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Geldberater: Der Marktschrei(b)erArbeitsvermittler Adecco setzt auf Technologie-Jobs

Hoffen auf ein Corona-Medikament von Molecular Partners +++ Rieter-Aktien mit Erholungspotenzial +++ Autoneum ist zuversichtlich +++ Also wird endlich verstanden.

Jobsuche: Adecco will weniger abhängig vom konjunkturellen Auf und Ab werden.
Jobsuche: Adecco will weniger abhängig vom konjunkturellen Auf und Ab werden.


Foto: Gaetan Bally/Keystone

Adecco: Abwarten

Als global tätiger Stellenvermittler hat Adecco bei einem Wirtschaftseinbruch weniger Arbeit. So ist es auch in der aktuellen Krise – mit sichtbaren Folgen für den Aktienkurs. Zwischen Januar und März ging er fast 50 Prozent nach unten, dann wieder steil nach oben. Mittlerweile lautet die Jahresbilanz minus ein Zehntel. Bei den grössten Konkurrenten Manpower und Randstad sieht es praktisch gleich aus. Ich mag solche stark schwankenden Aktien eigentlich nicht. Aber Adecco schickt sich nun an, weniger abhängig vom konjunkturellen Auf und Ab zu werden und somit auch die Wettbewerber hinter sich zu lassen. Gelingen soll das mit einem stärkeren Fokus auf Ausbildungen und Talententwicklungen. Das ist ein relativ stabiles und vor allem sehr profitables Geschäft. Zweites Wachstumsfeld wird eine Beratungsplattform für Technologiejobs. Weniger Gewicht erhält die herkömmliche Vermittlung von Temporärjobs – höchste Zeit wegen digitaler Konkurrenten wie Linkedin. Gelingt diese Transformation, gewinnen die Adecco-­Aktien an Attraktivität. Denn eines bleibt gleich: die vergleichsweise hohe Dividende. Abwarten

Molecular Partners: Dosiert kaufen

Das Biotechunternehmen Molecular Partners stellt mit einer an der Uni Zürich entwickelten Technologie synthetisch antikörperähn­liche Moleküle her, sogenannte Darpins. Es sind Schlüssel, die an Zellen andocken und so bestimmte Prozesse ein- oder ausschalten. Molecular findet für ein bestimmtes Problem schneller als andere passende Schlüssel. Es testet dazu seine riesige Bibliothek an Darpins, etwa an Krebszellen – oder eben auch am Coronavirus. Das hat Novartis auf den Plan gerufen, die sich die Vertriebsrechte sichern. Der Wirkstoff soll erkrankten Patienten verabreicht werden, aber auch prophylaktisch zum Einsatz kommen. Am 17. Dezember gibt das Unternehmen bekannt, was es damit anstellen will. Ausserdem präsentiert es erste Daten zu den Tests an Menschen, was erst im November begonnen hat. Treten keine bedenklichen Nebenwirkungen auf, und überzeugen die zusätzlichen Vorhaben Molecular, dann könnte beides dem Aktienkurs Schub verleihen. Wenn nicht, dann ist mit empfindlichen Verlusten zu rechnen. Für mich ist die Aussicht auf ein Schweizer Corona-Medikament eine kleine Spekulation wert. Dosiert kaufen

Rieter: Kaufen

Die Aktien des Winterthurer Spinnmaschinenherstellers Rieter haben den Besitzern keine Freude gemacht. Sie notieren auf langjährigen Tiefkursen – und das nicht erst seit Corona. Die Nachfrage nach Spinnausrüstungen ist schon seit 2018 rückläufig, Corona hat den Abwärtstrend verlängert und verstärkt. Doch Rieter konnte seinen Marktanteil von rund 30 Prozent halten. 2020 wird ein hoher Verlust resultieren, was das Unternehmen dank der gut dotierten Bilanz verkraften kann. Am nächsten Aufschwung wird Rieter meiner Meinung nach wohl überproportional partizipieren, denn dank konstant hoher Ausgaben für Forschung und Entwicklung ist das Maschinen- und Serviceangebot auf dem neusten Stand. Und Corona dürfte dazu geführt haben, dass die Erneuerung des Maschinenparks bei vielen Kunden hinausgeschoben worden ist, was Potenzial in der Zukunft schafft. Als Langfristanlage halte ich die Aktien aber für wenig attraktiv. Zu heftig sind die Zyklen und zu gering das langfristige Marktwachstum. Innerhalb von zwei bis drei Jahren bieten sie aber einiges ­Erholungspotenzial. Kaufen

Autoneum: Dosiert kaufen

Ganz anders die Kursentwicklung beim ehemaligen Rieter-Spin-off Autoneum. Die Aktien des Automobilzulieferers erfreuen die Anleger – der Kurseinbruch vom März ist mehr als verdaut. Das mag auf den ersten Blick überraschen: Die Autoindustrie hat durch die Corona-Pandemie einen empfindlichen Schlag abbekommen. Hinzu kommen bei Autoneum noch weitere Probleme: Das Geschäft in den USA war von Missmanagement geprägt, die finanzielle Situation ist weiterhin nicht gerade gemütlich. Doch jetzt gibt es erfreuliche Zeichen. Das Unternehmen bestätigt in seiner Einschätzung des Geschäftsjahrs 2020, was sich bislang anhand von Marktdaten und Aussagen bloss hat erahnen lassen: dass sich die weltweite Automobilproduktion seit Sommer über Erwarten gut erholt und Autoneum an dieser Erholung partizipiert. Vor allem die schneller als erwartete Erholung der Profitabilität hat mich erstaunt. Das gute Cashmanagement stimmt ebenfalls zuversichtlich. Die Aktien bleiben konjunkturanfällig und risikoreich. Dosiert kaufen

Also: Kaufen

Also, ehemalige Tochter des Schindler-Konzerns, blieb lange unter dem Radar an der Schweizer Börse. Das lag vor allem an den beiden Grossaktionären Schindler und der deutschen Droege Group. Dadurch war die Zahl der frei handelbaren Aktien gering – zu gering für viele Investoren. Vor vier Jahren hat Schindler sich verabschiedet. Also galt trotzdem weiter als Underdog. Viele Anleger haben das Geschäftsmodell des Unternehmens noch nicht verstanden: Der Distributor sorgt vor allem dafür, dass IT-Güter von A nach B kommen. So weit, so langweilig. Unter Führung von Chef Gustavo Möller-Hergt ist Also heutzutage aber viel mehr als ein Kistenschieber. Das Unternehmen besetzt inzwischen viele Zukunftsfelder wie Dienstleistungen aus der Cloud. Spätestens 2020, im Jahr der Pandemie, haben viele die Story von Also verstanden. Seit Anfang Jahr liegen die Papiere mehr als 40 Prozent im Plus. Dank des straffen Managements und des Trends zur Digitalisierung in etlichen Branchen sollte der positive Trend noch eine Weile anhalten. Kaufen

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung.

1 Kommentar
    Rene Wetter

    Das mit Adecco ist interessant. Sie schreiben Stellen in der Technik aus die gar nicht existieren. Ständig die gleichen Profile seit Monaten das gleiche Inserat. Vielleicht sollten die bei den Temporärjobs bleiben.