Orthopädie-Chefarzt Marcel Jakob verlässt das Unispital Basel

Die Position des öffentlich-rechtlichen Spitals wird nach der Bauchchirurgie nun auch in einer weiteren Kerndisziplin geschwächt. Mit der Spitalfusion wäre dies nicht passiert.

In der Branche ist Jakobs Wechsel zur privaten Crossklinik seit Wochen ein offenes Geheimnis, wie diverse Gespräche zeigen.

In der Branche ist Jakobs Wechsel zur privaten Crossklinik seit Wochen ein offenes Geheimnis, wie diverse Gespräche zeigen.

(Bild: Roland Schmid)

Joël Hoffmann

Das Nein des Basler Stimmvolks zur Fusion von Unispital Basel und Kantonsspital Baselland (KSBL) zeigt erste negative Auswirkungen für Basel. Orthopädie-Chefarzt Marcel Jakob verlässt das Unispital.

In der Branche ist Jakobs Wechsel zur privaten Crossklinik seit Wochen ein offenes Geheimnis, wie diverse Gespräche zeigen. Brisant sei weniger die Personalie als solche als vielmehr die Bedeutung: Das Unispital gerät nach der Bauchchirurgie nun auch in der Orthopädie im Vergleich mit der Konkurrenz weiter ins Hintertreffen.

Das ist brisant, denn: Mittelfristig ist das Unispital auf Kooperationen in der Orthopädie angewiesen. Doch statt eine Führungsfunktion zu haben, wird das grösste Basler Spital gegenüber möglichen Partnern wie der Merian-Iselin-Klinik oder dem KSBL zum Bittsteller – mit noch schlechteren Karten als vorher.

Folgenschwere Entlassung

Das Unispital schwächelte bereits bei der Bauchchirurgie und musste, um die Spitzenmedizin halten zu können, mit dem Claraspital unter dem Firmendach Clarunis zusammengehen. Das gemeinnützige Privatspital stellt den Chefarzt und hält 55 Prozent der Anteile an Clarunis, hat also mehr zu sagen als das Unispital.

Zurück zur eigentlich boomenden Orthopädie. Deren Niedergang am Unispital begann 2014, als die Spitalleitung den weltweit angesehenen Chefarzt Victor ­Valderrabano entliess. Ihm wurden zu Unrecht Betrug und Ur­kundenfälschung vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft 2016 feststellte.

Machtkampf

Unter Ärzten sei die Entlassung Folge eines Machtkampfs zwischen Chefärzten und Spitalleitung um die Verwendung von Überschüssen aus der Behandlung von Privatpatienten gewesen. Die Spitalleitung hingegen ist noch heute überzeugt, Valderrabano zu Recht auf die Strasse gestellt zu haben.

Doch mit seinem Abgang verlor das Unispital internationale ­Ausstrahlung. Es folgten einige Abgänge von Kaderärzten und Patienten, und schliesslich wurden die Abteilungen Orthopädie und Traumatologie zusammengelegt. Der Traumatologie-Chef Marcel Jakob wurde Chefarzt für beide Disziplinen.

Nein zur Spitalfusion

Diese Schwäche nutzte das KSBL aus und plante ein Orthopädie-Zentrum auf dem Bruderholz. Schliesslich spannten 2015 beide Häuser zusammen und planten eine Fusion.

Das Unispital hätte die ge­samte Orthopädie auf dem Bruderholz konzentriert. Die Basler verzichteten jedoch wegen der vermeintlich gemeinsamen Zukunft für die letzten vier Jahre auf die Aufrüstung am Standort Basel. Das rächt sich nun mit dem Volks-Nein zur Spitalfusion.

Ausbildung geschwächt

Das Unispital als Ausbildungs­spital und die Medizinische Fakultät der Uni sind mit dem ­Abgang des Professors Jakob geschwächt. Ein natürlicher Partner für eine quantitativ und qualitativ hohe Ärzteausbildung und eine längerfristig hochstehende Behandlung ohne Unterbruch wäre das KSBL. Auch die Basler Merian-Iselin-Klinik, die gemeinnützig organisiert ist, wäre an einer Kooperation interessiert.

Das Unispital nennt auf Anfrage keine Gründe für Jakobs Kündigung. Dieser wird die Klinik per Ende Juli verlassen. Für die Suche nach einer Nachfolge für ­Jakobs Stelle an der Klinik und der Medizinischen Fakultät rechnet das Spital mit zwei Jahren. Ad interim wird der jetzige stellvertretende Chefarzt Daniel Rikli die Orthopädie-Klinik leiten.

Spitalsprecher Thomas Pflu­ger bestätigt, dass Kooperationen in der Region Nordwestschweiz «tatsächlich eine Option für das Unispital» seien. Vertrauliche Gespräche mit potenziellen Partnern fänden bereits statt.

Basler Zeitung

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