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Schweizer Expositionen im ÜberblickAuf in den Ausstellungsherbst: Museen zwischen Basel und Chur

Nach dem Lockdown melden sich die Museen zurück: Kunst aus Israel in Basel, chinesische Landschaften in Zürich, Totentanz in Chur. Das sind die besten Schweizer Ausstellungen im Herbst.

Chinesische Landschaftmalerei von Huang Yan: «Chinese Landscape – Tattoo, No. 7», 1999.
Chinesische Landschaftmalerei von Huang Yan: «Chinese Landscape – Tattoo, No. 7», 1999.
© the artist, courtesy Fondation INK

Sehnsucht Natur, Landschaftsmalerei in China – Museum Rietberg

Die Schau führt in die chinesische Landschaftsmalerei ein, entschlüsselt ihre verschiedenen Bedeutungen und versteckten Botschaften. Sie vermittelt Einblicke in die Kultur, Philosophie und Literatur Chinas und spricht zugleich ein hochaktuelles Thema jenseits nationaler Grenzen an: die Beziehung zwischen Mensch und Natur. In der Ausstellung werden historische Meisterwerke den Landschaftsdarstellungen international bekannter Künstlerinnen und Künstler der Moderne und Gegenwart direkt gegenübergestellt (bis 17.1.).

Thu Van Tran und Sharif Waked – Kunsthaus Baselland, Muttenz

Kolonialismus und Dekolonisation in den Werken von Thu Van Tran: «Arirang partition», 2016.
Kolonialismus und Dekolonisation in den Werken von Thu Van Tran: «Arirang partition», 2016.
Foto: Courtesy of the artist and Meessen De Clercq, Brussels

Die Künstlerin Thu Van Tran ist in Vietnam geboren und lebt in Paris. Sie thematisiert in ihrem von Literatur und Geschichte inspirierten Werk Kolonialismus und Dekolonisation. Der Titel der Ausstellung «Novel Without a Title», eine Reverenz an Duong Thu Huongs «Novel Without a Name», bezieht sich auf unser Vermögen, Geschichten und Tragödien zu erzählen und zu überliefern. Parallel dazu zeigt das Museum den palästinensischen Künstler Sharif Waked, der in seinen Werken die Bedeutung des Kunstschaffens und dessen Rezeption im digitalen Zeitalter reflektiert (bis 15.11.).

Ernst Kreidolf – Kunstmuseum Bern

Originalillustrationen zu seinen Büchern: Ernst Kreidolf: «Löwenzahn», 1918.
Originalillustrationen zu seinen Büchern: Ernst Kreidolf: «Löwenzahn», 1918.
Foto: Kunstmuseum Bern, Verein Ernst Kreidolf

Eine Hommage an Ernst Kreidolfs (1863–1956) von wissenschaftlicher Neugier geprägte Naturstudien: Die Ausstellung präsentiert die beeindruckenden Originalillustrationen zu seinen Büchern. Kreidolfs überaus populäre Arbeiten entführen mit ihren anthropomorphen Pflanzen in die Welt des Märchens und des Traums. Mit seinen seit 1898 erschienenen Werken setzte er Massstäbe in der Bilderbuchgestaltung (bis 10.1.2021).

Hans Josephson – Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen

Porträt von Hans Josephsohn.
Porträt von Hans Josephsohn.
Foto: Katalin Deér, Kesselhaus Josephsohn

Der 2012 in Zürich verstorbene Künstler wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Ausgehend von eigenen Beständen zeigt das Museum zu Allerheiligen anlässlich dieses Jubiläums eine umfassende Ausstellung mit Werken von Hans Josephson. Berühmt wurde er für seine blockhaften Skulpturen, in denen er sich in geradezu existenzialistischer Weise mit der menschlichen Gestalt auseinandersetzt. Das Schaffhauser Museum war 1975 eines der ersten Museen, die eine institutionelle Ausstellung des Künstlers organisierten (bis 15.11.).

Julien Charrière – Aarauer Kunsthaus

Julian Charrière: «We Are All Astronauts», 2013.
Julian Charrière: «We Are All Astronauts», 2013.
© Julian Charrière; ProLitteris, Zürich, Photo by Jens Ziehe

Kernstück der Einzelausstellung des jungen Westschweizer Künstlers Julian Charrière ist sein neuer Film mit dem Titel «Towards No Earthly Pole», mit dessen Realisierung der Künstler bereits 2017 begann. Dafür reiste er zu einigen der unwirtlichsten Gegenden unseres Planeten: in die Antarktis, nach Grönland und Island, aber auch in die Schweizer Alpen zum Rhone- und Aletschgletscher oder zum Montblanc (bis 3.1.2021).

Andreas Züst – Kunstmuseum Luzern

Andreas Züst: «Eisbär», aus der Serie Eis, undatiert.
Andreas Züst: «Eisbär», aus der Serie Eis, undatiert.
© Nachlass Andreas Züst, Graphische Sammlung, Schweizerische Nationalbibliothek, Bern

In einer Zeit, in der uns die Gletscher quasi unter den Füssen wegschmelzen, wirken die Fotografien von Andreas Züst, einem im Jahr 2000 verstorbenen Schweizer Fotografen, Maler, Naturwissenschaftler und Mäzen, wie Dokumente von einer untergehenden Welt. Von seinen Reisen in den hohen Norden hat Züst Tausende und Abertausende Bilder von Schnee und Eis mitgebracht, von denen das Kunstmuseum Luzern nun einen exquisite Auswahl ausstellt (bis 22.11.).

