Aus der Ölkatastrophe wird ein Finanzdebakel

Das lecke Bohrloch im Golf von Mexiko konnte endgültig versiegelt werden. Doch der Kampf gegen die Ölpest kommt den britischen Konzern BP teuer zu stehen. Erstmals sind genaue Zahlen bekannt.

Musste viel Geld investieren, um die Ölkatastrophe einzudämmen: Der britische Konzern BP.

Musste viel Geld investieren, um die Ölkatastrophe einzudämmen: Der britische Konzern BP.

(Bild: Keystone)

Der Kampf gegen die schwerste Ölkatastrophe in der amerikanischen Geschichte hat den britischen Konzern BP inzwischen 9,5 Milliarden Dollar gekostet.

Zudem habe der 20 Milliarden Dollar grosse Sonderfonds für Entschädigungen von Fischern, Hoteliers und Detailhändlern an der US-Südküste inzwischen 19'000 Anträgen stattgegeben und insgesamt 240 Millionen Dollar ausgezahlt, teilte BP am Sonntagabend mit. Seitdem das Unternehmen die Verantwortung für den Fonds an einen unabhängigen Verwalter übertragen habe, seien die Auszahlungen deutlich angestiegen.

Loch ist endgültig versiegelt

Am Wochenende hatte BP mitgeteilt, das vor fünf Monaten leckgeschlagene Bohrloch im Golf von Mexiko endgültig mit Zement versiegelt zu haben. Nach einem letzten Drucktest erklärte der Koordinator der US-Regierung, Thad Allen, das Bohrloch am Sonntag offiziell für «tot».

Die Aufarbeitung der schwersten Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA steht aber erst an ihrem Anfang. Das Bohrloch sei definitiv keine Gefahr mehr für den Golf von Mexiko, sagte Allen. Im Rahmen der sogenannten «Operation Bottom Kill» hatten BP-Techniker am Freitag sieben Stunden lang Schlamm und Zement durch eine Entlastungsbohrung direkt in das Ölvorkommen in 4000 Metern Tiefe gepumpt.

Drucktest war erfolgreich

Ein letzter Drucktest nach dem Trocknen der Masse sollte zeigen, ob die Versiegelung tatsächlich hält. Bereits Mitte Juli war die lecke Steigleitung der Quelle mit Zement, Schlamm, Abfällen und einer riesigen Abdeckhaube geschlossen worden. Seither floss kein Öl mehr in den Golf. Die US-Regierung bestand jedoch auf einer endgültigen Versiegelung der Quelle.

Die Aufarbeitung des schweren Unglücks, bei dem auch elf Arbeiter der Deepwater Horizon starben, steht jedoch noch ganz am Anfang. Nach Angaben des Vertreters der Küstenwache Paul Zukunft sind mehr als 25'000 Helfer nach wie vor mit der Säuberung von knapp tausend Kilometern verschmutzter Strände beschäftigt. «Unsere weitere Sorge ist, dass wir nicht wissen, wo das restliche Öl ist», sagte er. Nach seinen Angaben suchen derzeit elf Forschungsschiffe nach einer Antwort.

BP will die Schuld nicht alleine übernehmen

87 Tage lang floss das Öl ungehindert aus dem lecken Bohrloch in den Golf, insgesamt rund 780 Millionen Liter. Die Küste von Louisiana bis Florida wurde verschmutzt, die Fischerei- und Tourismusindustrie erlitt schweren Schaden. Ein Teil des Öls wurde nach Angaben von Regierungsexperten aufgefangen oder abgefackelt, rund zwei Drittel verdunsteten demnach oder wurden von Bakterien vernichtet. Doch befürchten Umweltexperten, dass sich grössere Ölschwaden noch in der Tiefe verbergen.

Auf BP kommen neben den Kosten für Reinigung Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe zu. Der Konzern beharrt allerdings darauf, nicht allein verantwortlich zu sein, sondern gibt Subunternehmen eine Mitschuld an der Katastrophe: Unter anderem hatte ein Schutzventil an der lecken Leitung versagt, erste Untersuchungen ergaben zudem eine Reihe schwerer Verstösse gegen die Sicherheitsvorschriften.

mrs/dapd/AFP

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