Hausbesitzer wehrt sich gegen Solaranlage

In Basel muss die Hälfte der benötigten Energie für Boiler aus erneuerbaren Quellen stammen. Aber längst nicht alle Hausdächer sind geeignet für Sonnenkollektoren.

Dachausrichtung nicht optimal: Thermische Solaranlage auf einem Haus in Riehen (Symbolbild).

Dachausrichtung nicht optimal: Thermische Solaranlage auf einem Haus in Riehen (Symbolbild).

(Bild: IWB)

Martin Regenass

Der Einbau von neuen Boilern oder an Boiler gekoppelten Heizungen in Liegenschaften hat sich in den letzten Jahren stark verteuert. Grund ist das kantonale Energiegesetz aus dem Jahre 2009. Es schreibt vor, dass mindestens 50 Prozent Energie für Boiler aus einer erneuerbaren Energiequelle wie Holzpellets, Erdwärme oder thermischer Solarenergie stammen müssen.

Einem Hausbesitzer in Basel, der seine Ölheizung aus Altersgründen durch eine Gasheizung ersetzen will, entstehen aufgrund des Gesetzes Mehrkosten in der Höhe von rund 16'000 Franken. Neben der neuen Heizung im Wert von 27'000 Franken ist er verpflichtet, auf dem Dach eine thermische Solaranlage für den Betrieb eines Solarboilers zu bauen. Da der Einfamilien­hausbesitzer beim Staat rechtzeitig Fördergelder für die Solaranlage angefordert hat, erhält er rund 6000 Franken zurückerstattet.

Jürg Hofer, der Leiter des Amts für Umwelt und Energie (AUE), spricht bei dem Gesetz von «notwendigem sanftem Druck», da der Anreiz der Fördergelder allein bis anhin keine Wirkung zeigte.

Energieaufwand höher als Einsparungen

Nun hat der Hausbesitzer beim AUE Einsprache gegen die Solaranlage eingereicht – er möchte seine Ölheizung ohne die 50-Prozent-Regel ersetzen. In einem Brief an die Behörde schreibt er: «Da die Dachausrichtung und die Beschattung durch Nachbargebäude und Bäume die solare Effizienz schmälern, beträgt die effektive Ausbeute eher dreissig als fünfzig Prozent.»

Es stelle sich auch die Frage nach der grauen Energie. So müssten für die Montage der Anlage ein Baugerüst aufgestellt, ein Kranwagen angefordert und viele Lastwagenfahrten getätigt werden. Insgesamt könnte der Energieaufwand höher sein als die Energieeinsparungen, welche die Anlage in ein paar Jahrzehnten bringe, moniert der Hausbesitzer.

Geringer Ertrag im Winter

Der Hauptpunkt sei aber, dass im Winter die Sonne wenig scheine und damit ein Solarboiler keinen Sinn mache. Das sei eher im Sommer der Fall, aber dann brauchten die Menschen im Mehrfamilienhaus kaum Warmwasser. «Das Potenzial bleibt ungenutzt.»

Das AUE geht in der abschlägigen Antwort mit dem Hausbesitzer einig, dass der Warmwasserertrag aus dem Solarboiler in den Wintermonaten normalerweise gering ist. Da aber die thermischen Solaranlagen auf Frühling und Herbst optimiert würden, sei der Warmwasserüberschuss im Sommer beabsichtigt. Diese Faktoren seien im Jahresmittel der angestrebten 50 Prozent berücksichtigt.

Zwar sei die Dachausrichtung nicht optimal, schreibt das AUE, dies falle allerdings kaum ins Gewicht. Bezüglich der grauen Energie hält das AUE fest, dass diese in einer thermischen Solaranlage innerhalb von zwei Jahren amortisiert sei.

50 Prozent nicht immer erreichbar

Andreas Zappalà, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands Basel-Stadt, kennt die Problematik mit nicht ideal auf die Sonne ausgerichteten Dächern. «In manchen Fällen kann man die vorgeschriebenen 50 Prozent mit einer thermischen Anlage nicht erreichen.» Dann seien die Einsparungen an fossilen Brennstoffen gering. «In solchen Fällen sind die Mehrkosten für den Bau der Anlage unverhältnismässig und es steckt dann viel Idealismus dahinter, wenn man die Investition tätigt, ohne zu opponieren», sagt Zappalà.

Heizungen und zentrale Boiler von rund 15 kleineren Mehrfamilienhäusern hat die Immobilienfirma Gribi Theurillat seit Inkrafttreten des Gesetzes bereits ausgewechselt. «Wir haben allerdings noch keine Erfahrungswerte, wie hoch die Einsparungen bei thermischen Solaranlagen gegenüber fossilen Brennstoffen sind», sagt Immobilienbewirtschafter Dieter Ruf.

Laut Zappalà zeigten sich die Hausbesitzer vereinzelt überrascht, wenn sie von den Mehrkosten für die Heizung erfahren: «Dass man im Energiebereich aber etwas tun muss, ist angekommen.» Offen sei die Frage nach weiteren Kosten und erzielter Energiebilanz, wenn der Hausbesitzer die Anlage in 20 bis 30 Jahren erneuern müssen.

Basler Zeitung

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