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Film über Marie CurieAtombomben und radioaktive Zahnpasta

Die Regisseurin Marjane Satrapi erzählt in ihrem neuen Film «Radioactive» von einer Jahrhundertforscherin und den schrecklichen Folgen ihrer Entdeckung.

 Ihre Entdeckung lässt Marie Curie (Rosamund Pike) nicht einmal im Bett los.
Ihre Entdeckung lässt Marie Curie (Rosamund Pike) nicht einmal im Bett los.
Screenshot: «Radioactive»

Ihr Name ist bekannter als der ihres ebenfalls genialen Mannes – das ist schon eine Seltenheit in der Geschichte, besonders in der Wissenschaftsgeschichte. Marie Curie, 1867 als Maria Sklodowska in Polen geboren, gilt bis heute als eine – grün fluoreszierende – Lichtgestalt der modernen Physik und Chemie.

Die Regisseurin Marjane Satrapi wagt sich in ihrem neuen Film «Radioactive» gemeinsam mit den beiden Hauptdarstellern Rosamund Pike und Sam Riley an eine Verfilmung des Lebens der polnischen Wissenschaftlerin, die sich Ende des 19. Jahrhunderts als Frau und Ausländerin auf ihrem Feld beweisen musste.

Curies Entdeckung der beiden Elemente Polonium und Radium brachte ihr zwei Nobelpreise ein und zog im Positiven wie Negativen ungeahnte Konsequenzen nach sich. 1945, elf Jahre nach ihrem Tod, traf die erste amerikanische Atombombe – aufbauend auf den Forschungen des Curie-Ehepaars – auf Hiroshima. 70’000 bis 80’000 Menschen waren sofort tot.

Eine gemeinsame Liebe

«Es ist Frau Curie: Sie ist sehr schwach!» Ihr Leben lang wehrte sie sich dagegen, ins Krankenhaus zu gehen, nun verbringt sie ihre letzten Stunden hier. Erinnerungen blitzen vor ihrem geistigen Auge auf.

Forschungspartner und Eheleute: Pierre und Marie Curie verhelfen einander zum wissenschaftlichen Durchbruch.
Forschungspartner und Eheleute: Pierre und Marie Curie verhelfen einander zum wissenschaftlichen Durchbruch.
Screenshot: «Radioactive»

Wenige Jahre nach ihrer Ankunft in Paris lernt Marie ihren künftigen Ehemann Pierre Curie kennen. Anfänglich lediglich durch berufliche Interessen verbunden, kommen die beiden einander schliesslich näher und heiraten. Die Begeisterung für die Naturwissenschaften zieht sich durch die Ehe und bricht selbst nach der Geburt der beiden Töchter Irène und Ève nicht ab.

Strahlende Neuentdeckung

Nach vier Jahren und der Verarbeitung einer Tonne Pechblende stiess das Ehepaar schliesslich auf gleich zwei Elemente, die die Welt der Wissenschaft revolutioniert hat. Im Film trägt Curie stets ein kleines Fläschchen radioaktives, giftgrün leuchtendes Material mit sich herum. Selbst im Bett ist die Phiole nie fern.

Nach und nach macht sich die schädliche Wirkung der radioaktiven Elemente bemerkbar, doch es scheint bereits zu spät zu sein, um zu reagieren: Radioaktive Schokolade, Zahnpasta und Streichhölzer überfluten mittlerweile den Markt.

Kommerzielle Wissenschaft: Radioaktive Zahncreme und Radium-Schokolade sind der letzte Schrei.
Kommerzielle Wissenschaft: Radioaktive Zahncreme und Radium-Schokolade sind der letzte Schrei.

Die Regisseurin experimentiert mit einer ungewöhnlichen Erzählstrategie. Immer wieder weben sich zukünftige Ereignisse in die Lebenszeit der Curies mit ein. Die Verbindungslinie zwischen den Atombomben-Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki, dem Atomunglück in Tschernobyl und den Forschungserfolgen Marie Curies werden deutlich aufgezeigt.

Doch die Erzählweise ist auch immer wieder sehr hastig. So lässt die Regie den Zuschauer teilweise auf der Strecke und erlaubt keine tiefere Identifikation mit der Hauptfigur. Wenn Liebesszenen zwischen Pierre und Marie nach Art eines Kunstfilms zeiteffizient nur kurz angespielt werden und sich in den sich umarmenden Schatten des Paares verlieren, erhält der Film eine unpassend kitschige Note.

Trotzdem bietet «Radioactive» gute Unterhaltung und einen Überblick über das Leben einer aussergewöhnlichen Frau. Besonders die schauspielerische Leistung Pikes und Rileys machen den Historienfilm sehenswert.

«Radioactive» ist ab 16. Juli 2020 im Kultkino Camera in Basel zu sehen.

2 Kommentare
    Paul K. Tanner-Imboden

    Das verstehe ich nicht abschliessend, was hier geschrieben wird. Die Curies haben zwei neue chemische Elemente entdeckt, die radioaktiv sind, d.h. sie zerfallen spontan, ohne äussere Einflüsse, und unter Aussendung von ionisierender Strahlung. In dem Zusammenhang spricht man von natürlicher Radioaktivität. Die Curies haben aber nicht die Kernspaltung entdeckt, womit sich mir der Zusammenhang ihrer Entdeckung und den schrecklichen Folgen (namentlich Hiroshima und Tschernobyl) nicht kundtut. Hoffentlich ist es dennoch ein interessanter Historienfilm.