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Proteste gegen MonarchieAufstand gegen den König

In Thailand fordern Zehntausende einen demokratischen Wandel und mehr Rechte.

Drei erhobene Finger sind das Zeichen der prodemokratischen Protestbewegung. Am Samstag begannen die grössten Demonstrationen in Thailand seit Monaten.
Drei erhobene Finger sind das Zeichen der prodemokratischen Protestbewegung. Am Samstag begannen die grössten Demonstrationen in Thailand seit Monaten.
Foto: Wason Wanichakorn (Keystone) 

Der Regen hat sie nicht aufgehalten. Sie trotzten der Nässe, und auch das Risiko einer Ansteckung mit Covid-19 schreckte sie nicht ab. Tausende Thailänder schliefen in der Nacht zum Sonntag auf dem grossen Feld nahe dem Königspalast in Bangkok. Bilder und Videos aus der Hauptstadt zeigten Demonstranten, die in Stille drei geschlossene Finger in die Höhe reckten, wie in den Filmen «Die Tribute von Panem». Diese prodemokratische Demonstration war grösser als alles, was die thailändische Monarchie in den vergangenen Monaten erlebt hat. Die Polizei sprach von 20’000 Menschen, was zurückhaltend geschätzt sein dürfte. Aktivisten hatten 50’000 Teilnehmer erwartet.

«Das Volk erklärt seinen Willen, dass dieses Land nicht das Eigentum des Monarchen ist.»

Inschrift einer einzementierten Plakette

Gewalttätige Zusammenstösse blieben aus. Die Kluft zwischen dem regierenden Militär und den überwiegend jungen Demonstranten, die demokratische Reformen und eine Änderung der Verfassung fordern, scheint allerdings unüberbrückbar zu sein. Am Sonntagmorgen wurde dies besonders deutlich, als thailändische Aktivisten kurz nach Sonnenaufgang eine Plakette auf dem königlichen Feld Sanam Luang einzementierten. Die «Bangkok Post» veröffentlichte ein Video davon, der Text der Inschrift fordert in ungewohnter Offenheit den König heraus: «Das Volk erklärt seinen Willen, dass dieses Land dem Volk gehört und nicht das Eigentum des Monarchen ist.»

Sie platzierten die Inschrift an jenem Ort, an dem 2017 eine Messingplakette von 1932 auf mysteriöse Weise verschwunden war. Die historische Inschrift hatte die damalige Abschaffung der absoluten Monarchie zelebriert. Der thailändische Staat hat nie erklären können, was mit der Inschrift plötzlich geschehen war. Gleichzeitig mahnten Kritiker, dass König Maha Vajiralongkorn, der seinem verstorbenen Vater Bhumibol 2016 auf den Thron gefolgt war, sich zunehmend wie ein absoluter Herrscher verhalte, zum Beispiel, indem er die direkte Kontrolle über die milliardenschweren königlichen Besitztümer an sich zog.

Eltern haben Angst um ihre protestierenden Kinder

Unter den Demonstranten befindet sich an diesem Wochenende auch Garn T., ein Englischstudent im zweiten Jahr, der seinen vollen Namen nicht preisgeben möchte. Über einen Chat-Kanal kann diese Zeitung mit ihm Kontakt aufnehmen. Garn sagt, dass die meisten seiner Mitstudenten hinter den Protesten stünden, aber dass viele von ihnen mit ihren Eltern darüber gar nicht reden könnten. «Ich musste meinen Eltern erzählen, dass ich Arbeiten fürs Studium zu erledigen habe», sagt Garn, sie hätten Angst um ihn und wollten ganz sicher nicht, dass er sich hier unter die Menge mischt.

Zehntausende demonstrierten am Sonntag gegen die Regierung Thailands und gegen die Monarchie. Die Militärregierung versucht die von Studenten angeführten Proteste zu kontrollieren.
Zehntausende demonstrierten am Sonntag gegen die Regierung Thailands und gegen die Monarchie. Die Militärregierung versucht die von Studenten angeführten Proteste zu kontrollieren.
Foto: Rungroj Yongrit (Keystone) 

Manche vertuschen zu Hause, dass sie demonstrieren gehen, sie scheuen den Konflikt innerhalb der Familien, der überall dort aufzubrechen droht, wo die Älteren die Unantastbarkeit des Königs verinnerlicht haben, die Jüngeren aber Wandel fordern. Welche Vorstellungen die Thailänder tatsächlich von der künftigen Monarchie haben, weiss keiner genau, sie können darüber nicht offen diskutieren. Ein drakonisches Gesetz gegen Majestätsbeleidigung dient dem Militär dazu, Andersdenkende zu verfolgen.

Die Kluft zwischen den Generationen ist nur eine von mehreren Bruchlinien, die Thailand spaltet. Gegner und Befürworter des Status quo gibt es in nahezu allen Schichten, auch unter älteren Bürgern. Hinzu kommt, dass die politischen Loyalitäten auch von Region zu Region unterschiedlich ausfallen.

Der Protest ist wichtig, um Bürgerrechte einzufordern.»

Garn T., Student

Der Protest sei jetzt sehr wichtig, um Bürgerrechte einzufordern, sagt Garn T. Denn das, was die vom Militär beherrschte Regierung vorexerziere, habe mit wahrer Demokratie nichts zu tun. Viele jüngere Thailänder sind verbittert, weil der Staat ihre politische Hoffnung, die Future Forward Party, Anfang des Jahres verbot. Später verschwand ein prominenter Dissident im Ausland, was das Misstrauen der Opposition weiter gesteigert hat.

Die ökonomischen Härten, die mit dem Ausbruch des Coronavirus übers Land kamen, der Einbruch des wichtigen Tourismus, die Folgen der Pandemie – das alles hat die Unzufriedenheit verstärkt, obgleich das Virus in diesem Land weit weniger Todesopfer forderte als anderswo. Die Ursachen des Protests aber liegen tiefer, reichen weiter zurück und sind im Kern ein Aufstand gegen reaktionäre Kräfte in Thailand, die Pfründe und Privilegien retten wollen.

Der König radelt derweil durch Bayern

Der Monarch zieht es in Zeiten der Pandemie vor, im fernen Bayern zu verweilen, wo er eine Villa am Starnberger See besitzt und mit seiner Entourage ein Hotel in Garmisch bezogen hat. Der König radelt gern durch die Landschaft. Die Generäle, die Thailand beherrschen und dies stets mit der Notwendigkeit begründen, den König und das Vaterland zu beschützen, sind unterdessen damit beschäftigt, die wachsende Verwunderung und Kritik am König aus den sozialen Medien schnellstmöglich zu verbannen. Diese Frontstellung macht ein baldiges Ende der Proteste unwahrscheinlich.

9 Kommentare
    L. Maximilian

    Thailand, die Militärdiktatur des Lächelns, mit dem Westen verbandelt... da weiss man wenigstens, dass die Demokratiebewegungen wirklich aus der eigenen Bevölkerung entstanden sind und nicht vo aussen gesteuert sind...