Der Mann, der das Geheimnis der NSA verriet

Die Quelle der jüngsten Enthüllungen über die Internet-Überwachung hat sich zu erkennen gegeben. Es handelt sich um einen 29-jährigen Techniker, der seine Karriere in Genf begann.

Zum Verkauf ausgeschrieben: Haus von Edward Snowden auf Hawaii. (9. Juni 2013)

Zum Verkauf ausgeschrieben: Haus von Edward Snowden auf Hawaii. (9. Juni 2013)

(Bild: Keystone)

Die US-Geheimdienste erfassen täglich Millionen Telefondaten und durchforsten grossflächig das Internet nach Terrorverdächtigen. Nun hat sich die Quelle hinter den Enthüllungen über den gigantischen Überwachungsapparat zu Erkennen gegeben. Es ist ein junger Techniker. Er bereut nach eigenen Angaben nichts.

Hinter den Enthüllungen über die gross angelegte Internetüberwachung durch den US-Geheimdienst NSA steckt ein junger Techniker. Das berichtete die britische Zeitung «Guardian». Demnach handelt es sich bei der Quelle um den 29-jährigen US-Bürger Edward Snowden. Er ist als Mitarbeiter der externen Technologieberatung Booz Allen Hamilton für die NSA tätig. Früher arbeitete Snowden nach eigenen Angaben als technischer Assistent für die CIA.

«Nichts Falsches getan»

Seine Identität sei auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin publik gemacht worden, schrieb «Guardian» weiter. «Ich habe nicht die Absicht, mich zu verstecken, weil ich weiss, dass ich nichts Falsches getan habe», wurde Snowden zitiert. Sein einziges Motiv sei es gewesen, die «Öffentlichkeit darüber zu informieren, was in ihrem Namen» geschehe.

Snowden arbeitete laut «Guardian» in einem NSA-Büro in Hawaii, als er die letzten Geheimdokumente kopierte und weitergab. Dann habe er seinen Vorgesetzten mitgeteilt, dass er für einige Wochen wegfahren müsse, um sich wegen Epilepsie behandeln zu lassen, hiess es.

Zuerst in Genf gearbeitet

Der Mann, der am Ursprung der Enthüllungen eines Überwachungsprogrammes des US-Geheimdienstes NSA steht, hat in der Schweiz gearbeitet. Edward Snowden kam 2007 unter Diplomatenschutz nach Genf, wo er für das CIA tätig war und Zugang zu klassifiziertem Material hatte.

Dort habe er als Angestellter im Bereich IT-Sicherheit zum ersten Mal das Verlangen verspürt, an die Öffentlichkeit zu bringen, was er über das NSA-Programm der Internet-Überwachung wusste, sagte der 29-Jährige im Gespräch mit der Zeitung «Guardian». Zuvor war er durch die CIA engagiert worden. Dank seiner Kenntnisse des Internets und seines Talents im Bereich der Computer-Programmierung stieg er dort rasch auf.

Angewidert davon, was er dort entdeckte, erwog er, die Existenz jener Programme aufzudecken, die «einen Missbrauch» der Öffentlichkeit im Namen der Sicherheit darstellten. «Vieles davon, was ich in Genf sah, hat mich wirklich desillusioniert darüber, wie meine Regierung arbeitet und was ihr Einfluss auf die Welt ist», sagte er der Zeitung.

Er habe aber die Wahl von Barack Obama im Jahr 2008 abgewartet, in der Hoffnung, der neue Präsident würde einen besseren Schutz vor solchen Praktiken durchsetzen. Aber «er führte die Politik seiner Vorgänger fort», begründete Snowden seine Aktion. 2009 verliess er die CIA und arbeitete für ein privates Unternehmen, das ihn mit einer Funktion bei einem NSA-Standort auf einer Militärbasis in Japan beauftragte.

Aktuell in Hongkong

Am 20. Mai ging Snowden dem Bericht zufolge nach Hongkong, wo er sich immer noch aufhält. Die Stadt habe er sich deswegen ausgesucht, weil «sie sich dort der freien Meinungsäusserung und dem Recht auf politischen Dissens verpflichtet» fühlten. Im Übrigen sehe er Hongkong als einen der Orte auf der Welt an, der sich dem Diktat der USA widersetzen würde.

Er hoffe nun, dass die mit seinen Enthüllungen einhergehende Bekanntheit ihn schützen werde, sagte Snowden dem «Guardian». Die besten Zukunftsaussichten rechne er sich nun mit einem Asylantrag aus, möglicherweise in Island. Er bereue nichts, erklärte er.

Massive Enthüllungen

Der «Guardian» und die «Washington Post» hatten diese Woche enthüllt, dass die NSA (National Security Agency) im Rahmen des Prism-Projekts Daten, Mails, Instant Messages und Videobotschaften sammelt – unter anderem bei Google, Apple, Microsoft und Facebook. Abgegriffen wurden zudem Telefondaten von Millionen amerikanischer Kunden, allerdings keine Gespräche.

Der oberste Koordinator aller US-Geheimdienste, James Clapper, verteidigt das geheime Programm zur gross angelegten Überwachung des Internets indes als legal und notwendig. Das Prism-Projekt sei mehrfach vom Kongress gebilligt worden, betonte Clapper am Samstag in Washington. Zudem würden die Datenanalysen von einem Geheimgericht strikt überwacht. Zugleich verurteilte Clapper die Medienveröffentlichungen über das umstrittene Programm als verantwortungslos. Feinde der USA bekämen quasi eine Handlungsanweisung, wie sie ihrer Überwachung entgehen könnten.

Auch Präsident Obama hatte die massive Internetüberwachung und das Sammeln von Hunderten Millionen Daten als notwendig im Kampf gegen Terroristen bezeichnet. Die NSA stellte inzwischen Strafanzeige im Zusammenhang mit den Medienberichten über das Programm.

Snowden gab im Gespräch mit dem «Guardian» derweil weitere Details über seine Motive preis. Er habe für die CIA im Bereich IT-Sicherheit gearbeitet und sei 2007 unter diplomatischem Schutz nach Genf entsandt worden. Dadurch habe er Zugang zu einer Reihe von geheimen Dokumenten bekommen, sagte er. In Genf hätten ihn die Abläufe im US-Regierungsapparat und dessen Einfluss auf die Welt jedoch ernüchtert. «Ich merkte, dass ich Teil von etwas bin, das viel mehr Schaden als Segen anrichtet», erklärte Snowden.

mw/chk/AP/sda

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