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Auswirkungen auf FilmbrancheAuch SRF-Serie «Wilder» ist von Corona-Massnahmen betroffen

Zahlreiche Filmdreharbeiten werden angehalten und verschobene Kinostarts internationaler Spielfilme könnten Schweizer Produzenten einen Strich durch die Rechnung machen.

Mussten zwei Wochen vor Schluss abgebrochen werden: Dreharbeiten für Staffel 3 von «Wilder» im Januar 2020.
Mussten zwei Wochen vor Schluss abgebrochen werden: Dreharbeiten für Staffel 3 von «Wilder» im Januar 2020.
Foto: Pascal Mora (SRF)

Es fehlten nur fünf Tage, trotzdem musste Michael Steiner den Dreh zu seinem Spielfilm «Und morgen seid ihr tot» im Bundesstaat Rajasthan in Indien vorzeitig abbrechen. Wegen des Coronavirus war eine Weiterführung noch vor Bekanntgabe der Ausgangssperre durch den indischen Premier Modi nicht möglich, sagt Produzent Lukas Hobi von Zodiac Pictures. «Zwanzig Leute mussten nach Zürich zurückkommen.»

Das Kinodrama erzählt die Geschichte des Schweizer Paars Daniela Widmer und David Och, das 2011 von den Taliban als Geiseln genommen wurde. Auch die Drehtage in der Schweiz sind vorerst verschoben. Da der Bundesrat Ansammlungen von mehr als fünf Menschen untersagt, können Filmdrehs derzeit nicht stattfinden.

Das trifft auch die Dreharbeiten zur dritten Staffel der SRF-Serie «Wilder», die zwei Wochen vor Schluss abgebrochen werden mussten. Geplant ist die Ausstrahlung im Januar 2021. Auch verschiedene andere SRF-Produktionen sind derzeit gestoppt.

Die Verschiebung der Dreharbeiten wäre eine ökonomische Katastrophe.

Katrin Renz, Produzentin

Rund ein halbes Dutzend Drehs zu Schweizer Kinofilmen sind aktuell betroffen, darunter Projekte von Michael Koch und Felix Tissi, der nach 12 von 27 Drehtagen abbrechen musste. Die Gotthelf-Adaption «Die schwarze Spinne» ist aufgeschoben, da fast der ganze Dreh in Filmstudios in Ungarn hätte stattfinden sollen. «Wir sind so lange blockiert, bis die Grenzen wieder aufgehen», sagt Regisseur Markus Fischer.

Tellfilm hat den Dreh von Stefan Jägers «Monte Libertà» vom Juni auf Ende August verlegt. Die Produktion des historischen Spielfilms sei sehr aufwendig, so Produzentin Katrin Renz. Vor allem im Szenenbild müsse die Arbeit früh beginnen. Diese findet im Austausch mit den Koproduktionsländern Österreich und Deutschland statt, wo wegen Studioaufnahmen Vorbauten erstellt werden müssen. Aktuell konferiere man über Skype und Zoom. «Wenn die Dreharbeiten in diesem Jahr nicht mehr stattfinden können, wäre das für uns eine ökonomische Katastrophe.»

Bei den Filmtechnikern ist die Situation prekär, viele werden Arbeitslosengeld beziehen müssen.

Sistierte oder aufgeschobene Produktionen, das bedeutet hohe Mehrkosten. Produktionsfirmen hoffen deshalb auf Ausfallentschädigung durch den Bund. Die Massnahme sieht vor, dass auch gewinnorientierte Kulturunternehmen entschädigt werden, wenn ein Projekt abgesagt oder verschoben wird.

Und Kurzarbeit? «Das Instrument ist teilweise sinnvoll, oft aber nicht, weil es gerade bei Unterbrüchen darum geht, danach die Dreharbeiten wieder aufzunehmen», sagt Thomas Tribolet als Vertreter der Filmproduzentenverbände. Bei den Filmtechnikern ist die Situation prekär, viele werden Arbeitslosengeld beziehen müssen.

In Konkurrenz zu James Bond

Derzeit laufen Gespräche zwischen Produzentenverbänden und dem Bundesamt für Kultur, der SRG und regionalen Förderstellen wie der Zürcher Filmstiftung. Die Frage ist, wie Mehrkosten abgefedert werden können, die weder in den Bereich Kurzarbeit noch Arbeitslosenentschädigung fallen. Diskutiert wird offenbar auch, ob Nachfinanzierungen von bereits geförderten Projekten infrage kommen.

Produzent Lukas Hobi rechnet noch in zwei Jahren mit Spätfolgen. Terminpläne müssten neu synchronisiert und Drehorte wieder vorbereitet werden. Die Krise trifft auch Projekte, die im Sommer gedreht werden sollen. Dafür fänden nun Castings statt, die sich nur bedingt über Videokonferenzen durchführen liessen.

Abhängig sind Schweizer Produzenten nicht zuletzt von der internationalen Kinostartliste. Dass der neue James-Bond-Film «No Time to Die» neu im November startet, löst bei Schweizer Verleihern und Produzenten, die das Startdatum für ihre Titel schon länger auf den Spätherbst gesetzt haben, einiges Entsetzen aus. Wer seinen Start nicht verschiebt, wird zerstört. Sicher ist momentan nur eins: Der Kinoherbst wird absolut brutal.

1 Kommentar
    Martin Roth

    Bin selbst kein Fan der ausgeleierten James-Bond-Franchise. Aber die Schweizer Verleiher sollten froh sein, dass es immer noch Filme gibt, die Leute ins Kino locken, die dort sonst nie hingehen. Für das das Publikum, das regelmässig kommt, gibt es trotz James Bond genug Säle, zumindest in Zürich.