in Baltimore ein, nachdem die Stadt wegen des Todes eines Schwarzen im Polizeigewahrsam seit Montag von Krawallen erschüttert wurde.

«Die Ausgangssperre wirkt. Die Bürger sind sicher. Die Stadt ist stabil», sagte Polizeichef Anthony Batts bei einer mitternächtlichen Medienkonferenz. Zehn Menschen wurden laut Polizei wegen Verstössen gegen die Ausgangssperre festgenommen. Die Spannung in der Stadt war weiter spürbar.

Am Montag hatten Randalierer Polizeibeamte mit Steinen und Flaschen beworfen sowie 144 Autos und mehrere Gebäude in Brand gesetzt. Der Gouverneur des Bundesstaates Maryland, Larry Hogan, rief daraufhin den Ausnahmezustand für Baltimore aus.

Dass es am Dienstagabend ruhiger zuging, wurde darauf zurückgeführt, dass freiwillige Helfer, darunter Geistliche und Aktivisten, sich zwischen Polizei und Demonstranten stellten und zu einem friedlichen Protest aufriefen.

In sozialen Medien war als Beispiel dafür ein Video zu sehen, dass eine schwarze Mutter zeigt, wie sie ihren 16-jährigen Sohn von den Unruhen am Montag wegzerrt. In manchen US-Medien wurde die Frau als «Mutter des Jahres» gelobt.

Ausgangssperre gilt eine Woche lang

Die von der Stadtverwaltung verhängte Ausgangssperre soll eine Woche dauern. Laut Hogan waren am Dienstagabend in der Ostküstenstadt 2000 Nationalgardisten und 1000 Polizisten im Einsatz, um weitere Krawalle zu verhindern.

Die Krawalle waren nach der Trauerfeier für den 25-jährigen Afroamerikaner Freddie Gray ausgebrochen, der am 19. April, eine Woche nach seiner Festnahme, an schweren Rückenmarkverletzungen gestorben war. Die genauen Umstände sind noch unklar.

Auf Videoaufnahmen ist aber zu sehen, wie Polizisten Gray zu Boden drücken, bevor sie den vor Schmerz schreienden 25-Jährigen zu einem Polizeibus schleifen. Kurz darauf fiel er im Spital ins Koma. Zu der Trauerfeier für Gray hatten sich am Montag rund 3000 Menschen in einer Kirche versammelt.

Obama: «Beunruhigende Fragen»

Viele Afroamerikaner sehen Gray als das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze. US-Präsident Barack Obama verurteilte die Krawalle. Obama sagte, für die Krawalle gebe es «keine Entschuldigung». Allerdings zeigte er Verständnis für die Sorgen der Afroamerikaner angesichts der jüngsten Fälle tödlicher Polizeigewalt.

Seit den tödlichen Schüssen auf den schwarzen Teenager Michael Brown vergangenen August in Ferguson hätten Polizisten Afroamerikaner aber bei «zu vielen Gelegenheiten» in einer Weise behandelt, die «beunruhigende Fragen» aufwerfe.

chk/AP

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