Die Rückkehr der Kennedys

Die stolze Tradition des Kennedy-Klans in Washington lebt wieder auf: Ein junger Spross bewirbt sich um einen Sitz im Kongress.

Gute Aussichten auf Erfolg: Der 31-jährige Joe Kennedy III. will einen Platz im Repräsentantenhaus gewinnen.

Gute Aussichten auf Erfolg: Der 31-jährige Joe Kennedy III. will einen Platz im Repräsentantenhaus gewinnen.

(Bild: Keystone)

Martin Kilian@tagesanzeiger

Seit 1947 sorgte der Klan der Kennedys in Washington für Furore. Seine Söhne wurden Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten, sie gaben im Kongress als Senatoren und Abgeordnete den Ton an. Was vor 65 Jahren mit dem Einzug des damals jungen John F. Kennedy ins Washingtoner Repräsentantenhaus begonnen hatte, endete im Januar 2011, als der Kongressabgeordnete Patrick Kennedy, ein Sohn des 1968 ermordeten Senators und Präsidentschaftskandidaten Robert Kennedy, seinen Sitz räumte.

Erstmals seit 1947 gab es danach keinen Kennedy in Washington, ja der letzte verbliebene Spross der Familie in der amerikanischen Politik war Bobby Shriver, der Sohn von JFKs Schwester Eunice. Er diente als Stadtrat im kalifornischen Santa Monica.

Gute Aussichten für Joe Kennedy III.

Nun allerdings könnte sich das Bild wieder ändern: Joe Kennedy III., Sohn des ehemaligen Kongressabgeordneten Joseph Kennedy und Robert Kennedys Enkel, bewirbt sich im Kennedy-Heimatstaat Massachusetts für einen Sitz im Repräsentantenhaus. Der 31-jährige Anwalt, der an den Eliteuniversitäten Stanford und Harvard ausgebildet wurde, hat gute Aussichten: Der 4. Kongressbezirk in Massachusetts gilt als mehrheitlich demokratisch, zumal der illustre Name des Kandidaten mächtig Wahlkampfspenden in seine Kassen spült.

Satte 1,3 Millionen Dollar nahm Joe Kennedy im ersten Quartal 2012 ein, sein republikanischer Gegenkandidat Sean Bielat hingegen nur 175'000 Dollar. Unter anderem sammelte Kennedy Geld bei einem Empfang im New Yorker Jachtclub ein, bei dem Hollywood-Diva Lauren Bacall zugegen war.

Das politische Credo des neuesten Kennedys unterscheidet sich kaum von dem seiner berühmten Verwandten: Wie Grossvater Robert und der 2009 verstorbene Senator Ted Kennedy ist der junge Joe auf dem linksliberalen Flügel der Demokratischen Partei angesiedelt. Amerika beruhe auf einer einfachen Idee, sagt er: «Jede Person verdient es, von anderen Personen wie auch vom Staat fair behandelt zu werden». Gewinnt Joe Kennedy die Wahl im November, wird die stolze Tradition seiner Familie in Washington wieder aufleben.

baz.ch/Newsnet

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