Das wars für den härtesten Sheriff der USA

Joe Arpaio wollte einen Sitz im US-Senat. Der 86-jährige Trump-Fan scheiterte bereits bei den Vorwahlen in Arizona.

«America First»: Joe Arpaio und Donald Trump.

«America First»: Joe Arpaio und Donald Trump.

(Bild: Reuters)

Vincenzo Capodici@V_Capodici

Joe Arpaio bewundert Donald Trump – und umgekehrt ist es genauso. Vor einem Jahr begnadigte der US-Präsident den umstrittenen Ex-Sheriff, der für seinen harten, teils illegalen Umgang mit Migranten und Gefangenen landesweit berühmt-berüchtigt gewesen war. Trotz seines fortgeschrittenen Alters wollte sich der 86-jährige Trump-Fan nicht zur Ruhe setzen. Vielmehr hatte Arpaio grosse politische Ambitionen: Er kandidierte im Bundesstaat Arizona für einen Senatssitz im US-Kongress in Washington. Doch Arpaio ist nun gescheitert bei den Vorwahlen der Republikaner.

Das Rennen machte Martha McSally, die Kandidatin des republikanischen Establishments. Mit deutlichem Rückstand kam Arpaio nur auf den dritten Platz, hinter Kelli Ward, die wie der Ex-Sheriff eine überzeugte Trumpistin ist.

Vergeblich hat Arpaio versucht, mit Trump-Parolen, die er via Twitter verbreitete, die Vorwahl der Republikaner in Arizona für sich zu entscheiden. Arpaios Niederlage im Kampf um einen Senatssitz sei das «passende Ende des öffentlichen Lebens eines wirklich sadistischen Mannes», kommentierte die «New York Times».

Bei der Republikanervorwahl am Dienstag ging es nicht um den Sitz des verstorbenen Senators John McCain, sondern um jenen von Jeff Flake, der im November nicht mehr zu den Kongresswahlen antreten wird. Flake gehört zum Lager der Trump-Kritiker. «Flake hasst Trump», twitterte Arpaio noch letzte Woche, «Flake unterstützt McSally.» Arpaio warb für sich unter dem Motto: «Washington braucht einen neuen Sheriff.» Genützt hat es ihm nichts. Der 86-jährige Ex-Sheriff kann nun in Pension gehen.

Systematisch schikanierte er Häftlinge

Arpaio war von 1992 bis 2016 Sheriff des Bezirks Maricopa im Bundesstaat Arizona gewesen. Wegen extrem harter Amtsführung vor allem gegen Immigranten war er einer der kontroversesten Ordnungshüter der Vereinigten Staaten. Arpaio selber gab sich den Übernamen «härtester Sheriff der USA». Als Sheriff hatte er zum Beispiel am Rande von Phoenix eine berüchtigte Gefängniszeltstadt in der glühenden Hitze des Südwestens einrichten lassen. Die Gefangenen liess er mit rosafarbener Unterwäsche ausstatten. Sie erhielten nur zweimal täglich etwas zu essen, angeblich aus Spargründen stets ohne Pfeffer und Salz. Systematische Schikanen gehörten zu Arpaios Strafvollzug.

Vor einem Jahr drohte Arpaio eine sechsmonatige Haftstrafe, zu der ihn ein Bundesgericht in Phoenix verurteilt hatte. Arpaio war für schuldig befunden worden, als Sheriff eine gerichtliche Anordnung missachtet zu haben, wonach er die Diskriminierung und ethnische Verfolgung von Immigranten zu unterlassen habe.

«Beispielhafter Dienst an Öffentlichkeit»

Schliesslich kam ihm US-Präsident zu Hilfe. Trump begnadigte Arpaio, der im Wahlkampf den späteren Präsidenten unterstützt hatte. Trump attestierte Arpaio einen «beispielhaft selbstlosen Dienst an der Öffentlichkeit». Das Weisse Haus liess verlauten, dass Arpaio «nach mehr als 50 Jahren bewundernswertem Dienst an unserer Nation eine Begnadigung durch den Präsidenten verdient hat». Menschen- und Bürgerrechtler reagierten entsetzt auf den Gnadenakt für den Ex-Sheriff.

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