91-66-91. Nach der ersten Operation

Stephanie Clifford vögelte sich auf den Porno-Olymp. Das turnte offenbar auch US-Präsident Donald Trump an.

Hello, Mr. President. Stephanie Clifford, aka «Stormy Daniels» (40), langjährige Pornodarstellerin, der Donald Trump 2006 nicht widerstehen konnte und deren Kurven ihn heute erneut ins Schlingern bringen.

Hello, Mr. President. Stephanie Clifford, aka «Stormy Daniels» (40), langjährige Pornodarstellerin, der Donald Trump 2006 nicht widerstehen konnte und deren Kurven ihn heute erneut ins Schlingern bringen.

Sie war mal eine ziemliche Nummer im Business, offenbar. Ist schon eine Weile her. 2008, zwei Jahre nachdem sie den späteren US-Präsidenten Donald Trump gebumst hatte in der Hoffnung auf ein kleines Show-up in der Trump-Reality-Show «The Apprentice», war Stephanie Clifford, aka «Stormy Daniels» oder, weniger gebräuchlich, «Stormy Water», im Ranking der US-Pornostars die Nummer 1. Sechs Jahre und 17 Filme brauchte sie für ihren Aufstieg zur Pornoqueen und zur unbestrittenen Charakterdarstellerin ihres Fachs.

Die Branche war im Vollsaft damals, dauererregt, die Potenz des Internets als Verbreitungskanal, dessen höhere Übertragungsraten und Bildqualitäten wie besserer Sex schienen, geilte ein ganzes Pornouniversum zur unaufhörlichen Klimax auf. Die Branche träumte von jenem Umsatz, den sie heute tatsächlich erzielt; 70 Milliarden Dollar summa summarum und weltweit im Jahr, mindestens. Die Konsumenten träumten einfach nach mehr.

Trend zu immer Ausgefallenerem

Stormy Daniels war knapp 30 Jahre alt zu dieser Zeit. Das ist das Alter, in dem ein Pornostar zur Milf auf- oder absteigt. Milf, das heisst «Mom I’d like to fuck», Milf, das ist der Herbst im Leben eines Pornostars und in einer Branche, die von Frischfleisch lebt. Daniels machte noch ein bisschen mit, liess sich die Brüste nochmals vergrössern, um kompetitiv zu bleiben, war aber nicht bereit, dem allgemeinen Trend zu immer Härterem und Ausgefallenerem zu folgen. Als Daniels mit Porno begann, zählte frivoler Analsex bereits zum Härteren und Ausgefallenerem. Heute ist das pornotechnisch inzwischen Blümchensex.

Daniels ging in einen Positionswechsel, das heisst, immer mehr hinter die Kamera und setzte eine neue Generation in Szene, deren Repertoire grenzen- und schmerzenlos schien.Die Pornoindustrie, vor allem die amerikanische, ist im Grunde mehr als eine gross angelegte Wichsvorlage. Sie ist die wirkliche Traumfabrik, die diejenige sexuelle Wünsche bebildert, die der Konsument leben möchte, aber nicht kann. Im Gegensatz dazu, das nur nebenbei, ist die ungarische, russische und ukrainische Pornoindustrie viel weniger Träger der sexuellen Fantasien der Männer ihres Landes, weil die Ostpornoindustrien in erster Linie für den amerikanischen und westeuropäischen Markt produzieren.

Vor gut zehn Jahren geschah Folgendes zur selben Zeit: die flächendeckende Sexualisierung der Gesellschaft, die Enttabuisierung der Sexualität auch in ihren ausgefallenen Facetten, und ein Heer von experimentierfreudigen und zeigegeilen Amateuren betrat die Szene. Amateure, die sich beim Sex selbst filmen, ihr Elaborat in entsprechenden Foren online stellen und versuchen, mehr Porno zu sein als die Pornoprofis. Was wiederum dazu führte, dass die Profis sich noch mehr steigerten, um sich von den Amateuren abzuheben.

«Aahh, ohhh, yes, oh my goooood»

Und dann war da noch Budapest, das als «Budaporn» von sich reden machte. Das Phänomen «Budaporn» war: unzählige junge Frauen von im Branchenschnitt gesehen überdurchschnittlicher Schönheit, mit echtem Busen und, so sagen Branchenkenner, einer Lust, die stets mehr echt denn gespielt schien, und die die amerikanischen Pornostereotypen mit ihrem zum Lustinterruptus führenden «Aahh, ohhh, yes, oh my goooood» als einen schlechten Comic scheinen liessen.

Es dauerte eine Zeit, bis das San Fernando Valley, das Epizentrum des US-Pornos 30 Kilometer nordwestlich von Los Angeles, bemerkte, dass Silikon etwas geworden war, das in einem andern Tal viel besser funktionierte. Und die Frau, die einem späteren Präsidenten als Vorspiel mit einem Magazin, dessen Titelblatt er zierte, den Hintern versohlte, war eine der ersten, die als Regisseurin den neuen Bodytrend und die neuen Blickwinkel in der Branche erkannte und der Industrie so zu ein wenig Viagra verhalf.

Auf dem Porno-Olymp

Aus Stormy Daniels wurde wieder jene Stephanie Clifford, die sie war, bevor sie sich entschlossen hatte, als Go-go-Tänzerin in Baton Rouge Karriere zu machen, was ihr vorzüglich gelang. Sie gewann 2001 und 2002 den vom Penthouse gesponserten «Gold G-String Award». Mit dem Preisgeld liess sie sich erstmals die Brüste vergrössern, zog nach Los Angeles, erhielt ihren ersten Vertrag und vögelte sich auf den Porno-Olymp, was offenbar auch Donald Trump anturnte. Sie engagierte sich gegen Kinderpornografie, trat den Republikanern bei und liebäugelte mit der Kandidatur als Senatorin für den Staat Louisiana, trat an gegen einen Republikaner, der auf Saubermann machte, aber jahrelang, wie sich herausstellte, zu Prostituierten ging. Ihr Slogan damals war: «Screwing people honestly» – die Leute ehrlich vögeln.

2009 war das, den Kontakt zu Trump hatte sie verloren, schon seit zwei Jahren, nachdem sie sich 2007 noch einmal in einem Hotelzimmer getroffen haben sollen. Trump wollte Sex, sie einen Auftritt in «The Apprentice», es kam zu keinem von beiden. Sie hätten, so sagte sie, zusammen eine Dokumentation über Haie angeschaut, danach sei sie gegangen. Stormy Daniels verschwand von der Bildfläche. Bis vor ein paar Tagen. Jetzt ist sie wieder eine Nummer. Nur in einem anderen Business. Oder auch nicht.

Basler Zeitung

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