Die Welt braucht Amerika

Analyse

Bessere Zahlen vom Arbeitsmarkt als erwartet, aussenpolitische Erfolge: In den USA breiten sich Optimismus und ein neues Selbstbewusstsein aus.

Spass am Steuer: US-Präsident Barack Obama in einem Chevrelot Silverado an der DC Auto Show.

Spass am Steuer: US-Präsident Barack Obama in einem Chevrelot Silverado an der DC Auto Show.

(Bild: Keystone)

Philipp Löpfe

«Wir stehen ganz einfach wieder auf, und wenn wir das tun, dann wird die Welt das Gebrüll unserer Motoren hören», verspricht Clint Eastwood in seinem kontroversen Werbespot für Chrysler und fügt hinzu: «Es ist Halbzeit, Amerika. Und unsere zweite Hälfte beginnt jetzt.» Alles nur Machosprüche oder mehr?

Was die Wirtschaft betrifft, macht sich in den USA so etwas wie Optimismus breit. In den letzten zwei Monaten hat die Zahl der Arbeitslosen jeweils um 200'000 pro Monat abgenommen. Vieles deutet darauf hin, dass der Trend weiter anhalten wird, denn die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank entschärft die Angst vor einer Bankenpleite. Das hat den Unternehmen neuen Mut gemacht. Es wird wieder investiert, und die stark heruntergefahrenen Lagerbestände werden wieder aufgefüllt. Enthusiasten sprechen bereits wieder von einer «Konjunkturlokomotive USA».

Amerikas Supermacht

Auch politisch scheint sich das Blatt zu wenden. Nach Jahren der Diskussionen über den unvermeidlichen Niedergang der Supermacht USA werden jetzt wieder ganz andere Töne laut. Präsident Barack Obama hat in seiner «State of the Union»-Rede erklärt: «Jeder, der behauptet, Amerika sei im Abstieg und verliere seinen Einfluss, weiss nicht, wovon er spricht.»

Erstaunlicherweise erhält der Präsident mit dieser These Zustimmung von rechts. Robert Kagan, ein konservativer und einflussreicher Politexperte, hat soeben ein Buch veröffentlicht mit dem Titel «The World America Made». Darin argumentiert er, dass die Welt noch lange auf die Supermacht USA angewiesen sein werde. Kagan nennt drei Gründe:

  • Gerade das Drama in Syrien zeige eindrücklich, dass weder China noch Russland in der Lage seien, eine verantwortungsvolle Rolle in der internationalen Politik zu übernehmen.
  • Die Chinesen würden zwar von einer offenen Weltwirtschaft profitieren, doch sie selbst würden ein solches System niemals stützen. Die chinesische Wirtschaftspolitik sei letztlich merkantilistisch, will heissen: Peking stellt die Interessen des eigenen Staates über die Interessen eines freien Handelssystems und würde deshalb die Gans schlachten, die goldene Eier legt.
  • Ein multipolares System ist keine Option. «Historisch sind sie weder speziell stabil noch speziell friedlich gewesen», stellt Kagan in einem Essay im «Wall Street Journal» fest. «Krieg zwischen den Grossmächten war normal, ja stets der Fall in der multipolaren Ära, die vom 16. bis zum 18. Jahrhundert dauerte.»

Kein Wirtschaftswunder

Allerdings: Ein paar Kleinigkeiten trüben das hehre Bild von der wundersamen Genesung der Supermacht USA. Selbst wenn die Wirtschaft derzeit wächst und neue Jobs schafft, ein Wirtschaftswunder zu erwarten, wäre eine Illusion. Zwar hat der schwache Dollar die Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft verbessert, doch einen breiten, gut verdienenden Mittelstand wie in den 1950er- und 1960er-Jahren wird es nicht mehr geben. Detroit ist noch sehr weit entfernt von seinen besten Tagen.

Generell hat der amerikanische Mittelstand eher ernüchternde Aussichten: Letztes Jahr ist die Wirtschaft um 1,7 Prozent gewachsen, die Durchschnittslöhne sind jedoch um 2,7 Prozent gefallen. Und was die geopolitische Rolle der Supermacht betrifft, halten wir es am besten mit den Bayern: Schauen wir mal.

baz.ch/Newsnet

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