Taro Izumi – Museum Tinguely, Basel

Das Theater des Absurden des Japaners Taro Izumi im Museum Tinguely in Basel.
Das Theater des Absurden des Japaners Taro Izumi im Museum Tinguely in Basel.
Foto: Gina Folly

Der japanische Künstler Taro Izumi zeigt sich in dieser Ausstellung als ein Meister der Gegensätze, der Absurdes und Zufälliges auf spielerische und humorvolle Weise in seine Arbeit integriert. Im Museum Tinguely präsentiert er einen Parcours voller Trugbilder und optischer Illusionen: Ein Theater des Absurden (bis 15.11.).

Geta Bratescu – Kunstmuseum St. Gallen

Geta Bratescu: «Frau Oliver in ihrem Reisekostüm», 1980-2012.
Geta Bratescu: «Frau Oliver in ihrem Reisekostüm», 1980-2012.
© Mihai Bratescu, Courtesy of The Estate of Geta Bratescu, Hauser & Wirth and Ivan Gallery Bucharest.

Die Ausstellung umfasst repräsentative Werkserien der rumänischen Künstlerin (1926-2018) und gibt Einblick in über vier Jahrzehnte ihres Schaffens. Im Zentrum stehen Collagen, Zeichnungen und Videos. Basierend auf dem Prinzip der Serie, dem des Aneinanderreihens und des Überlagerns formuliert Geta Bratescu in diesen Medien ihren einzigartigen Zugang zu zentralen Fragen der Abstraktion, dem politischen Potenzial des Bildes und der subjektiven Erfahrung von Erinnerung und Geschichte. Geta Bratescu ist eine der wichtigsten Avantgardistinnen Osteuropas (bis 15.11.).

Lutz & Guggisberg – Kunstmuseum Winterthur

Lutz & Guggisberg in der Ausstellung im Kunstmuseum Winterthur.
Lutz & Guggisberg in der Ausstellung im Kunstmuseum Winterthur.
© 2020, ProLitteris, Zurich

Im Kunstmuseum Winterthur nistet sich das Künstlerduo Lutz & Guggisberg in der Sammlung der Moderne ein und schafft mit seinen Interventionen eine abgründige Parallelausstellung, die den klassischen Kanon der Kunst lustvoll dekonstruiert. Andres Lutz (1968 in Wettingen geboren) und Anders Guggisberg (1966 in Biel geboren) betätigen sich als Künstler geradezu freibeuterisch in unterschiedlichen künstlerischen Feldern wie Installation, Malerei, Fotografie, Textarbeiten, Performances oder Videoarbeiten (bis 10.1.2021).

Im Volksgarten – Kunsthaus Glarus

Carissa Rodriguez: «The Maid» im Kunsthaus Glarus.
Carissa Rodriguez: «The Maid» im Kunsthaus Glarus.
Foto: Carissa Rodriguez

In der Gruppenausstellung «Im Volksgarten» werden verschiedene Formen des In-Besitz-Nehmens von Raum diskutiert. Die Künstler beschäftigen sich in den hier ausgestellten Werken mit Fetischisierung und Begehren. Wie wechseln Objekte und Dinge ihren Status, wenn sie ins Museum kommen? Wie verführen uns diese Dinge? Welche sozialen oder politisch-öffentlichen Bedeutungen bringen wir mit dem Museum in Verbindung? Das Museum müsse sich diesen Fragen stets von Neuem stellen, ohne in institutionskritische Leerläufe zu gelangen, heisst es in der Ankündigung der Ausstellung (bis 29.11.).

Dance Me to the End of Love – Bündner Kunstmuseum Chur

Fritz Langs «Metropolis» (links) und Jean-Frédéric Schnyder «Apocalypso»  im Bündner Kunstmuseum.
Fritz Langs «Metropolis» (links) und Jean-Frédéric Schnyder «Apocalypso» im Bündner Kunstmuseum.
© Bündner Kunstmuseum Chur

Die von Stephan Kunz (Museumsdirektor) und Stefan Zweifel (Übersetzer, Journalist und Ausstellungsmacher) kuratierte Schau geht aus vom Moment der Bewegung und zeigt mit Werken von Jackson Pollock, Willem de Kooning, Jean Tinguely, Rebecca Horn und Daniel Schmid, wie in der Bewegung die gesicherten Grundlagen unseres Lebens aufgelöst werden. Die hinreissende Ausstellung konfrontiert uns mit Liebe und Tod und nimmt ihren Ausgang bei einem Zyklus von 25 Todesbildern, die 1543 nach den berühmten Holzschnitten von Hans Holbein d. J. für das Bischöfliche Schloss in Chur geschaffen wurden. Dieser alte Totentanz ist erstmals nach vielen Jahrzehnten wieder ausgestellt, und zwar im neu eröffneten Domschatzmuseum von Chur (bis 22.11.).