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Menschen helfen Menschen Armut kann alle treffen

Ein schöner Zufall: Der 44. Schappo-Preis geht an den Treffpunkt Glaibasel. Die Basler Institution gibt es seit 44 Jahren.

Der Treffpunkt Glaibasel engagiert sich seit 44 Jahren für Menschen, die Hilfe brauchen.
Der Treffpunkt Glaibasel engagiert sich seit 44 Jahren für Menschen, die Hilfe brauchen.
Foto: Armin Roth

«Jede siebte Person in unserem Land ist armutsgefährdet. Und mit der Armut kommt Einsamkeit. Armut ist jung und alt, Frauen sind stärker betroffen als Männer, aber Männer werden öfter obdachlos. Das Coronavirus hat die Lage der Menschen, die von Armut betroffen sind, verschärft. Deshalb freue ich mich besonders, dass der Treffpunkt Glaibasel mit seinen kostenlosen Angeboten den Schappo erhält.» Die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann sprach am Donnerstagabend im Rossstall der Kaserne vor einem maskierten Publikum, dies aus Sicherheitsgründen. Eigentlich hätte der Preis schon im Mai verliehen werden sollen. Doch das Virus hat die Veranstaltung verschoben.

Die Institution, die den 44. Preis des Kantons Basel-Stadt für Engagement im Alltag erhalten hat, wirkt nun seit 44 Jahren. Dass die Zahlen übereinstimmen, sei «ein lustiger Zufall», sagt Daniel Brunner, Präsident der Schappo-Expertenkommission. Getragen wird der Treffpunkt Glaibasel von einem einfachen Gedanken: Menschen treffen Menschen, helfen ihnen, engagiert und unkompliziert. 23 Freiwillige, Frauen und Männer, wirken im Treffpunkt. Einige von ihnen bringen dabei ihre Fachkompetenzen ein, seien es juristische, kaufmännische, medizinische oder gastronomische. Andere helfen tatkräftig in allen Belangen und bringen zwei wichtige Qualitäten mit: Menschlichkeit und Zeit.

Bunte Schar

Die Institution betreibt einen kostenlosen Mittagstisch, der wegen Corona zum Take-away mutierte – und seit dem Lockdown mehr Menüs herausgibt als jemals zuvor. Gleichzeitig hilft sie Armutsbetroffenen in allen Lebenslagen. Die Basler Nationalrätin Sibel Arslan unterstreicht in ihrer Rede die Bedeutung administrativer Hilfe: Leute, die kaum wüssten, wie sie ihren Alltag bewältigen sollen, müssten wegen ihrer Situation einer belastenden, stetig wachsenden Bürokratie standhalten. Die Arbeit des Treffpunkts würde «ziemlich präzise» auf die Missstände in unserer Gesellschaft hinweisen.

Wenige Organisationen, die auf unbezahltes Engagement bauen, überdauern Jahrzehnte. Oft entstehen sie aus einer momentanen Dynamik heraus, die einem Personenkreis entwächst; die Energie reicht für einige Jahre, und sie werden dann von den Lebensläufen weggespült. Nicht der Treffpunkt. Er hat es geschafft, stetig neue Generationen von Helferinnen und Helfern zu gewinnen – und es ist eine gemischte Schar, die sich hier einsetzt, sowohl altersmässig als auch von den Biografien her.

Guter Musikgeschmack

Das Schöne an der Sache ist, dass ehemalige Klientinnen und Klienten des Treffpunkts öfter einmal die Seite wechseln und sich der freiwilligen Arbeit widmen. Dies ist wahrlich eine besondere Qualität, vor der unser Kanton zu Recht den Hut zieht. Das Innenleben des Angebots beschreibt Ursula Sigrist, die sich seit fünf Jahren dort engagiert, klipp und klar: «Mir ist besonders wichtig, dass alle Menschen vorbehaltlos mit Respekt und Würde willkommen geheissen werden – ohne Zwang und ohne Verpflichtungen.»

Der kulturelle Teil des Anlasses wurde gemäss den Wünschen des Treffpunkts gestaltet. Das Duo Miris aus Winterthur, es besteht aus der Saxofonistin Franziska Heusser und dem Sänger und Tastenmann Orhan Ajvazovic, musiziert an der Grenze zwischen Balkan-Sound und Jazz: Musik, die zu Herzen geht, seelenvoll, mit viel Swing und hoher Musikalität, fröhliche, melancholische, tieftraurige Lieder und Balladen, vorgetragen von einer umwerfenden Stimme, die stets im Dialog mit einem kraftvoll swingenden, melodienstarken Saxofon steht. Der Virtuose Awdil Shakar kennt den Treffpunkt aus eigener Erfahrung, er spielte eine siebenseitige Bassgitarre – ohne Bünde, aber mit einem Tonabnehmer ausgestattet. Sein Solobeitrag war unglaublich, geprägt von entrückter Schwerelosigkeit, die sich auf einem Boden aus unglaublich solider Technik entfaltet. Die Leute vom Treffpunkt sind also nicht nur engagiert, sie haben auch einen guten Musikgeschmack.