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Geldblog: AnlegenAuch bei Anlagefonds kritisch vergleichen

Statt das Geld auf dem Konto liegenlassen, sollte man es in Fonds investieren – doch bei den Gebühren gibt es grosse Unterschiede.

Bescheidenes Anlagevehikel: Mit einer starken Übergewichtung von sicheren Obligationen kann man heute kaum mehr eine vernünftige Rendite erwirtschaften.
Bescheidenes Anlagevehikel: Mit einer starken Übergewichtung von sicheren Obligationen kann man heute kaum mehr eine vernünftige Rendite erwirtschaften.
Illustration: Christina Baeriswyl

Auf meinen Konten liegt ein für Anlagen verfügbarer Betrag von 200000 Franken, den ich sinnvoll und möglichst gewinnbringend investieren möchte. Meine Bank schlägt mir dafür den UBS Suisse 25 oder UBS
Suisse 45 vor. Wie beurteilen Sie diesen Vorschlag?

Leserfrage von W.A.

Der Ihnen von Ihrer Hausbank vorgeschlagene Fonds UBS (CH) Suisse - 25 (CHF) P-dis bietet eine breite Diversifikation und investiert das Kapital in verschiedene Anlageklassen wie Anleihen, Aktien und Immobilien mit Schwerpunkt Schweiz. Zusätzlich wird ein Teil des Geldes breit diversifiziert weltweit in Obligationen und Aktien angelegt. Der Fokus dieses Finanzvehikels liegt auf den Obligationen. Denn der Aktienanteil macht nur gerade 25 Prozent aus. Grösste Positonen des Fonds bei den Aktien sind Roche, Novartis, Partners Group und Zurich Insurance. Der Grossteil der Anlagen fliesst in den Schweizerfranken. Bei Anlagen in Fremdwährungen werden die damit verbundenen Risiken weitgehend abgesichert. Die Risiken bei diesem Fonds halten sich somit einigermassen in Grenzen. Der Fonds ist auch für Leute geeignet, die wenig Risiko eingehen möchten.

Dafür sind auch die Renditechancen sehr bescheiden. Mit einer starken Übergewichtung von sicheren Obligationen kann man heute kaum mehr eine vernünftige Rendite erwirtschaften – erst recht im Schweizer Franken. Viele Anleihen von erstklassigen Franken-Schuldnern bringen keine oder nur noch eine mickrige Rendite. Die Rendite der Bundesobligationen mit zehn Jahren Laufzeit bewegt sich sogar klar im Minus. Man verliert also Geld.

Obwohl die Vehikel breit diversifiziert sind, tragen Sie mit nur einem einzigen Fonds aus meiner Sicht ein erhöhtes Klumpenrisiko.

Auch mit dem zweiten, Ihnen von Ihrer Hausbank vorgeschlagenen Fonds, dem UBS (CH) Suisse - 45 (CHF) P-dis, liegt nicht sehr viel Rendite drin. Der Fonds unterscheidet sich nur wenig vom ersten, weist aber einen
höheren Aktienanteil von 45 Prozent auf, was die Renditechancen immerhin deutlich erhöht. Die grössten Aktienpositionen sind gleich. Das Anlagerisiko allerdings aufgrund der stärkeren Aktiengewichtung höher. Ebenfalls höher sind bei diesem Fonds die Gebühren: Diese betragen pro Jahr stolze 1,48 Prozent. Beim UBS (CH) Suisse - 25 (CHF) P-dis sind es 1,33 Prozent. Dies geht von Ihrer Rendite ab.

Wenn Sie stattdessen einen Indexfonds oder einen Exchange Traded Fund (ETF) nutzen würden, wären die verrechneten Gebühren pro Jahr lediglich maximal bei einem Viertel bis einem Drittel je nach Ausgestaltung des Instruments. Ich würde nicht das ganze Geld nur in einen oder zwei Fonds investieren. Obwohl die Vehikel breit diversifiziert sind, tragen Sie mit nur einem einzigen Fonds aus meiner Sicht ein erhöhtes Klumpenrisiko: Selbst wenn ein Fonds gut geführt ist, kann er mal eine schlechte Phase haben. Darum würde ich auch bei den Fonds diversifizieren und auf unterschiedliche Vehikel und Strategien setzen.

Ich würde mir von Ihrer Hausbank einen Alternativvorschlag auf Basis von mehreren Indexfonds unterbreiten lassen sowie zusätzlich Anlagevorschläge von anderen Banken einholen. Dann können Sie sowohl bei der Strategie als auch bei den Gebühren vergleichen. Immerhin geht es für Sie um einiges Geld. Wichtig ist, dass Sie möglichst genau wissen, was Sie wollen. Wie wichtig ist für Sie ein Ertrag? Und welchen Anlagehorizont haben Sie? Je nach Antwort sieht der Anlagevorschlag anders aus. Wenn Sie das Geld während fünf bis zehn Jahren sicher nicht brauchen, können Sie mehr Risiko eingehen als wenn Sie das Geld bereits in zwei Jahren wieder benötigen. In erster Linie aber müssen Sie sich genau überlegen, wie viel Risiko Sie mit Ihrem Geld tragen wollen und können. Denn am Schluss sind Sie es, der das Anlagerisiko trägt und auch mit mehr oder weniger starken Kursschwankungen leben muss.

1 Kommentar
    Thomas Rupper

    Heutzutage stehen erstklassige digitale Vermögensverwaltungen mit tiefen Gebühren zur Verfügung (Yova, TrueWealth etc.), bei denen Risikobereitschaft und Anlagetypen selbst zusammengestellt und auch angepasst werden können. Sie können auch festlegen, dass sie nur in nachhaltige Anlagen investieren. So können sie in zukunftsfähige Technologien investieren und sind nicht so stark den unterschätzten Risiken der Klimakrise ausgesetzt.