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Sie heisst jetzt «Rockefeller»Arbeiter findet Eule in New Yorks bekanntestem Weihnachtsbaum

Drei Tage lang harrte ein Sägekauz in der Fichte aus, ehe er entdeckt wurde. Nun soll er wieder freigelassen werden.

In einem Karton wurde die Eule den Tierpflegern vom Ravensbeard Wildlife Center übergeben.
In einem Karton wurde die Eule den Tierpflegern vom Ravensbeard Wildlife Center übergeben.
Foto: Facebook 
Die Eule war offenbar in einem hungrigen und dehydrierten Zustand, als sie abgegeben wurde.
Die Eule war offenbar in einem hungrigen und dehydrierten Zustand, als sie abgegeben wurde.
Foto: Ravensbeard Wildlife Center/AP/Keystone 
Sobald es «Rockefeller» wieder gut geht, soll er in die Wildnis freigelassen werden.
Sobald es «Rockefeller» wieder gut geht, soll er in die Wildnis freigelassen werden.
Foto: Facebook 
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«Owl I want for Christmas» titelte der «Guardian» die Meldung über eine Eule, die am Mittwoch im Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller-Center in New York gefunden wurde. Ein Wortspiel zum Weihnachts-Hit «All I Want For Christmas Is You» von Mariah Carey. Tatsächlich ist es fast ein Weihnachtswunder, dass die Eule so lange überlebt hat.

Ein Arbeiter entdeckte das kleine Tier bei der Installation der Fichte. Er übergab es in einem Karton den Tierpflegern des Ravensbeard Wildlife Center. «Wir gaben ihr etwas zu trinken und so viele Mäuse, wie sie verputzen konnte. Es ist drei Tage her, seit sie das letzte Mal etwas zu essen oder trinken gehabt hatte», schrieb die Organisation in einem Post auf Facebook.

Bei der Eule handelte es sich den Experten zufolge um einen Sägekauz. «Es sind die kleinsten Eulen, die wir im Nordosten haben», schrieb die Organisation. Die Tiere werden in der Regel nur zwischen 17 und 21 Zentimeter gross. Passend zum Fundort wurde die kleine Eule «Rockefeller» getauft.

Mit dem Baum mitgereist oder eingeflogen?

Wie Rockefeller in den Baum gekommen ist, ist jedoch unklar. Dass sie mit dem Baum vom 270 Kilometer entfernten Onenata, wo er gefällt wurde, mitgereist war, scheint laut EB Kelly eher unwahrscheinlich. Sie ist die Geschäftsleiterin des Immobilienunternehmens Tishman Speyer, welches das Rockefeller Center verwaltet. Die Arbeiter seien für gewöhnlich vorsichtig und untersuchten den Baum nach Tieren, bevor sie ihn wegtransportierten, meinte sie gegenüber der «New York Times». Die Eule sei wahrscheinlich von Manhattan aus zum Baum geflogen, meinte Kelly.

Eine kleine Eule erholt sich in einem New Yorker Wildtierzentrum, nachdem sie im Weihnachtsbaum des New Yorker Rockefeller Center gefunden wurde.
Video: Ravensbeard Wildlife Center

Ellen Kalish vom Ravensbeard Wildlife Center glaubt hingegen durchaus, dass sie mit dem Baum hergereist war. Die Eule sei sehr hungrig und dehydriert gewesen, als sie bei ihnen ankam. Inzwischen gehe es ihr den Umständen entsprechend gut. «Ihre Augen sind hell und scheinen nach allem, was sie durchgemacht hat, in relativ gutem Zustand zu sein.» Sobald sie in einem genügend guten Gesundheitszustand sei, werde sie wieder freigelassen.

«Diese Eule ist ausgewachsen und damit fähig, neues Territorium zu finden», heisst es auf der Facebook-Site des Ravensbeard Wildlife Center. «Wir glauben, dass es noch traumatischer wäre, sie noch einmal zu transportieren, wenn sie ja sicher hier auf dem Gelände (...) freigelassen werden kann, wo eine Hektare mit Bäumen zur Verfügung steht.»

Spott über neuen Weihnachtsbaum

Am Samstag haben Arbeiter den traditionellen Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center im Herzen New Yorks aufgestellt. Ein Kran hob den 23 Meter langen Stamm von der Ladefläche eines Schwerlasttransporters und platzierte ihn auf einer grossen Plattform, wie Bilder des Fernsehsenders ABC zeigten. Die Fichte war in der Nacht zuvor aus der Kleinstadt Oneonta, die 270 Kilometer nördlich von New York liegt, angeliefert worden.

«Wir haben das Gefühl, dass der Baum in diesem Jahr lebenswichtig ist», schrieben die Besitzer des Rockefeller Center in einer Mitteilung. «Er ist ein Symbol der Hoffnung und Widerstandsfähigkeit.» In den kommenden Tagen werden die Zweige mit Zehntausenden Lichtern dekoriert. Ab dem 2. Dezember sollen sie leuchten.

Der Weihnachtsbaum aus dem Jahr 2015 vor dem Rockefeller Center in New York.
Der Weihnachtsbaum aus dem Jahr 2015 vor dem Rockefeller Center in New York.
Foto: Theo Wargo (Getty Images) 

In den sozialen Medien sorgten die ersten Bilder der etwas mitgenommen aussehenden Fichte für viel Spott. Manche Nutzer sahen den Zustand des Baums als sinnbildlich für das Jahr 2020: «Der Rockefeller-Weihnachtsbaum hat, genau wie der Rest von uns, im Jahr 2020 wirklich einiges durchgemacht», schrieb etwa ein Nutzer auf Twitter. Ein anderer meinte, der Baum sehe so aus, als ob er versucht hätte, seine eigenen «Haare» zu schneiden.

EB Kelly erklärte der «New York Times», das seien die «normalen Effekte» des Transports der Fichte. Diese werde dafür zusammengebunden, und es brauche eine Weile, bis sich die Äste wieder in ihre ursprüngliche Position bewegten, meinte Kelly. Die Leute würden nicht enttäuscht sein, wenn der Baum am 2. Dezember erstrahle.

Wie das Anschalten der Lichter ablaufen wird – normalerweise ein Spektakel vor grossem Publikum –, ist noch nicht bekannt. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio kündigte angesichts der Coronavirus-Pandemie bisher lediglich «zusätzliche Vorkehrungen» an. Mit der seit den 1930er-Jahren zelebrierten Show startet New York traditionell in die Weihnachtssaison.

sho/sda

4 Kommentare
    Carmen Siegrist

    Dieser Film konnte mir nach all den üblen Nachrichten ein wohltuendes Lächeln ins Gesicht zaubern. Wunderschön dieser Eulenblick, und dass die Arbeiter sich des Tieres angenommen haben. Das sind nennenswerte Lichtblicke im Alltag.