Für den Vater nach Washington

Der Sohn des brasilianischen Präsidenten, Eduardo Bolsonaro, soll Botschafter in den USA werden.

Hat in den vergangenen Monaten bereits wie ein zweiter Aussenminister gefuhrwerkt: Eduardo Bolsonaro. (Foto: Joshua Roberts/Reuters)

Hat in den vergangenen Monaten bereits wie ein zweiter Aussenminister gefuhrwerkt: Eduardo Bolsonaro. (Foto: Joshua Roberts/Reuters)

Christian Zürcher@suertscher

Väter helfen ihren Söhnen. Nun erhält ein berühmter Sohn von seinem berühmten Vater grosse Hilfe bei seiner diplomatischen Karriere. Es geht um die brasilianische Familie Bolsonaro. Der Vater, der Präsident, plant, Sohn Eduardo zum amerikanischen Botschafter zu machen. Dieser wurde gerade 35 Jahre alt – es ist das Mindestalter für brasilianische Botschafter – und hat sich für das väter­liche Ansinnen bereit erklärt. Die Eignung hat der Vater dem Sohn auch schon zugesprochen. Der Junior sei mit Donald Trumps Kindern befreundet, er spreche Englisch und habe «sehr viel» internationale Erfahrung.

Tatsächlich hat Sohn Eduardo in den vergangenen Monaten bereits wie ein zweiter Aussenminister gefuhrwerkt. Er war als Emissär in Argentinien, er besuchte Europa und reiste nach Ungarn und Italien, um die Hände von Viktor Orban und Matteo Salvini zu schütteln. Er habe von Orban den «Umgang mit der Presse ohne politische Korrektheit» gelernt, liess er verlauten, und Salvini sei «einer der Menschen, der die auf der ganzen Welt stattfindende rechte Bewegung am besten repräsentiert». Er war in den USA, traf Steven Bannon und trat dessen rechtspopulistischer Organisation The Movements bei. Er besuchte das Weisse Haus und sass mit dem Vater und Trump im Oval Office am Tisch, der echte Aussenminister musste vor der Tür warten. Ein Signal dafür, wie die Macht in Brasilia verteilt ist. Family first. Und da gehören auch die weiteren Brüder dazu.

Bolsonaro senior, der einstige Fallschirmjäger, nennt seine Söhne selten beim Namen, nein, er hat sie militärisch durchnummeriert. Nulleins, nullzwei, nulldrei. Nulleins ist Flavio und pflegt Kontakte zur Mafia, es gibt Korruptionsvorwürfe gegen ihn, und er ist brasilianischer Senator. Nullzwei ist Carlos, er gilt als Kopf der Bolsonaro-Propagandamaschine und schreckt nicht vor Beleidigungen politischer Gegner zurück; er sitzt seit 18 Jahren im Stadtrat von Rio. Und da ist eben Nulldrei, Eduardo, der 2018 mit den meisten Stimmen in der Geschichte Brasiliens zum Abgeordneten gewählt wurde.

Wenn ein Vater seinem Sohn zu einem Posten verhilft, dann hat das ein Geschmäckchen.

Nulldrei ist Jurist und Bundespolizist. Er kämpft um das Recht, eine Waffe tragen zu dürfen. Eine Folge wohl der Bolsonaro-Erziehung. So erzählt der Vater, dass alle seine Söhne mit fünf das Schiessen erlernt haben. Nulldrei lernte auch die politische Unkorrektheit des Vaters, er sagte, dass konservative Frauen hübscher seien als linke und zudem hygienischer, denn «sie demonstrieren nicht barbusig und verrichten auch nicht ihren Stuhlgang auf offener Strasse». Nulldrei soll zudem eine Journalistin bedroht haben, und er erheischte landesweite Empörung, als er vor Polizisten sagte: Um den obersten Gerichtshof zu schliessen, brauche es bloss einen Soldaten und einen Gefreiten. Selbst der Vater fand das zu dreist und kanzelte ihn öffentlich ab.

Wenn ein Vater seinem Sohn zu einem Posten verhilft, dann hat das ein Geschmäckchen. Bolsonaro senior brachte im November Nullzwei, ­Carlos, als Minister für Kommunikation ins Spiel. Weil Vetternwirtschaft zu einem Amtsenthebungsverfahren führen kann, zog sich der Sohn ­zurück. Worauf der Vater sagte: «Ich würde niemals Nepotismus praktizieren. Das ist nichts für mich.»

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