Fox-TV lässt Obama-Hasser in Show auftreten

Andy Martin hat das Gerücht erfunden, Barack Obama sei ein Muslim. Neulich durfte er sogar im Fernsehen auftreten.

Martin Kilian@tagesanzeiger

Der 5. Oktober war ein grosser Tag für Andy Martin. Man hatte ihn eingeladen zur TV-Show des rabiat-konservativen Talkmasters Sean Hannity auf Rupert Murdochs gleichfalls rabiat-konservativem Fox-Fernsehsender. In der Sendung als «Autor und Journalist» vorgestellt, durfte Andy Martin – früher hiess er einmal Anthony Martin-Trigona – sodann über Barack Obama herfallen, dem er unter anderem unterstellte, «für einen radikalen Sturz der Regierung» ausgebildet worden zu sein.

Die markige Behauptung blieb vom Moderator unwidersprochen und schürte den Eindruck, der «Autor und Journalist» Andy Martin sei ein profunder Obama-Experte, dem es gelungen war, den «wahren» Obama zu entlarven. Tatsächlich aber hatte Fox in seiner steten Bereitschaft, auf den demokratischen Präsidentschaftskandidaten einzuschlagen, einem durchgeknallten Obama-Hasser und notorischen Antisemiten eine begehrte Bühne verschafft.

Bereits zuvor hatte Martin Geschichte gemacht: Er setzte das vor allem im Internet kursierende Gerücht in die Welt, Obama sei ein verkappter Muslim. Nachdem der damals weithin unbekannte Obama beim Demokratischen Parteitag 2004 in Boston durch eine blendende Rede erstmals aufgefallen war, verfasste Andy Martin eine «Pressemitteilung»: Obama sei «ein Muslim, der seine Religion versteckt».

Wenig später wurde die «Pressemitteilung» des publizitätssüchtigen Martin von der FreeRepublic.com aufgegriffen. Diese Webseite ist am rechts aussen liegenden Rand der Republikanischen Partei angesiedelt. Damit war eine unwahre Behauptung in die Welt gesetzt, die Obama noch heute verfolgt und Hauptzutat eines paranoiden Cocktails ist, wonach der Demokrat mit dem Mittelnamen «Hussein» ein Araber mit Terrorkontakten sei. Der Urheber der Verleumdung ist ein schillernder Selbstdarsteller, dem ein Bundesrichter in Connecticut 1983 das Einreichen von Klagen untersagte, nachdem Martin amerikanische Gerichte mit schikanierenden Klagen gegen alle und jeden in Atem gehalten hatte.

Kampagne gegen «Juden-Macht»

Andy Martin selbst hatte Recht studiert, die Anwaltskammer indes lehnte seine Zulassung mit dem Hinweis auf ein psychologisches Gutachten ab: Martin, hiess es dort, habe einen «moderat-schweren Charakterdefekt» und sei von Paranoia und Grossmannssucht geprägt. Was diesen allerdings nicht davon abhielt, sich gleich mehrmals, sei es als Demokrat oder als Republikaner, um einen Sitz im Kongress in Washington zu bewerben. Einmal trat er im Staat Connecticut an, einmal in Illinois.

In beiden Fällen aber war es erklärtes Ziel seiner Kampagne, die sogenannte «Juden-Macht in Amerika auszumerzen». Einen Richter beschimpfte er als «betrügerischen schleimigen Juden», sich selbst bezeichnete er als «überzeugten Unterstützer der muslimischen Gemeinschaft». Anfang Oktober aber schlug ihm eine Sternstunde. Beim Sender Fox, wo Andy Martin als «Autor und Journalist» ein Millionenpublikum «informieren» durfte.

Tages-Anzeiger

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...