Die Notre-Dame von Basel

Das Museum Kleines Klingental zeigt in einer Ausstellung die Baugeschichte des Münsters von 1019 bis 1500.

Kirchenmodell der Statue Kaiser Heinrichs II. vom Westportal des Münsters.

Kirchenmodell der Statue Kaiser Heinrichs II. vom Westportal des Münsters.

(Bild: Walter Derungs)

Das Jahr war gut gewählt: Im Juli 1500 setzte der Münster­baumeister als letzte Handlung die Kreuzblume auf den Martinsturm der Kathedrale. Der Bau war fertig. Gleichzeitig hatte er jene Form erreicht, in der wir ihn heute noch kennen.

Über 500 Jahre ist das her. Doch die Baugeschichte des ­Basler Münsters reicht viel weiter zurück. Ursprünglich stand sogar bereits um 800 herum dort, wo sich heute das Münster befindet, eine karolingische Kathedrale, die unter Haito, dem Abt der berühmten Klosterinsel Reichenau, entstanden war. Doch den eigentlichen Eckpunkt in der Geschichte dieses Sakralbaus setzte Kaiser Heinrich II., als er im Jahr 1019 die ottonische, unter Bischof Adalbero II. entstandene Basler Kathedrale weihte – zu Ehren der heiligen Maria. Damit kann man das Münster eigentlich als Notre-Dame von Basel bezeichnen.

Das Museum Kleines Klingental, das in seiner Dauerausstellung die originalen romanischen und gotischen Münsterskulp­turen zeigt, stellt nun in einer Sonderschau, finanziert von der Stiftung Pro Klingentalmuseum, die Baugeschichte des Münsters von 1019 bis 1500 vor und bezieht dabei logischerweise ausgewählte Objekte seiner Sammlungs­bestände mit ein. Unter der Kuratorin Caroline Schärli ist eine Schau entstanden, die sich wie ein Buch, Seite um Seite, öffnet. Das zeigt sich auch in der szenischen Darstellung.

Einzigartige Kapitelle

Die Baugeschichte des Münsters gliedert sich grob in drei Phasen und damit auch in drei verschiedene Bauten: Zuerst ist da das Heinrichsmünster von 1019, dann folgt ein spätromanischer Neubau mit fünf Türmen. Und nach dem Erdbeben von 1356 kommt der Wiederaufbau, in dem spätromanische Teile des Vorgängerbaus mit gotischen Ergänzungen verschränkt werden – mehr oder weniger das Münster von heute.

Zahlreiche originale Objekte und Kopien illustrieren dies detailreich. Fussbodenfragmente des Heinrichsmünsters sind ebenso zu sehen wie farbige Stuckfragmente. Einzigartige Kapitelle und Reste des reich geschnitzten Chorgestühls aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts finden sich neben alten Glasscheiben und einem neuen, weissen Modell des Heinrichsmünsters. Und sogar Fragmente des im Laufe der Reformation zerstörten, gegen zehn Meter hohen Sakramentshauses sind zu sehen.

«Das Basler Münster – ein Jahrtausendbau» im Museum Kleines Klingental: bis 16. Februar 2020.www.mkk.ch

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt